Vizechef warnte 2008 vor Kärntner Zuständen

11. Mai 2012, 18:25
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Der von den Bayern entsandte Vize- und Risikochef der Hypo Alpe Adria warnte den BayernLB-Vorstand schon im Oktober 2008 vor den Zuständen in Kärnten

Wien - Die Zustände in der Hypo Alpe Adria nach ihrem Verkauf an die BayernLB (BLB) 2007 dürften den Deutschen nicht lange verborgen geblieben sein. Im Mai 2008 schickten sie den Risikomanager Andreas Dörhöfer in den Vorstand nach Kärnten, wo er als Vizechef neben Tilo Berlin Platz nahm. Am 3. Oktober 2008 dürfte er schon einiges gesehen haben. Jedenfalls schickte er seinem BLB-Kollegen, Risikovorstand Ralph Schmidt, ein zweiseitiges Schreiben: "Streng vertraulich" und unter dem Titel "Wichtigste To do's eines CEO der Hypo Group".

Dieses Schreiben, das bei der jüngsten Begutachtung der Bank aufgetan wurde, ist insofern von Bedeutung, als ja die Bayern den Kaufpreis einklagen; sie seien getäuscht worden. Flapsig ausgedrückt wollen die Österreicher kontern, die Bayern hätten den Schaden durch Zuschauen mitzuverantworten.

Dörhöfer beschrieb die Lage prägnant. Unter dem Punkt "Brechen mit der Vergangenheit" schilderte er, dass "immer noch regelmäßige, leider auch formelle Kontakte zum alten Management (regelmäßige Treffen mit W. Kulterer und Beratungsmandat von Ex-Vorstand J. Kircher) bestehen. ... Gerade in Ländern wie Kroatien laufen wir immer noch Gefahr, dadurch zur ,Family & Friends Bank' zu gehören."

Auch die große Zahl an Beteiligungen und ihre Unübersichtlichkeit war für Dörhöfer Thema. Er riet zur "Reduzierung der Komplexität der Gruppe" , die "über zu viele Gesellschaften verfüge und "kaum steuerbar" sei. Auch Zahlen lieferte er nach München: In den zwölf Ländern seien mehr als 60 Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer beschäftigt, "nicht alle ausreichend hoch qualifiziert".

Überforderte Treasurer

Schon damals riet er zum Verkauf "vieler Beteiligungen, die nicht zum Geschäftsmodell passen", etwa Schlosshotel Velden (vor kurzem verkauft; Anm.), Alu-flex (Verkauf läuft gerade; Anm.).

Zudem monierte der Banker, der die Hypo 2010 nach ihrer Verstaatlichung verließ, "dringenden Aufbau zusätzlicher Expertise in Treasury und Global Markets". Das Niveau sei "den Anforderungen der Kapitalmärkte kaum gewachsen", es würden "mehr oder weniger nur die Marktwertverluste" (der Papiere im Portfolio der Bank; Anm.) beobachtet.

Seinem Vorstandsvorsitzenden Berlin warf der Risikochef indirekt seine Absenzen vor: "Die Rolle des CEO ist die des Kapitäns auf der Brücke, gerade in schwierigen Zeiten. ... Nebenaktivitäten und zeitlich reduzierte Anwesenheiten sind da fehl am Platze."

Was "Fehlleistungen und Planverfehlungen" betreffe, seien die in der Vergangenheit "geduldet worden", das Wachstum der Bank habe da "vieles überdeckt". Die (mittlerweile: altbekannte) Kärntner Problemlösungskompetenz beschrieb der Deutsche "aus seinem Wissensstand nach fünf Monaten in der Organisation" so: "Es wurden kreative Lösungen für Schwierigkeiten gesucht, die dann später um ein Vielfaches problematischer wurden."

Die Antwort Schmidts auf das Schreiben ist nicht überliefert.(Renate Graber, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

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    Hypo-Vizechef Andreas Dörhöfer (re.) verpfiff Tilo Berlin. Er informierte den Vorstand der BayernLB schon im Oktober 2008 von den Zuständen in Kärnten

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