Ressourcenverbrauch Österreichs steigt

13. Mai 2012, 17:57
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EU-Staaten überprüfen zunehmend ihre Rohstoffsituation: Die Studie für Österreich zeigt einen wachsenden Bedarf und Recyclingpotenzial

Wien - Bei praktisch allen Rohstoffen wird in Österreich mehr verbraucht als erzeugt oder abgebaut werden kann, zeigt eine neue Studie des Umweltbundesamts zum "Ressourcenverbrauch der Industrie". Selbst beim nachwachsenden Rohstoff Holz, an dem Österreich über größer werdende Bestände verfügt, kommt es zu einer wachsenden Abhängigkeit von Importen.

Dieser Umstand zeige zwar, dass Österreich über eine gut aufgestellte Holz-, Säge- und Papierindustrie verfügt, erläutert Thomas Krutzler, einer der Studienautoren: "Der Rohstoff wird ja veredelt wieder exportiert". Doch wird der Wachstumstrend in die Zukunft fortgeschrieben, kann es zu Versorgungsengpässen für die verarbeitende Industrie kommen.

Ähnlich wird die Situation im Umweltbundesamt bei mineralischen Rohstoffen (etwa Steine, Granite, Sand, Kies) gesehen, die am Bau benötigt werden. Da kann der Inlandsbedarf zwar gedeckt werden, "mit einer weiterhin wachsenden Bauindustrie würde aber bis 2020 die doppelte Menge von heute benötigt", sagt Krutzler. Dies sei insofern problematisch, als Baurohstoffe, da relativ billig, räumlich nur eingeschränkt handelsfähig sind. Bei Distanzen von mehr als 30 Kilometern sind die Transportkosten höher als die Gestehungskosten des Rohstoffs.

Versorgungsrisiko wächst

Im Wirtschaftsministerium wird diese Problematik erkannt: "Trotz ausreichender Lagerstättenvorräte wächst aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsansprüche von Siedlungs- und Schutzgebieten das Versorgungsrisiko", heißt es dazu. In allen Bereichen wird es als wichtig angesehen, dass die Recyclingquoten angehoben werden, auch dort, wo Österreich über Vorkommen verfügt wie etwa bei Magnesium, Wolfram oder Lithium - Letzteres wird derzeit nicht abgebaut.

Diese "Sekundärerzeugung" - also die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Schrott oder Altgeräten, sollte besonders in jenen Bereichen forciert werden, in denen es um (häufig: seltene) Metalle geht, die für die Weiterentwicklung von Zukunftstechnologien als wichtig eingeschätzt werden. "Nur bei Massenmetallen ist die Recyclingquote hoch", erläutert Krutzler.

Eine dominante Rolle spielt dabei bereits die BMG Metall und Recycling GmbH in Arnoldstein, eine Sekundärbleihütte, deren wichtigstes Produkt mit einer Jahresproduktion von etwa 14.000 Tonnen Antimonblei ist.

Beim Recycling seltener Metalle sind auch die Montanwerke Brixlegg von Bedeutung. Diese stellen Platin und Palladium als Nebenprodukt bei der Erzeugung von Silber und Gold her - das wiederum als Nebenprodukt von Kupfer aus 160.000 Tonnen Kupferschrott hergestellt wird.

Hoher Recyclingbedarf

Der Bedarf an seltenen Metallen für die österreichische Industrie, und da vor allem die metallverarbeitende und die Elektroindustrie, ist jedenfalls hoch, heißt es in der Studie. Die Metallindustrie setzt vor allem Legierungsmetalle (wie Kobalt), Refraktärmetalle (Niob, Tantal, Wolfram), Magnesium und seltene Erden ein.

Die Elektronikindustrie ist vor allem auf Germanium, Indium und Kobalt angewiesen. Seltene Erden werden überall dort gebraucht, wo Elektromagneten und färbige Leuchtdioden eingesetzt werden. Lithium wird nicht in Österreich verarbeitet, sondern in Form von Lithium-Ionen-Batterien importiert.

Als besonders dringend wird Recycling bei seltenen Erden angesehen, bei denen es weltweit eine gut 90-prozentige Importabhängigkeit aus China gibt. Der wichtigste Player in Österreich ist die Treibacher Industrie AG in Tirol, die daraus Produkte wie spezielle Verbindungen für Poliermittel oder Zusätze für die Glas- und Stahlindustrie herstellt. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD,

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