Griechenland steuert auf Neuwahlen zu

12. Mai 2012, 14:45

PASOK-Chef: "Der Moment der Wahrheit ist gekommen" - Letzter Vermittlungsversuch von Präsident Papoulias am Sonntag

Athen - Griechenland steuert auf Neuwahlen zu: Am Freitagabend scheiterte der dritte Anlauf zur Regierungsbildung. Der Parteichef der sozialistischen Pasok, Evangelos Venizelos, traf daraufhin am Samstagmittag mit Präsident Karolos Papoulias zusammen, um das Mandat für die Regierungsbildung zurückzugeben. Damit bleibt Papoulias nur noch ein allerletzter Vermittlungsversuch, bevor die Griechen erneut zu den Wahlurnen gerufen werden dürften. Der Staatspräsident will versuchen, führende Politiker des pleitebedrohten Landes doch noch zur Bildung einer tragfähigen Regierung zu bewegen. Dafür hat er am Sonntag die Chefs der drei wichtigsten Parteien des Landes einberufen. An den Gesprächen sollten die sozialistische PASOK, die konservative Nea Dimokratia (ND) und die linksradikale Syriza-Partei teilnehmen, erklärte Papoulias am Samstag in Athen. Er wolle am Sonntag anschließend auch mit Vertretern kleinerer im Parlament vertretener Parteien sprechen.

Umfragen zufolge können die Gegner des Sparkurses mit einem Sieg rechnen, was wiederum das Ende der Euro-Mitgliedschaft des Landes bedeuten dürfte. Die Ratingagentur Fitch bezeichnete Neuwahlen als ein Szenario das "kritisch für Griechenland und die Euro-Zone" sei. Die Nachricht von der gescheiterten Regierungsbildung belastete die Gemeinschaftswährung: Der Euro fiel auf den tiefsten Stand zum Dollar seit Jänner.

"Der Moment der Wahrheit ist gekommen"

Venizelos gestand am Abend sein Scheitern ein: "Der Moment der Wahrheit ist gekommen." Am Samstag werde er Papoulias offiziell darüber in Kenntnis setzen. "Ich hoffe, dass alle beim Gespräch mit dem Präsidenten Reife und Verantwortungsbewussten demonstrieren." Zuvor hatte die radikale griechische Linke SYRIZA den Eintritt in die Regierung abgelehnt. Damit sind seit der Wahl am Sonntag sind alle Versuche gescheitert, eine Koalition zu bilden. Sollte auch die Vermittlung des Präsidenten erfolglos bleiben - was allgemein erwartet wurde - stünden Mitte Juni Neuwahlen an. Den bereits am Wochenende abgestraften einstigen Volksparteien, der PASOK und der konservativen Neue Demokratie (ND), droht dann der politische Bedeutungsverlust.

Nach jüngsten Umfragen dürfte das SYRIZA-Linksbündnis unter Alexis Tsipras den Sieg einfahren und die ND als stärkste Partei ablösen. An dem erklärten Gegner des Sparkurses dürfte bei der Regierungsbildung kein Weg mehr vorbeiführen. Allerdings droht Griechenland Ende Juni das Geld auszugehen, wenn bis dahin keine neue Regierung im Amt ist, die die Sparzusagen gegenüber den internationalen Helfern einhält.

Euro-Austritt

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso machte klar, dass Griechenland mit einer Abkehr vom Reformkurs seine Euro-Mitgliedschaft verspielen würde. "Wenn sich ein Mitglied in einem Club nicht an die Regeln hält, ist es besser, dass es den Verein verlässt", sagte er im italienischen Fernsehen. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich zuversichtlich, dass die Euro-Zone den Verlust notfalls verschmerzen könne. "Europa geht so schnell nicht unter", sagte er der "Rheinischen Post".

Auch nach Auffassung der deutschen Privatbanken wäre der Austritt zu verkraften. Die deutschen Banken hätten ihre Forderungen an Griechenland im Zuge des jüngsten Schuldenschnitts und schon zuvor massiv abgeschrieben, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, im Deutschlandfunk.

Warnung

Der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnte Griechenland davor, bestehende Verträge mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU nicht einzuhalten. "Wenn Athen nicht zu seinem Wort steht, dann ist das eine demokratische Entscheidung. Daraus folgt aber auch, dass die Grundlage für weitere Finanzhilfen entfällt", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Auch die Geberländer müssen sich gegenüber ihrer Bevölkerung rechtfertigen." Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hätte für Griechenland gravierendere Folgen als für den Rest der Euro-Zone.

Sollte Griechenland aus der Währungsunion aussteigen, werden die Bonitätswächter von Fitch wohl alle übrigen Staaten der Euro-Zone - und damit auch Österreich - auf eine Risikoliste für eine etwaige Herabstufung in naher Zukunft setzen. In einem solchen Fall seien Ratings von Ländern besonders gefährdet, die bereits mit einem negativen Ausblick versehen seien. Dies beträfe dann auch die Euro-Schwergewichte Frankreich, Italien und Spanien. (APA/Reuters, 12.5.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 606
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

Bin der Meinung das nur ein vereintes Europa Zukunft hat, aber wollen wir mit Griechenland wirklich die totale Rettung? Noch totaler und radikaler als .... :-(

Damit es endlich klar wird wer hier regiert.

"Wenn Athen nicht zu seinem Wort steht, dann ist das eine demokratische Entscheidung. Daraus folgt aber auch, dass die Grundlage für weitere Finanzhilfen entfällt"
Damit jedem klar ist, wer regiert. Falls das Volk demokratisch die vorgegebene Linie zustimmt, dann gibt es Money, wenn das Volk sich anders entscheidet, gibt es kein Geld.
Aber nicht vergessen, das von der Hilfe Griechenland kaum was sieht, es werden die Gläubiger damit bezahlt, z.B. deutsche Banken!
Bitte mal die "Verluste" detailliert ausführen, bevor die Welt den Eindruck gewinnt, dass die arme Investoren ihr investiertes Geld nicht kriegen. Nein, es geht hier um die ewigen Zinsen, das investierte Geld haben sie schon längst herinnen.

Das griechische Kernproblem -

jeder will vom Staat leben, aber niemand will ihn finanzieren, führte zu einer - hm - problematischen Haushaltsgebarung.

Diese Versorgungsmentalität geht so weit, dass jeder vom Kaputtsparen redet, wenn der Staat sich die Amtsanmaßung "Jobmotor" nicht mehr leisten kann.

Wollen die denn alle vom Staat leben? - Dann darf einen das nicht verwundern. Jeder, der in den Staatsdienst flüchtet, ist einer, der bei dessen Finanzierung fehlt.

Wenn sich alle dem Wettbewerb verweigern, wird's keine Innovation geben. Ohne Innovation gibt's keinen Wohlstand, weil sich nicht lohnt, zu investieren.

ja,nein,jein.

innovation hat nicht zwingend mit wettbewerb zu tun.

seit gut 20 min sollten die versammlungen in 80 span. städten beendet sein

sind sie aber nicht. die menschen haben keine lust mehr, sich den regelungen der oberen zu unterwerfen. was werden sie machen?

frueher o. spaeter

hungern

vor allem dieser Kommentar

quote:

Something like 70% want to stay in the Euro. Practically the same amount reject the austerity demanded by the other countries that are paying for Greece to stay in the Euro.

It's up to Greeks what they want to do, but at some point they are going to need to understand that the positions above are mutually incompatable, and make their choice as to which is the least worse option - before someone else takes that decision for them.

wahlen sind retro,teuer und sinnlos.

nur eine zentrale wirtschaftsregierung kann europa vor kollaps,chaos und bürgerkrieg retten.

es reicht eine 2o köpfige expertenregierung.

und diese expertenregierung sollte aus den vorstandsvorsitzenden der 20 grössten börsennotierten ags bestehen.

den vorsitz dieser regierung,sollte aus zwingenden gründen,der ceo von deutscher bank oder societe generale stellen.

denn nur die ceos grosser banken sind volkswirtschaftlich versiert und am gemeinwohl interessiert.

im notfall könnte man auf externe beratung von goldman sachs,j.p. morgan und john law zurückgreifen.

ups,

john law ist ja schon tot.
macht nix.

dann soll eben der madoff bernie als externer berater agieren.
soll ziemlich auf zack sein.bezüglich pyramidenspielen.

Frustriert vom Schulden machen?

<Sarkasmus Ende> habe's vergessen

offensichtliche ironie mag ich nicht als solche zu kennzeichnen.
aber,na ja.werden wohl einige mein posting für bare münze nehmen.

Was für ein schönes Beispiel dafür dass aufgrund der finanziellen Situation in einem Land alles zusammenbrechen kann. Und was macht Europa,dass sich sonst so humanitär darstellt mit Hilfsprojekten in aller Welt? Genau! Es sieht nicht den Ruin eines ganzen Landes,und das damit verbundene Leid der Bevölkerung. Zeigen denn die Medien wie es den Menschen in Griechenland geht? Sieht man, dass diese vor dem Nichts stehen und sich sorgen müssen wie Sie den nächsten Tag überstehn? Nein. Im Mittelpunkt stehn selbstverständlich die Staatschulden, denn die kreditgebenden Länder wollen keineswegs einen Verlust davontragen...ich bin kein EU-Gegner aber das was sich derzeit abspielt ist ein Armutszeugnis des gesamten Systems!

zeigen die

Griechen "kehrt marsch", so gehts nicht ?

Klar doch

Lt. Maastricht-Kriterien etc. dürfte es doch das, was sich in GR abspielt, gar nicht geben. Es KANN also einfach nicht sein, was nicht sein DARF (In der UdSSR durfte das auch nicht sein, Anmkg.)... Man hat inzwischen mehr als 200 Mrd. € an Hilfe für Staat und Banken gezahlt, also muss wieder eitel Wonne sein. Wozu dann noch finanzielle Hilfe an das Volk? Die Leute dort können eh wieder zu ihrer Bank gehen und Kredite aufnehmen - es ist ja noch Geld da! ;-)))

Genau das ist der Punkt. Das dürfte es nicht geben!
aber....blöd das es doch geschehen ist. und anscheinend hat man über längere Zeit hinweg die drohende Katastrophe in der EU nicht bemerkt,oder hat man sie vl ignoriert? Es gibt doch für alles Aufsichtsbehörden...ja versagt haben sie. Und mal ehrlich: Meinst du jeder Grieche kann sich so auf die schnelle einen Kredit geben lassen und mal so eben alles wieder richten was er/sie durch die Krise verloren hat? nein kann er nicht. aber direkte Hilfe gibt es nicht denn das Volk allein ist daran Schuld und nicht die inkompetenten Politiker und die schöne Nebenerscheinung des Ganzen ist: Die grieschische Oberschicht hat sich ins Ausland begegen..ganz toll für GR.

ENDLICH KOENNEN SICH DIE GRIECHEN VON DEM EU-DIKTAT BEFREIEN

Und sie werden es tun! In Zeiten des oekonomischen Wegfalls wird so manches Volk weiser. Fitch und Konsorten koennen zusehen, wie sie nun ihre Meldungen verstreuen, um den Goldmaennern zuzuarbeiten. Wer naemlich von der EU ausgeblutet wurde, den interessieren die Ratingsagenturen nicht mehr. Und die EZB kann ja weiter die bad credits aus Uebersee lagern und ihre Schutzschirmphantasien den restlichen Europaeern verkaufen, die Griechen haben jedenfalls vom EU-Diktat genug.

Ich freu mich schon, wenn ich meinen Griechenlandurlaub endlich wieder in Drachmen bezahlen kann. Frag den Pendler, wann's soweit sein wird und um eine extra portion positive Energie fuer die Abwahl der EU! http://www.youtube.com/user/00derpendler

Schön für dich und deinen Urlaub, die Griechen sind dir irgendwie egal scheints.

Ein Skandal, wie in Europa die Schuldenkrise gehandhabt wird

Oder sollen allen ernstes die 90% welche nicht mal 20% des Volksvermögens besitzen die meiste Schuldenlast tragen? Wessen Vermögen wurde in der Finanzkrise hauptsächlich gerettet? Not-wendig ist eine Reduktion der Verbindlichkeiten. Dafür müssen die Bürger an die Kasse gebeten werden, das ist unausweichlich. Aber dann bitte: wenn 1% über 50% des Volksvermögens besitzt, soll es sich auch entsprechend beteiligen. Wo sind die Bemühungen, die Kosten der Krise gerecht zu verteilen? Vielmehr werden die Reichsten geschont und die Last möglichst weit nach "unten" verteilt.
Not-wendig ist ein Schulden UND Vermögensschnitt.

Ich hoffe doch Griechenland steuert auf mehr als nur Neuwahlen zu!

Wenn einer mehr isst

als er Rehe erlegt, muss ein anderer mehr Rehe erlegen als er isst und demjenigen zur Verfügung stellen.

GR - kein Problem, Deutschland und Österreich werden Euch über Jahrzehnte brav die gebratenen Wachteln am Silbertablett servieren...

Wer hier aller all die Rehe und Wachteln verzehrt, die sie nicht selbst erlegt haben?

Na die, bei denen das ganze Geld in Wirklichkeit landet. Und das sind ganz sicher nicht die gemeinen Griechen.

Der Artikel liest sich wie der „Krieg des Geldes“ …

… außer der Anmahnung von Vertragspflichten, schlechten Ausblicken für die anderen Euro-Staaten, ist von der Souveränität der Griechen keine Rede. Wen interessieren die Menschen dort? Nur die Solidarität mit den Banken und dem Euro zählt. Mal ehrlich? Muss man in einem solchen Club Mitglied sein der keine andere Werte mehr als nur noch monetäre kennt?

Und ob nun mit oder ohne Griechen, das Kernproblem des Euros wird auch weiterhin nicht gelöst, die unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten der Volkswirtschaften und darüber hinaus des weltweit kaputten Geldsystems. Die anderen Währungen haben dieselben Probleme … weiterführende Hilfe zur „Guthabenkrise“:

http://qpress.de/2011/12/0... abenkrise/

andere Werte mehr als nur noch monetäre

gibt es leicht andere ?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 606
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.