Ende der Hochblüte für Floristen

12. Mai 2012, 12:42
128 Postings

Das Geschäft mit Schnittblumen ist dornig: Konsumenten sparen bei den Sträußen - Weltweit reduzieren Anbauländer Exporte, die Zahl der Floristen sinkt

Wien - Es falle ihm schwer, das zu sagen, aber Blumen seien für Konsumenten halt verzichtbar, vor allem in wirtschaftlich härteren Zeiten, seufzt Emil Steffek. Seit vier Jahren sei Schluss mit dem steten Wachstum der Branche, man müsse froh sein, wenn der Markt halbwegs stabil bleibe. Die wichtigsten Anbauländer wie Holland, Kenia und Kolumbien fahren ihre Exporte zurück, erzählt der Großhändler, der den Blumenvertrieb auch in der Wirtschaftskammer vertritt.

Durch die Blume wird nach wie vor viel gesagt, und am Muttertag hat sie von jeher Hochsaison. "Für die gleiche Symbolik wird jedoch weniger ausgegeben." Bei Begräbnissen macht Steffek zunehmend Plastikblumen aus anstatt üppiger Kränze. Bei den Präsenten matchten sich Sträuße mit Essenseinladungen und Billigreisen. "Früher gab es an den Muttertagen neben Blumen höchstens ein bisserl Geschirr." Heute habe sogar Apple-Store Muttertags-Angebote.

Nische finden

Die Zahl der Floristen sinkt, Lebensmittelketten und Baumärkte untergraben vor allem den Markt für Standardware. Letztlich sei es hier nicht viel anders als bei Fleischern und Bäckern, sagt Steffek: Floristen müssten kreativ sein, um als kleine Handwerker in einer Nische zu überleben.

Durchwachsene Jahre haben aber auch große hinter sich. 2008 hatte sich der Sanierer Anton Stumpf der Kette Holland Blumen angenommen. Seither wurden Filialen geschlossen, Immobilien verkauft, den übrigen hat man einen neuen Anstrich verpasst, das gesamte Konzept wurde umgekrempelt. Die Zeiten der billigen Blumen für jedermann seien vorbei, seine Mitarbeiter seien keine Kassierer und Schlichter mehr, sondern Floristen, versichert Jörg Pröll, der einst für McDonald's und Marionnaud arbeitete und nun Chef von Holland Blumen Mark ist. 450 Beschäftigte setzten im Vorjahr rund 28 Mio. Euro um. Für heuer verspricht der einstige Pionier der österreichischen Diskont-Schnittblume erstmals wieder Gewinne.

"Zu sehr Individualisten"

Die Zukunft sieht Pröll im Franchising. Bisher seien fünf der 104 Standorte an Floristen übergeben worden, 30 weitere sollen mittelfristig folgen. Mit Franchisepartnern sei einfach mehr zu bewegen, ist er überzeugt. Was Steffek wiederum bezweifelt: "Floristen lassen sich in kein Verkaufsschema pressen. Sie sind dafür zu sehr Individualisten."

Im Schnitt 41 Euro sind Muttertagssträuße Kindern wert, errechnet Marco Ansaldi, Österreich-Geschäftsführer von Fleurop, Berliner Konzern, der den weltweiten Blumenversand-Markt anführt. 15 bis 20 Prozent des Jahresgeschäfts lukriert er rund um Muttertag und Valentinstag, 100.000 Aufträge im Jahr sorgten für 3,5 Millionen Euro Umsatz. Mehr Dienstleistung sei gefragt, weiß Ansaldi. In Form von Fotos der Schenker auf Grußkarten etwa. Noch in Diskussion: ob auch ein Bild der Beschenkten bei der Blumenübergabe die Entsender umgehend beglücken soll. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

  • Muttertag sorgt für Hochsaison im Blumengeschäft, rettet die Branche aber nicht.
    foto: epa

    Muttertag sorgt für Hochsaison im Blumengeschäft, rettet die Branche aber nicht.

Share if you care.