Causa Porr: Justiz beklagt Behinderung bei Aufklärung

11. Mai 2012, 18:35
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Unternehmen soll aufgefordert haben, sich bei der Einvernahme der Aussage zu entschlagen

Wien - So kooperativ, wie sich die Porr AG bei der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe in der Causa "Terminal Tower" in der Öffentlichkeit darstellt, ist der Baukonzern doch nicht. Zumindest nicht aus Sicht der mit dem Linzer Büroturm beim Hauptbahnhof beschäftigten Ermittlungsbeamten. Die Kriminalisten der Korruptionsstaatsanwaltschaft hegen nach dutzenden Einvernahmen und Razzien Verdacht, dass Aufklärung gezielt behindert wird.

In einem Aktenvermerk beklagen sie: Es "scheint sogar Linie der Porr AG zu sein - entgegen öffentlich kundgemachten Aussagen, an der Aufklärung des Sachverhalts mitzuwirken -, durch Beeinflussung aller Mitarbeiter keinerlei Aussagen in gegenständlicher Sache zuzulassen und insgesamt eine lückenlose Aufklärung zu verhindern." Dabei dürfte die 2011 eingesetzte Porr-Führung auch vor harten Bandagen nicht zurückschrecken. Der Beschuldigte Josef W., zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen Geschäftsführer der Terminal Tower Immobilien GmbH (eines Ablegers von Porr und Raiffeisen Landesbank Oberösterreich), schilderte seine Erlebnisse so: "Anlässlich eines persönlichen Treffens bei einem Oktoberfest in St. Pölten am 29. September 2011 (Porr-Fest) wurde mir von der Geschäftsleitung nahegelegt, mich der Aussage zu entschlagen, dies auch im Hinblick darauf, dass ein Familienmitglied im Unternehmen tätig ist. Auf Befragen, wer mit Geschäftsleitung gemeint ist, gebe ich an, dass es sich um den Chef der Porr, Generaldirektor (Karl-Heinz; Anm.) Strauss, handelte." W. selbst war nicht Porr-Angestellter, aber seine Tochter.

Das Ansinnen zeigt offenbar Wirkung, zahlreiche involvierte Porr-Manager - inklusive des 2009 von der Porr- an die Siemens-Spitze gewechselten Wolfgang Hesoun - entschlugen sich der Aussage. Um sich nicht selbst zu belasten, wie es heißt.

Porr-Chef Strauss war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar, Schmiergeldzahlungen von 225.000 Euro an Peter Hocheggers Astropolis in Zypern hat das Unternehmen stets bestritten. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 12.5.2012)

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