Japan: Traditionsreiche Elektronikmarken schwächeln

12. Mai 2012, 14:58
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Schlechte Bilanzen für Panasonic, Sony und Sharp - Schwaches TV-Geschäft als Hauptgrund

Sony Pictures, die Tochterfirma des japanischen Elektronikkonzerns kofinanziert James-Bond-Filme. Im Film Casino Royal von 2006 telefonierte der Agent noch mit einem Product-Placement von Sony Ericsson. Ein Jahr später kam Apples iPhone auf den Markt, für das schwedisch-japanische Joint Venture war das der Anfang vom Ende.

Sony: Die Marke der 80er

Mehr als 20 Jahre davor, im Film Octopussy von 1983 prangten auch schon Sony-Lettern auf Bonds Filmequipment. Damals mit mehr Erfolg: Sony passte zu den 80ern und der damaligen Technikhype wie die Faust aufs Auge. Es war gerade die Blütezeit des Walkman, der mehr als eine Erfindung, beinahe eine kulturelle Errungenschaft war. Ähnlich begeisterte Fangemeinden sollten viele Jahre später nur noch die technisch fortschrittlichen Spielkonsolen des Konzerns sein.

TV-Sparte liegt am Boden

Sonys TV-Sparte liegt knapp 30 Jahre nach den Sony-Monitoren in Octopussy am Boden. In den vergangenen acht Jahren verlor der Konzern mit seinen Fernsehern rund acht Milliarden Euro. Harte Einschnitte, Stellenstreichungen, Konzernumbau steht auf dem Plan, während das Unternehmen einen Verlust von 4,1 Milliarden Euro, den höchsten der Unternehmensgeschichte, vermelden musste.

Sonys neue mobile Spielkonsole Playstation Vita, von der im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,8 Millionen Geräte verkauft wurden, soll helfen. Und eigene Smartphones, nun ohne schwedischen Partner. Sowohl bei mobilem Spiel als auch bei Smartphones muss Sony gegen die Apple-Produkte antreten.

Panasonic: 7,5 Milliarden Euro Verlust

Panasonic, weiterer vielseitiger Technikkonzern aus Japan, legte an einen Tag nach Sony, am Freitag, seinen Rekordverlust vor: 7,5 Milliarden Euro. Und wieder ist es die TV-Sparte, die schwächelt. Dort sollen etwa 17.000 Jobs eingespart werden. Beide Konzerne zeigen sich optimistisch, wollen sparen und sagen bessere Zahlen für das nächste Jahr voraus. Der dritte im Bunde der verlustreichen Konzerne aus Japan, Sharp, hat seinen Rekordverlust von 3,5 Milliarden Euro schon im April bekanntgegeben. Wieder ist es die schwache Nachfrage nach Fernsehern, die das Geschäft vermiest.

Toshiba: Gewinn dank Chips

Auch Toshiba schwächelt bei den LCD-Fernsehern. Die Rettung und ein guter Teil des Gewinns von 2,88 Milliarden Euro kommen auch nicht von einem eigenen Produkten für Endverbraucher, sondern von Chips, die der Elektronikmulti gerade für jenen Konzern produziert, der der japanischen Hightechwirtschaft zu schaffen macht: Apple.

Südkorea ist das neue Japan

Und dann ist da noch Südkorea, das mit Samsung und LG viele schon für das neue Japan halten. Die wirtschaftliche Situation Japans animiert zu Vergleichen mit Griechenland. Die Koreaner haben auch wenig Probleme, ihre TV-Geräte zu verkaufen. Samsung kann es bei Smartphones sogar mit Apple aufnehmen. Das Klischee der zukunftsweisenden Technik mit ebensolchem Design aus Japan ist längst überholt.(Alois Pumhösel, DER STANDARD, 12.,13.5.2012)

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    Elektronik aus Japan bekommt nicht mehr so viel Aufmerksamkeit wie früher einmal.

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