Bevor es zu spät ist

Einserkastl13. Mai 2012, 18:15
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Vom Mut, ein wahrhaftiges Leben zu leben und es nicht am Sterbebett zu bereuen

Den besten Teil des Lebens verbringt man bekanntlich damit, es den anderen nur ja recht zu machen. Dass damit nicht alles gut wird (eher im Gegenteil), lässt sich an den dunklen Ahnungen erkennen, die die Wirtschaftswahrsager dieser Tage für Europa bereithalten: Schaut fast so aus, als ob der ganze Tschoch am Ende für die Katz war und wir uns rechtschaffen und fremdbestimmt dem Abgrund entgegenschleppen.

Dass es auch anders ginge, dass der Mensch die Freiheit hat, den eigenen Kopf zum Maßstab seines Handelns zu machen, ist ihm zwar irgendwie eingegeben - eingefordert und gewagt aber wird es nur selten.

Das hat eine Australierin jetzt zum Thema eines Bestsellers gemacht. Bronnie Ware ist Sterbebegleiterin und sitzt gewissermaßen an der Quelle, was Erkenntnisse zu den letzten Dingen betrifft. In ihrem Buch mit dem tollen Titel "The Top Five Regrets of the Dying" berichtet sie, was Menschen, die sich für das Ende rüsten, in ihrem Leben gern anders gemacht hätten.

Ganz besonders oft bedauern Sterbende demnach, "nicht den Mut gehabt zu haben, ein wahrhaftiges Leben zu leben", und nur ausgeführt zu haben, was andere von ihnen erwarteten. Dicht gefolgt wird dies von der Reue, viel zu hart gearbeitet, statt mehr Zeit mit seinen Lieben verbracht zu haben.

Jetzt, wo vielleicht eh alles den Bach runtergeht, könnte ein guter Moment sein, sich dessen zu gewärtigen. In diesem Sinn: Auf eine gute Woche! (Severin Corti, DER STANDARD, 14.5.2012)

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