Warnung vor Aufweichung der Benya-Formel

13. Mai 2012, 11:12

ÖGB-Präsident im "VN"-Gespräch: Österreich würde seinen Wettbe­werbs­vorteil aufgeben und volkswirtschaftlichen Schaden erleiden

Wien - ÖGB-Präsident Erich Foglar warnt die Arbeitgeberseite davor, bei der bevorstehenden Metaller-Herbstlohnrunde die Benya-Formel aufzuweichen. Dabei handelt es sich um die Übereinkunft zu einer "produktivitätsorientierten Lohnpolitik", wonach sich die jährlichen Lohnerhöhungen neben der Inflationsrate auch an der Produktivitätserhöhung orientieren sollen. "Die Formel gibt es seit 1972 und ist Grund dafür, dass wir als eines der wenigen Länder in der Eurozone keine Probleme haben", so Foglar im Gespräch mit den "Vorarlberger Nachrichten" (Samstagausgabe).

"Wenn nun die Arbeitgeber glauben, etwas aufgeben zu müssen, worum andere Länder ringen, ist das eine bedenkliche Vorgehensweise", betont Foglar. In diese Richtung gehende Ankündigungen industrienaher Kreise seien "kurzsichtig". Österreich würde dadurch seinen Wettbewerbsvorteil aufgeben und einen volkswirtschaftlichen Nachteil erleiden. Foglar erwartet eine "sehr harte Diskussion".

Berechnungsformel "gehöre Vergangenheit an"

Zuletzt hatte Ulrich Schuh, Chef des industrienahen Forschungsinstituts EcoAustria, Mitte März vorgeschlagen, in künftigen Lohnverhandlungen die sogenannte Kerninflation herauszurechnen. Damit würden die Löhne des einzelnen zwar weniger steigen, die Beschäftigung insgesamt aber profitieren. Als Größenordnung für den Inflationsanteil, der aus den Berechnungen herausgenommen werden sollte, schwebt Schuh etwa ein Fünftel vor.

Die bisherige Berechnungsformel für die Löhne gehöre der Vergangenheit an und könne in Zeiten beharrlich steigender Rohstoff-/Energiepreise nicht mehr angewendet werden, meinte man in dem der Industriellenvereinigung (IV) nahestehenden Institut. Nach der nach dem früheren ÖGB-Präsidenten Anton Benya benannten Formel ist in den Verhandlungen zunächst die Inflationsrate (Verbraucherpreise über 12 Monate) berücksichtigt worden. Zusätzlich wurden die Produktivitätsgewinne zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geteilt.

Foglar fordert im VN-Gespräch auch eine Verbesserung des Sozialstaates: Werden die Leistungen gekürzt oder gestrichen, führe das direkt in die Rezession. Der Sozialstaat sei auch in der Krise Garant dafür gewesen, dass in Österreich nichts Schlimmeres passiert sei.

Um den Sozialstaat zu finanzieren, müssten auch Vermögende "endlich faire Beiträge" leisten. Bisher trügen vermögensbezogene Steuern wenig dazu bei. Das müsse sich ändern. Gleichzeitig brauche es dringend eine Steuerreform zur Entlastung der Arbeitnehmer-Einkommen, faire Löhne und den Abbau der großen Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. (APA, 13.5.2012)

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21 Postings
Der ÖGB-Chef beweist nur seine total fehlende Sachkunde.

Er beharrt auf dem ewig-gestrigen und längst überholten, auch auf die Gefahr hin,damit die Republik ins Trudeln zu bringen.. Ein Trauerspiel einen solchen Laien als ÖGB-Chef zu haben. Seine Schlußfolgerungen sind nicht nur lächerlich, sondern auch peinlich.

und warum? - ein wenig erhellung weden's uns doch gönnen, der herr?

wenn gewerkschaftler über wirtschaftliche

zusammenhänge zu reden beginnen ist gefahr im verzug

jep, danach stehen nämlich gehaltserhöhungen und natürlich die alljährlichen kündigungen an, um diese abzufedern ;-)

WER hat WANN die sogenannte Benya-Formel zu einer wissenschaftlich anerkannten Formel erhoben ?

also WER ?

und WANN ?

HAAAAAALLOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO ??!

Obacht Lohnnebenkosten

An alle Nebenkosten-basher: Den Großteil macht das Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Abfertigungsanspruch, Gesundheitsdienste, Sozialdienste und Pensionskasse aus. Noch immer "Runter mit den Nebenkosten"?

Dass die Arbeitgeber das pushen ist klar, aber wenn Arbeitnehmer das fordern, wird's krass...

Foglar ist eine Witzfigur

wenn er es nötig hat sich auf ein Konzept aus 1972 zu berufen. Hohe Altersarbeitslosigkeit, extrem hohe Steuern auf Arbeit, Reallohnverluste in den letzten Jahren und bestechliche Betriebsräte sind Tatsachen. Damit sollte sich Herr Foglar beschäftigen. Dafür soll er Lösungen vorschlagen. Wozu zahlen wir den Menschen eigentlich?

Hat der noch alle?

Die Benja-Formel ist in den letzten Jahren niemals angewendet worden!

Im übrigen sollte er mal erklären, warum der ÖGB die Unterschriftensammlung zur Einleitung eines Volksbegehrens zur Entlastung der Steuern auf Arbeit und zur Einführung einer Vermögenssteuer komplett ignoriert:

www.hermitdemzaster.at

Das entspricht zwar der offiziellen Linie der Gewerkschaft, aber nicht der der SPÖ. Und wenn es um die Entscheidung zwischen Unterstützung der Arbeitnehmer und dem Einschleimen bei der SPÖ geht, bevorzugt der ÖGB immer noch letzteres.

In den letzten 15 Jahren

wurde die Benya-Formel aber nur selten angewandt.

es gibt bereits faire löhne.

die lohnnebenkostens sinds, dies fressen.

für ne stunde geld muss man schon 2 stunden arbeiten.

und damit man eine stunde arbeit bekommt, schon 2 stunden bezahlen.

vlt sollte man die beschäftigung steigern, damit diejenigen, die arbeiten nicht immer für andere mitarbeiten müssen?

runter mit den bruttolöhnen und rauf mit dem nettolöhnen!!!

"Aufweichung der Benya-Formel" wäre doch geradezu Leichenschändung !

Lieber soll das Land zu Grunde gehen als unsere "wohl erworbenen Rechte" !

Na dann, gute Nacht, Österreich.

sie wollen wohl eine negative gehaltserhöhung.

Die ist heutzutage längst gegeben (inflationsbereinigt) !

das geht vielen selbstständigen nicht anders.

nur dass sie auch noch mit höheren lohnabschlüssen konfrontiert sind.

man muss halt entweder mehr am unternehmenserfolg beteiligt sein (erfolgsprämien, verlustbeteiligung etc) eher riskant
oder mus seine lohnforderungen zurückschrauben.

da werden lohnabschlüsse für 300 000 menschen getroffen ohne sich die unternehmenssituation anzusehen.

wenn die lohnerhöhungen zu hoch abgeschlossen werden, dann muss halt wieder mal einer gekündigt werden.

hilft nicht. bedanken sollte man sich halt dann bei den gewerkschaften.

Sie schreiben von so genannten "Verteilungskampf".

Die Zukunft der Arbeitswelt wird nach meiner Befürchtung in eine dramatischen Zunahme der Scheinselbständigen - überwiegend in (mehreren) prekären Verträgen - liegen. In Italien sind es laut einem fernsehbericht bereits über 3 Millionen Ich-"AGs".

Eine NOCH absurdere "Erklärung" ökonomischer Zusammenhänge als die von Foglar hab ich echt noch nie gehört ;-))) Sicher, als Gewerkschaft hat man einen bestimmten Auftrag, aber selbst dann sollte man doch versuchen sich von der Realität nicht ganz zu verabschieden.

noch absurder?

_

doch: NOCH absurder sind immer die 'Erklärungen' der wirtschaftsnahen Leute/Institute.

wenn mans nicht versteht, ist alles absurd ;-)

Mehr Lohn schafft mehr Jobs? Dann müsste es in Griechenland usw., wo die Löhne in den letzten Jahren VIEL höher als die Produktivität gestiegen sind, ja unendlich viele Jobs geben! ;-))) Bitte machen Sie sich nicht lächerlich, Sie tun Ihrer Sache damit keinen guten Dienst!

lohn hängt primär mit produktivität zusammen

ebenso der profit.
das ist wohl nicht zu leugnen.

und da in österreich in der regel hochproduktiv gearbeitet wird, sollten auch die löhne dementsprechend hoch sein.

ansonsten läuft was schief

die bruttolöhne sind eh hoch genug (meiner meinung nach sogar überhöht)

netto bleibt nichts übrig.

jede gehaltserhöhung kostet den unternehmer doppelt.

6.5 % werden in deutschland gefordert.

da wundert es mich nicht wenn die unternehmer rumzicken. x mal daumen 13 % mehr kann lebensbedrohlich sein für viele unternehmen.

wenn es ein unternehmen nicht schafft seine margen zu erhöhen, kann er nicht höhere löhne zahlen.
hilft irgendwie nicht.

der 2. punkt für unternehmer ist: gutes jahr gehabt, mitarbeiter beteiligen am gewinn. und was ist nächstes jahr, wenns mal schlecht läuft, dann gehen die mitarbeiter auch nicht runter mit den bezügen.

darum sollte entlohnung leistungsabhängiger sein. und geringere lohnnebenkosten natürlich.

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