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Laut und leise, streng und gütig, machtbewusst und kooperationswillig: Bei seiner 75-minütigen Rede beim Landesparteitag der niederösterreichischen VP zog Erwin Pröll alle Register.
Böheimkirchen - Bescheidene Inszenierungen sind die Sache der niederösterreichischen Volkspartei nicht. Da wird die Produktionshalle einer Holzfirma ausgeräumt und in Blau-Gelb getaucht, jede Gefühlsregung auf überlebensgroße Leinwände projiziert und ein minutiöser Regieplan erstellt, der natürlich einzig und allein auf ihn zugeschnitten ist: Erwin Pröll. Seine Wiederwahl als Landesparteiobmann steht an. In zehn Monaten schlägt er seine wahrscheinlich letzte Landtagswahl. Und bei der, so wird zwischen den großen Holzstapeln suggeriert, geht es um alles. Um das Land. Um Erwins "own country".
Aber der Reihe nach. Zu Beginn des Parteitags darf sich Bundesparteiobmann Michael Spindelegger - "der Michel", wie ihn Pröll später nennen wird - seinen Applaus abholen. In der Frage der transparenten Parteienfinanzierung habe ihn der Landeshauptmann vor sich hergetrieben, wurde in den letzten Tagen geunkt. "Gute Kooperation" nennt das Spindelegger, der im Gegenzug verspricht, "der Jagdgesellschaft auf Erwin Pröll den Kampf anzusagen". Jubel in der Holzhalle. Keine alltägliche Reaktion auf Ansagen des Chefs der krisengebeutelten Schwarzen.
Dann betritt Landesgeschäftsführer Gerhard Karner die Bühne, und wie im politischen Tagesgeschäft greift er in die Vollen, wenn es darum geht, auf die politische Konkurrenz hinzuhauen und die eigenen Parteifreunde in Wallung zu bringen. Wer genau zuhört, erkennt bereits die Argumentationslinie für den Wahlkampf: Die Freiheitlichen - die am Samstagvormittag übrigens Barbara Rosenkranz als Landesparteichefin wiedergewählt haben - würden nur vor der Wahl groß reden, um nach der Wahl groß abzukassieren. Das sei man von ihnen ja gewohnt. Richtig in Rage gerät Karner aber erst, wenn es um seinen roten Lieblingsgegner geht, für ihn eine zerstrittene Partei im Dauerwahlkampf. Glimpflich kommen hingegen die Grünen davon, die seien "grau geworden", befindet Karner verhältnismäßig zahm.
Pathetische Einschübe
Und endlich: Auftritt Erwin Pröll. 75 Minuten lang - so haben's die eigenen Pressesprecher gestoppt - schwört er die Schwarzen auf seine mittlerweile sechste Wiederwahl ein und zieht dabei alle Register. Laut und leise, streng und gütig, machtbewusst und kooperationswillig. Und immer wieder trieft Pathos aus seinen Worten. Als er sich unlängst morgens um sechs aufs Radl geschwungen habe, da habe er das Weinviertel so betrachtet und sich gedacht: "Lieber Gott, du hast uns wirklich eine wunderschöne Heimat gegeben", erzählt Pröll mit bebender Stimme.
Als er schließlich die Schwarzen auf die Landtagswahl einschwört, könnte man eine Stecknadel in der riesigen Halle fallen hören. Eine Fußballmetapher muss her als Sinnbild für den dräuenden Wahlkampf: Man befinde sich in der 75. Minute eines Matches, und es stehe, so schätzt Pröll, 2:0 für sein Team. Doch es habe schon Mannschaften gegeben, die schließlich trotzdem 2:3 verloren hätten. "Das passiert, wenn man leichtfertig wird, wenn man Disziplin und Taktik nicht einhält", warnt Pröll - und spricht damit ganz offen die schwarze Urangst an: dass sich angesichts der schwächelnden politischen Konkurrenz im Land schwarze Funktionäre wie Wähler zu sehr zurücklehnen könnten.
Lieber Neid als Mitleid
Denn der niederösterreichische VP-Chef will auch nach der nächsten Wahl "Klarheit", sein Wort für die absolute Mehrheit. Für ihn eine "ordentliche Arbeitsgrundlage" im Gegensatz zu den "verwaschenen Verhältnissen" in der Bundesregierung. Dass ihm diese "Klarheit" oft vorgehalten wird, scheint Pröll nicht weiter zu stören: "Mir ist Neid hundertmal lieber als Mitleid." Und, noch so ein pathetischer Moment: "Wenn es um das Land geht, nehme ich alles in Kauf."
Bis zur Landtagswahl dauert es noch knapp ein Jahr, für Klarheit innerhalb der niederösterreichischen Volkspartei wurde am Samstag bereits gesorgt: 98 Prozent der Delegierten bestätigten Pröll als Landesparteiobmann. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 14.5.2012)
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Dass Landeshauptmänner in Österreich in der Regel ohne großen Gegenwind wiedergewählt werden liegt nicht unbedingt an der großartigen politischen Leistung die sie abliefern, sondern am System des österr. Finanzausgleichs, der den LHs genau eine Funktion zuordnet. Nämlich Geld unter die Leute zu bringen, in Form von Förderungen, Subventionen, Landeszuschüssen, Krankenhausneubauten und Ortsumfahrungen usw.usf.. Hingegen sind sie mit Ausnahme von ein paar Jagdkarten so gut wie für keinen Cent verantwortlich den der Bürger dafür an Steuern zahlen muss. Da muss schon ein ordentlicher Sautrottel oben stehen oder die Übergabe an den Thronfolger ordentlich vermasselt werden, dass eine LH Partei abgewählt wird.
In NÖ unterscheiden sich Landeswahlergebnisse von Nationalratswahlen signifikant!
Das geht bis zum Sozi-Sieg (Bundeswahlen), während bei Landtagswahlen deutliche ÖVP-Mehrheiten die Regel sind, im Gegensatz zu Wien, wo es immer(!) rote Mehrheiten gibt, egal, ob landes- od. Bundeswahl. Daraus ergibt sich die Frage: Wo kann man eher von DDR-ähnlichen Verhältnissen sprechen?
ist eher dieser unerträglich präpotente Umgang des Herrn Pröll mit seiner Macht (siehe unter anderem auch unten schon gepostete Video http://www.youtube.com/watch?v=J... Vhez2o0U), was viele PosterInnen an diesem Rüpel so abstößt.
ein als mittelalterlicher Feudalherr verkleideter Clown, der sich ob seiner Selbstbezogenheit derartig ernst nimmt, dass er gar nicht merkt, wie sehr seine komische Kopftracht für seine Wirkung nach außen steht.
Zum Niederknien komisch, aber leider bittere Realität in einem Land der Jäger und Sammler. Hoch lebe St. Pölten!
parteiinterner Kritiklosigkeit und/oder Kadavergehorsam.
....oder sind die beiden LH wirklich so perfekt?
Abgesehen davon ist es bei den anderen Parteien wahrscheinlich auch nicht viel besser.
Die Zahl derer, die "in die erste Reihe" wollen ist halt eher beschränkt (und viele derjenigen, die in der ersten Reihe stehen sind dies ebenso).
da rot, blau und grün in niederösterreich sowohl personell als auch inhaltlich derart schwach sind wie in kaum einem anderen bundesland, hat pröll leichtes spiel. insofern ist zu befürchten, daß es auch nach der nächsten wahl bei der absoluten övp-allmacht bleiben wird.
Die politischen Gegner treibt der Neid, die meisten Journalisten der Zorn darüber, dass Erwin Pröll ein erfolgreicher, vom Wähler immer wieder bestätigter LH ist, dem sie aber auch bei größter Anstrengung nichts am Zeug flicken können, weil er etwas weitergebracht hat, NÖ moderner gemacht hat und unglaublich viel bewegt hat, bewegt und weiter bewegen wird.
genau, der rechnungshof ist wohl auch nur neidig
http://derstandard.at/133963831... ann-Proell
besonders in jedem kuhdorf ein krankenhaus hinstellen und alle zuglinien zusperren ist weder modern noch bürgernah.
wollen sie nicht auch lieber von einem arzt betreut werden der das was sie haben öfter als ein mal im jahr sieht?
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