Im Dschungel des Herzens

  • Marianne (Loretta Pflaum) auf der Suche nach Motiven und Lebenssinn in Berlin: "Headshots"
    foto: stadtkino

    Marianne (Loretta Pflaum) auf der Suche nach Motiven und Lebenssinn in Berlin: "Headshots"

In seinem gelungenen Filmdebüt "Headshots" erforscht Lawrence Tooley die Gefühlsleere in der Berliner Kreativszene

Wien - "Wenn man nicht verliebt ist, sollte man die Augen nicht öffnen", sagt die Modefotografin Marianne. Deswegen träumt sie immer wieder von verlassenen Straßen und leeren Lokalen, Manifestationen von Einsamkeit und Isolation. Im Langspielfilmdebüt Headshots des Texaners Lawrence Tooley, der Regie an der Berliner Filmhochschule (Dffb) studiert hat, wendet sich Marianne schrittweise von ihrer Vergangenheit ab, die sie immer mehr als oberflächlich erlebt.

Der Konkurrenzdruck am Arbeitsmarkt der Kreativen ist enorm. Als ein Model stirbt, reagiert das Umfeld darauf kaum - ein Körper ist leicht ersetzbar. Mariannes Situation wird zugleich immer prekärer. Obwohl sie schwanger wird, wirft sie ihr Freund aus der Wohnung. Sehnsüchte können in diesem Berliner Reigen nicht gestillt werden, Affären werden beim Abendschmaus ("Ja, ich schlafe mit einem Mann, willst du nicht noch ein bisschen Salat?") lapidar aufgedeckt.

Wer hier von Liebe spricht, meint Körper, persönlichen Vorteil. Kontaktaufnahmeversuche enden auf der Mailbox, kein Anschluss mittels Nummern.

Marianne wird eindrucksvoll von der Wienerin Loretta Pflaum verkörpert, in Kurzauftritten sind Karlheinz Hackl oder Markus Schleinzer zu sehen.

Tooley variiert Webcamvideos mit Totalen und distanzierten Beobachtungen, die Kamera wird zudem öfters wie ein Spiegel verwendet. Die Zeitsprünge in der Erzählung fügen sich nach und nach zu einem gelungenen Porträt einer zynischen und gefühlskalten Gesellschaft. Zwischendurch greift die Berliner Band B-Men in die Saiten und schwelgt von der Tiefe im Dschungel des Herzens. Wer aus diesem irren Garten je wieder heil herausfindet, der wird sogleich die Lider schließen.  (Mario Kopf, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

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