Fleisches Lust

  • Hier geht's zum Fleisch: Frank's 
Zwei dry aged Steaks, ein Tatare, bisschen Saft, Bier, Wein, Kaffee: 137 Euro.
    foto: harald fidler

    Hier geht's zum Fleisch: Frank's

    Zwei dry aged Steaks, ein Tatare, bisschen Saft, Bier, Wein, Kaffee: 137 Euro.

  • Da wurde der Bruckenberger kurz bescheiden: Tatare vorweg, zu zweit.
    foto: harald fidler

    Da wurde der Bruckenberger kurz bescheiden: Tatare vorweg, zu zweit.

  • Das T-Bone von gegenüber: Sehr, sehr gut, sagt er, und ich kann's nach einer Kostprobe nur bestätigen.
    foto: harald fidler

    Das T-Bone von gegenüber: Sehr, sehr gut, sagt er, und ich kann's nach einer Kostprobe nur bestätigen.

  • Mein Prime Rib war aber auch nicht von schlechten Eltern, groß, saftig, gerade richtig zwischen rare und medium für mich.
    foto: harald fidler

    Mein Prime Rib war aber auch nicht von schlechten Eltern, groß, saftig, gerade richtig zwischen rare und medium für mich.

Harald Fidler balanciert seinen Vegetarismus mit 700 Gramm Prime Rib aus, in der City gealtert, wie er

Zwerchfell! Bruckenberger a.k.a. Fleischistmeingemüse lag mir seit Wochen mit diesem Körperteil im Trommelfell, was wir uns jetzt nicht bildlich vorstellen wollen. Danach rief Bruckenberger stets: St.ellas! Das kam mir bekannt vor.

Ein Fall für die Wissenschaft: Herr Taschwer, der ganz wie die Wissenschaft ingesamt, die er ja beim STANDARD verkörpert und vergeistigt, auf praktisch alles eine Antwort weiß, grüßte vor einigen Wochen ausnahmsweise mit einem Befehl an Herrn Corti und an meine Unmäßigkeit. St.ellas! Oder Sankt Ellas! Oder Stellas! Oder sowas, nur rasch! Weil: neu, Gaumenspielableger, großartig, günstig, und überhaupt. Beim Newswert will ich dem Profi freilich nicht vorgreifen. Dann kann ich auch gleich vor-lesen, was ich nachher schmecken sollte.

Tierleichenschauhaus

Der Vortritt freilich führt zum Nachsehen: Wo Corti schwärmt, kriegt der Fidler keinen Platz, nicht einmal, wenn er sich als Bruckenberger ausgibt. Einschleichundfressjournalismus, quasi. Wohin also mit einem Bruckenberger, der eh unkompliziert praktisch überall essen geht, wenn es nur a) Zwerchfell gibt, b) zumindest Fleisch und das c) möglichst steakig und groß? Ich halte das für gar nicht falsch, wo ich mich ohnehin zu 80 Prozent ausgesprochen vegetarisch ernähre.

Schwärmte nicht Herr Kamolz einmal vom Dry Aged Beef im Frank's? Kein Problem, Platz für zwei in 20 Minuten. Gut, das Lokal und vor allem sein Entree muss man für keinen Höhepunkt der Gastroarchitektur halten. Aber auch die überlässt Schmeck's bekanntlich gern den Profischmeckern.

Wer freilich in seinen Eingangsbereich ein Tierleichenschauhaus stellt (und dennoch für unerschrockene Vegetarier dennoch ein paar rein gemüsige Pizze auf der Karte führt), ein Schauhaus also, in dem tote Rinder zum Zwecke ihrer Reifung ein bisschen abhängen, der hat bei Bruckenberger und mir schon einen Stein im Schneidbrett. Wie Sie gewiss längst wissen, wird hier im Frank's Huftier öffentlich trockengelegt. Dry aged und so. Und nach Ansicht Bruckenbergers auch goldrichtig portioniert: 700 Gramm das T-Bone. 700 Gramm das Prime Rib aus der Hochrippe. Genau, sagt Bruckenberger, nehmen wir. Je eines, versteht sich.

Roher Einstieg

Wohl weil ich da eine Zehntelsekunde die Braue kräusle, schlägt er vor, die Vorspeise zu teilen. Wohl damit unser Dinner nicht zu gar zu gemüsig ausfällt: Tatare "Emiglia", 150 Gramm für 19,50 Euro. Sehr anständiges rohes Rind, stellen wir fest, und gewiss ein vernünftiger Einstieg, aber auch nicht restlos umwerfend. Die Aufgabe war ohnehin den Steaks zugedacht.

Sie haben sie unter Anstand erfüllt: Groß, mächtig, nach meinem Befund auch ziemlich präzise im gewünschten Zustand medium (für Bruckenberger) und medium to rare für mich. Was freilich bei meinem Prime Rib die Trennung von Knochen und teils stark durchzogenem Fleisch ein bisschen unschön aussehen ließ - und meine Zähne einfach in die obere Ecke des Steaks zu schlagen, schien mir denn doch ein bisschen unpassend.

Sechs Wochen zur Miete am Laurenzerberg

Die Herrschaften beherrschen hier offenbar die Kombination aus Lavasteingrill plus Finish im holzbefeuerten Pizzaofen ganz gut. Alles andere wäre auch wirklich schade für das lange beherbergte Rind und die 47,50 für das T-Bone beziehungsweise 43,50 für das Rib Eye. Gut, versuchen Sie einmal, bei diesen Immobilienpreisen für 47,50 Euro sechs Wochen lang am Laurenzerberg unterzukommen, und das auch noch penibelst klimatisiert. Eben.

Allein: Den ersten Platz in Sachen Fleischeslust schafften sie nicht. Denn Bruckenberger und ich zogen weiter. Nicht am selben Abend, noch ein Steak schaffen selbst wir nicht. Aber die Sache mit dem Zwerchfell ließ uns nicht los. Das und was Fleisches Lust mit scharfem Grün zu tun hat: demnächst in dieser kleinen, dreckigen Kolumne.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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