Austritt Griechenlands aus Euro-Zone "nicht tödlich"

12. Mai 2012, 10:27
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Schäuble hält weitere Hilfen für Griechenland für möglich - Berlin bereitet sich auf Athens Austritt aus der Euro-Zone vor

Berlin - Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schließt weitere europäische Hilfen für Griechenland nicht aus. "Wenn die Griechen eine Idee haben, was wir zusätzlich tun können, um das Wachstum zu fördern, kann man immer darüber sprechen und nachdenken", sagte Schäuble der "Welt am Sonntag".

Im Kern gehe es aber darum, Griechenland wieder wettbewerbsfähig zu machen, die Wirtschaft wachsen zu lassen und den Weg zu den Finanzmärkten wieder zu öffnen. "Das erfordert, dass die vereinbarten grundlegenden Reformen gemacht werden. Sonst hat das Land keine Perspektive", mahnte der Minister. Schäuble rief die Griechen dazu auf, eine Regierung zu bilden, die den Reformkurs fortführt. "Jetzt muss Griechenland zeigen, ob es die Kraft hat, dafür die notwendigen Mehrheiten zustande zu bringen", sagte er. "Ich kann nur hoffen, dass die Einsicht bei den Verantwortlichen in Griechenland schnell einkehrt." Ungeachtet des steigenden Drucks der internationalen Kreditgeber war es den Parteien am Freitag auch im dritten Anlauf nicht gelungen, eine Koalition auf die Beine zu stellen.

Auf Austritt vorbereitet

Schäuble bestätigte, dass sich die deutsche Bundesregierung auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vorbereitet. "Wir können kein Land zwingen, im Euro zu bleiben. Natürlich wollen wir nicht, dass Griechenland aussteigt - ganz klar und ganz eindeutig", sagte der CDU-Politiker. Aber die Bundesregierung wäre "eine komische Regierung", wenn sie sich nicht auf "alle denkbaren Fallkonstellationen vorbereiten würden, um sie dann auch meistern zu können".

Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist auch nach Einschätzung des irischen EZB-Bankers Patrick Honohan verkraftbar. Dies könnte technisch realisierbar sein, würde aber das Vertrauen in die Euro-Zone als Ganzes beschädigen, sagte der Chef der irischen Zentralbank am Samstag bei einer Veranstaltung in Tallinn. "Es ist nicht notwendigerweise tödlich, aber auch nicht attraktiv", sagte Honohan. 

Deutschland müsste 77 Mrd. Euro zahlen

Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde den deutschen Steuerzahler nach Berechnungen der "WirtschaftsWoche" geschätzte 77 Mrd. Euro kosten. Dabei wird angenommen, dass Griechenland in diesem Falle seine Schulden nicht mehr bedient.

Die Summe ergibt sich dem Magazin zufolge aus bilateralen Hilfskrediten und dem Anteil Deutschlands an Krediten des Euro-Rettungsfonds EFSF und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie an Verlusten der Europäischen Zentralbank (EZB), die größter Gläubiger Griechenlands ist. Insgesamt ergebe sich für die Euroländer eine Summe von 276 Mrd. Euro. Österreich war per Jahresende 2011 wie berichtet mit 1,56 Mrd. Euro an Griechenland-Hilfen beteiligt. (APA/Reuters, 12.5.2012)

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