Konflikt im Südchinesischen Meer: Geopolitischer Testfall

Kommentar11. Mai 2012, 18:48
47 Postings

Bisher hatten sich die Chinesen einigermaßen in Zurückhaltung geübt, vor allem um die Amerikaner nicht noch mehr in der Region zu involvieren

Gäbe es ein Ranking geopolitischer Brennpunkte, das Südchinesische Meer würde es anführen. Es gibt kaum einen Flecken auf dieser Welt, an dem derart viele und verschieden gelagerte Interessen zusammenprallen. In den Gewässern zwischen der Straße von Malakka und Taiwan geht es unter anderem um Fischgründe, Energieressourcen und nicht zuletzt um Verkehrswege: 40 Prozent des Welthandels werden über diese Wasserstraße transportiert, 50.000 Handelsschiffe passieren die "Malacca Straits" pro Jahr, Chinas Ex- und Import (85 Prozent des Rohölbedarfs zum Beispiel) kommt hier durch.

Kein Wunder also, dass Peking hier ein besonderes strategisches Interesse ortet und sich gegen ein halbes Dutzend Anrainer als dominierende Hegemonialmacht in Stellung bringen will. Nach Auseinandersetzungen zuletzt mit Vietnam sind nun eben Streitereien mit den Philippinen ausgebrochen. Interessant dabei ist, dass Peking den Konflikt dieses Mal derart eskalieren lässt. Denn bisher hatten sich die Chinesen einigermaßen in Zurückhaltung geübt, vor allem um die Amerikaner, etwa als Verbündete der Philippinen, nicht noch mehr in der Region zu involvieren.

Washington hatte unlängst erklärt, dass das Südchinesische Meer auch zu seinem Interessengebiet zähle. Damit wird die Region nicht nur zum Testfall, wie Peking als kommende Supermacht in Konflikten auftreten will. Es wird sich auch zeigen, wie hart die USA dagegenhalten wollen. (DER STANDARD, 12.5.2012)

Share if you care.