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Wien/Rom - Heikle Entscheidungen ohne Absprache mit der Chefetage zu treffen trübt mitunter das Arbeitsklima. Diese Erfahrung muss jetzt Kardinal Christoph Schönborn machen. Die Diskussion über einen homosexuellen Pfarrgemeinderat in der Weinviertler Gemeinde Stützenhofen - der STANDARD berichtete - hat jetzt nämlich den Vatikan erreicht. Konkret beschäftigt sich derzeit die mächtige Glaubenskongregation mit den heiklen Vorgängen in der kleinsten Pfarrgemeinde der Erzdiözese Wien.
Die Entscheidung Schönborns, die Stützenhofener Pfarrgemeinderatswahl trotz eines schwulen Kandidaten auf der Wahlliste nicht zu beeinspruchen, wollen die strengen Glaubenshüter in Rom nicht so einfach hinnehmen. Wie der STANDARD aus gut informierten Vatikan-Kreisen erfuhr, wurde der Wiener Erzbischof von der Glaubenskongregation bereits brieflich aufgefordert, sich entsprechend zu erklären. Sollte dies nicht passieren, liegt bereits ein Beschluss der Glaubenshüter vor, den Kardinal bei seinem nächsten Rom-Besuch vorzuladen.
Man beruft sich in Rom auf gültiges Kirchenrecht: Gleichgeschlechtliche " Tendenzen" werden zwar nicht mehr als Sünde angesehen, "homosexuelle Handlungen" allerdings schon. Und der schwule Pfarrgemeinderat von Stützenhofen lebt in einer eingetragenen Partnerschaft. Dennoch will man Schönborn offensichtlich nicht zwingen, seine Entscheidung - gefällt nach einem persönlichen Gespräch mit dem schwulen Paar - rückgängig zu machen. Aber zumindest eine Zusicherung, dass dies ein einmaliger Vorgang war, wünscht die Glaubenskongregation.
Im Erzbischöflichen Palais will man nichts von einem vatikanischen Rüffel wissen. "Von einem Druck aus Rom oder einem Brief der Glaubenskongregation ist mir nichts bekannt. Und der Kardinal hat die Wahl eben nicht bestätigt, sondern nur nicht beeinsprucht. Es war eine, aus pastoralen Erwägungen getroffene, Einzelfallentscheidung", stellt Schönborn-Sprecher Michael Prüller auf Anfrage klar. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 14.5.2012)
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"trübt mitunter das Arbeitsklima"
So eine Trübung kann aber das Arbeitsklima ganz schön erleichtern. Mit diesem Randproblem erhält Schönborn plötzlich wieder den Touch des liberalen, progressiven, im richtigen Maß gegen Rom agierenden Reformer. Dies hilft ihm bei seinem Hauptproblem - der Pfarrerinitiative. Die kann er wieder leichter als unausgewogen agierend darstellen.
An alle Ausgetretenen hier: was mischt ihr Euch überhaupt hier ein...? Das ist doch auch eine Heuchelei - einen Verein verlassen, aber sich immer noch grossartig wichtig machen.
An alle "Auftreter statt Austreter": So wird es die Kirche schaffen, auch noch die letzten vernünftigen praktizierenden Katholiken, die mit beiden Beinen im Leben stehen, zu vertreiben. Bleiben noch a paar MarienverehrerInnen und Betfunsen übrig!
Fenster auf, Frische Luft herein!!!
.. dass sich immer die Poster so stark zu Wort melden, wenn es eigentlich in diesem Falle um eine rein kirchlich interne Angelegenheit geht und diese Personen ja angeblich die Kirche ja gar nicht interessiert ...
Könnte es rein theoretisch sein, dass es da die eine oder andere Person gibt, die auf ihre Art und Weise missionieren will?
;-)
Ich kann nur für mich sprechen. Mich fasziniert immer wieder die Scheinheiligkeit in so einem Fall. Die halbe Welt weiß, dass unter den Priestern zu gut einem Drittel ebenfalls "gleichgeschlechtliche Tendenzen" (wie es oben bezeichnet wird) existieren. Man tut aber so, als ob es das alles gar nicht geben würde.
Das gab es einmal einen Ex Priester dessen Namen mir nicht einfällt, der aber nach der Zurücklegung seines Priesteramtes als Psychiater arbeitete und natürlich viel mit "Ex-Kollegen" zu tun hatte.
Seien Aussage: 1/3 der Priester ist so alt, dass Sexualität keine Rolle mehr spielt.
1/3 hat eine Freundin.
1/3 ist homosexuell.
Ob nun ein oder zwei Drittel – der Anteil liegt jedenfalls mit Sicherheit weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Nicht zu vernachlässigen ist dabei auch die Zahl derer, die sich nichts aus Frauen machen, enthaltsam leben und allen Ernstes denken, dass das, was sie für Männer empfinden, bloß ein Gefühl tiefer Freundschaft wäre. Vos autem dixi amicos;-)
"Die halbe Welt weiß, dass unter den Priestern zu gut einem Drittel ebenfalls "gleichgeschlechtliche Tendenzen" (wie es oben bezeichnet wird) existieren."
Wie kommst du auf mind. ein Drittel? Das ist doch nur eine Vermutung und keine Tatsache. (Wobei es mich jetzt nicht besonders überraschen würde)
Ich habe ja bei Weitem nicht gesagt, dass es keine Widersprüche in dieser Organisation gäbe ...
Ich habe mich nur darüber gewundert, dass in diesem Zusammenhang oft diejenigen am lautesten schreien, die nicht einmal (mehr) Mitglied dieser Vereinigung sind.
Wenn ich persönlich von einer Gemeinschaft austrete, ist mir diese Gemeinschaft im Allgemeinen nachher ziemlich egal ...
macht und ideen der religionen spielen nach wie vor eine rolle.
ideologien, die sich nicht in frage stellen lassen, provozieren. das gilt erst recht für klassische religionen.
auch wenn man ausgetreten ist, die religion hat bei ausgetretenen die kindheit beeinflusst (und u.u. traumatisiert).
ich interessiere mich für ideenkultur. da ist religion immer ein interessantes thema.
bemerkenswert ist: kirchentreue haben kein problem mit mission. wenn menschen, die aus der kirche ausgetreten sind, argumentieren (und damit eine art von gegenmission betreiben, in nachfolge einer bewegung, die man aufklärung genannt hat), schüttelt man den kopf.
in einem punkt gebe ich ihnen recht: es gibt auch heuchlerische kritik an der religion.
jetzt der Benedikt dem Schönborn das Kündigungsschreiben nächtens vor die Wohnungstür legt!
Aber fast könnte Schönborn einem leid tun, jetzt ist es wohl aus mit dem Traum vom Papst werden. Das kommt wohl davon, wenn man sich auf Gespräche mit den Menschen und ihre Gefühle einlässt und nicht ganz kalt technokratisch-abstrakt Glaubensfragen entscheidet!
Bin gespannt, ob Schönborn jetzt wieder eine Kehrtwendung nach Rom macht (wovon ich ausgehe), oder auf die Wünsche der Mehrheit seines Kirchenvolkes hört. Letzteres wäre eher ein kleines Pfingstwunder!
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