Wild war das Wasser, Berg ist der Beruf

  • Drei WM-Titel und fünf Weltcups hat Profanter geholt. Den sportlichen 
Vergleich braucht sie nicht mehr. Überholt sie einer auf dem 
Mountainbike, so denkt sie sich: "Soll er halt fahren."
    foto: privat

    Drei WM-Titel und fünf Weltcups hat Profanter geholt. Den sportlichen Vergleich braucht sie nicht mehr. Überholt sie einer auf dem Mountainbike, so denkt sie sich: "Soll er halt fahren."

  • Der junge Mann auf Profanters Rücken heißt Lukas. In der Krax'n sitzt er
 nur noch selten, weil er erstens nicht leichter wird und zweitens 
Energie ohne Ende hat.
    foto: privat

    Der junge Mann auf Profanters Rücken heißt Lukas. In der Krax'n sitzt er nur noch selten, weil er erstens nicht leichter wird und zweitens Energie ohne Ende hat.

Uschi Profanter war im Wildwasserpaddeln eine Macht und Österreichs Sportlerin des Jahres 1995. Heute kümmert sie sich um Lukas und organisiert alpine Expeditionen. Ihr Berg ist der Elbrus

Graz - "Ich war immer schon Bergsteigerin", sagt Uschi Profanter. Und das kommt schon recht überraschend für jemanden, der sich mit jener Uschi Profanter unterhalten wollte, die immer schon Kanutin war. Und nun gibt es zwar nur eine Uschi Profanter, doch gibt es mehr als nur eine Jahreszeit. Und also ist die Kanutin schon seinerzeit im Winter einmal wöchentlich eine Skitour gegangen. "Am Trainingsruhetag, zur Entspannung."

Wurde übers Paddeln geredet, fiel der Name Profanter noch im selben Atemzug. Ende der 80er- Jahre und in den 90ern war die Grazerin in der Wildwasser-Regatta eine Macht. Es ist zwar nicht so, dass sie mit ihrer Domäne völlig abgeschlossen hätte - erst vergangene Woche war sie wieder einmal zwecks Paddel-Unterrichts im Rahmen einer Schulsportwoche in Schielleiten unterwegs. Aber zwecks Gaude einen reißenden Bach hinuntersteuern, das tut sich Profanter nicht mehr an. Da geht sie lieber, zwecks Gaude und auch zwecks Geldverdienens, auf einen Berg. Zum Beispiel auf den höchsten in Europa oder auch auf den höchsten in Afrika.

Tourenski statt Paddel

Der 5642 Meter hohe Elbrus im Kaukasus und der 5895 Meter hohe Kilimandscharo in Tansania haben es der Steirerin besonders angetan. "In einigen Tagen geh ich mit den Tourenski wieder den Elbrus an." Sie organisiert Expeditionen, darauf hat sie sich nach ihrem Rücktritt (2002) spezialisiert. Profanter ist sozusagen ihre eigene Firma, ihr Name keine üble Marke. "Ich hab damals lange überlegt, wie ich die Karriere danach angehen soll. Aber die Berge waren naheliegend." Ihr Freund Rudi Stangl ist im selben Metier unterwegs, in der Expeditionsorganisation und in den Bergen. Er war an die 80-mal auf dem Gipfel des Kilimandscharo. "Es wird nicht viele Weiße geben", sagt Profanter, "die so oft oben waren wie der Rudi."

Ihr Berg ist eher der Elbrus. Im Winter wie im Sommer. "Mit den Skiern ist er noch schöner. Aber auch sonst ist die Landschaft toll." Sie kooperiert mit einer vor Ort lebenden Deutschen, die mit einem Russen verheiratet ist. Orts- und Sprachkenntnisse seien wichtige Türöffner. Und der Himalaya? Achttausender? "Die brauch ich nicht", sagt Profanter. " Dort oben herrschen so widrige Umstände. Für mich steht der Genuss im Vordergrund." Ob sie nicht fürchtet, dass Langeweile aufkommt, wenn sie sich - wie der Rudi - irgendwann zum 80. Mal in ein Gipfelbuch einträgt? "Ich glaub, mir würde eher fad werden, wenn ich jeden Tag in dasselbe Büro gehen müsste. Ich tu, was mir Spaß macht, und ich kann leben davon."

Der spendable Löwenkopf

Leben konnte sie, nach einer Anlaufphase, auch vom Kanusport. Dank Sponsoren wie dem Grazer Kaufhaus Kastner & Öhler (legendäres Löwenkopf-Logo), vor allem natürlich dank ihrer Erfolge. Einem Junioren-WM-Titel (1986) folgten drei WM-Titel in der allgemeinen Klasse sowie fünf Gesamtweltcupsiege. Wildwasser-Regatta, das bedeutete 15 bis 20 Minuten einen Bach oder Fluss hinunterpaddeln, ohne Tore, es ging darum, möglichst im Training den schnellsten Weg zu finden. "Es war kein Kampf gegen das Wasser, sondern mit dem Wasser. In einem sehr guten Rennen bist du eins mit dem Wasser, da ist kein Widerstand da."

Publikumsträchtig war Profanters Sport ebenso wenig wie olympisch. Deshalb wechselte sie in den olympischen Saisonen stets ins Flachwasser auf die 500-m-Strecke, vergleichsweise ein Sprint. Die Qualifikation für die Spiele schaffte sie locker, jene fürs Finale ging sich noch aus, die Medaillen aber hingen zu hoch. 1992 war sie Fünfte, eine Sekunde fehlte auf die Siegerin. "Das hol ich auf, hab ich mir gedacht, und beim nächsten Mal eine Medaille. Aber leider haben sich auch die anderen verbessert." Der sechste Platz 1996 und der achte Platz 2000 waren die Folge.

Neue Herausforderung

Sehr bemerkenswert ist, dass Profanter einmal als "Sportlerin des Jahres" geehrt wurde, 1995 und als erste Sommersportlerin seit der Judoka Edith Hrovat (1984). Wehmütig wird Profanter also nicht, wenn sie an Olympia denkt. "Wildwasserfahren hat sowieso mehr Spaß gemacht, es ging nicht so verbissen zu. Ich wollte mich nie in ein Schema pressen lassen. Und ich war auf der ganzen Welt mit meinem Boot unterwegs." Was sie jedenfalls nicht mehr braucht, ist der sportliche Vergleich. Zum Beispiel ist sie oft mit dem Mountainbike unterwegs. "Und wenn mich einer überholt, weil er schneller fährt als ich, soll er halt fahren."

Ihre größte Herausforderung derzeit heißt Lukas und ist vier Jahre alt. Lukas geht schon fleißig bergauf, die Frau Mama bescheinigt ihm "ein sportliches Gestell und enorme Energie". Auf Elbrus oder Kili muss er aber noch warten. Profanter will Anfang 2013 eine reine Frauentour auf den Kilimandscharo organisieren. Die Überlegung dahinter: "Viele Frauen fürchten, dass sie mit Männern nicht mitkommen." Die Angst ist meistens unbegründet, sagt die Ex-Kanutin und Immer-schon-Bergsteigerin. "Frauen überschätzen sich seltener. Männer gehen es oft zu schnell an und schaffen deshalb den Gipfel nicht." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 14.5.2012)

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