Musikalischer "Aufstand" für "Unser Land"

11. Mai 2012, 18:43
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Der Verein "Unser Land" setzt Signale für ein neues Zusammenwachsen der Kärntner Volksgruppen ohne störende Politik.

Klagenfurt - Sie besuchten beide das Klagenfurter Konservatorium. Der eine, um sich zum Sänger ausbilden zu lassen, der andere studierte Klavier und Cello. Beide leiteten sie neben ihrem Brotberuf jahrelang weit über Kärnten hinaus bekannte Klagenfurter Chöre. Und doch waren der Unternehmer Miha Kampu und der Jurist und Uwe-Scheuch-Richter Christian Liebhauser-Karl nie zueinandergekommen. Die Grenzen in den Köpfen waren einfach zu tief. Bis die beiden - wohl auch im Zuge der Kärntner Ortstafeldiskussionen - ihren Verein "Unser Land" gründeten.

"Wir sind das Land"

Das gleichnamige Logo (einsprachig) im oberen Drittel einer blau umrandeten Ortstafel ist Programm. "Da ist noch viel weiße Fläche", sagt Miha Kampu, "die gilt es auszufüllen." Sozusagen von unten, von den Menschen der Basis selber, für die einsprachig oder zweisprachig längst keine politischen Hindernisse mehr sind, " die einfach nur wieder zusammenwachsen wollen", ergänzt Liebhauser-Karl. Auch die Wortwahl ist bedacht und zielt auf Gemeinsamkeit und nicht auf Trennendes ab. Liebhauser-Karl: "Bei uns heißt es nicht Ortstafellösung, sondern Ortstafelvereinbarung. Denn für die einen ist es eine Lösung, für die anderen nicht."

Flashmob am Klagenfurter Bahnhof

Schon die Auftaktveranstaltung des Vereins Anfang Mai war ein Bombenerfolg: 250 Sängerinnen und Sänger der beiden Kärntner Sprachen, flankiert von der Kärntner Militärmusik, fanden sich Anfang Mai zum Flashmob am Klagenfurter Bahnhof ein. Schließlich quoll die Bahnhofshalle mit rund 800 Menschen fast über. Es floss so manche Träne, und auch so manches Geständnis brach sich Bahn, dass man in der Kindheit ja doch Slowenisch gelernt hatte.

So ganz spontan, wie das Wort Flashmob vermuten lässt, war der Aufmarsch zum gemeinsamen Singen in Deutsch und Slowenisch aber dann doch nicht.

"Unser Verein hat ein großes Ziel, wir wollen bis 2020 erreichen, dass beide Volksgruppen zur 100-Jahr-Feier der Kärntner Volksabstimmung gemeinsam im Landhaus-Hof tanzen", sagt "Unser Land"-Obmann Kampu.

Dazu gibt es auch einen generalstabsmäßig vorbereiteten Plan, der quer über verschiedene Lebensbereiche aufgehen soll.

So startet im Juni ein gemeinsames Projekt zwischen Wirtschaftskammer und slowenischem Wirtschaftsverband, um Unternehmen diesseits und jenseits der Karawankengrenze die sprachlichen Barrieren bei Erstkontakten überwinden zu helfen. Im August folgt ein Literaturprojekt, bei dem Persönlichkeiten beschreiben sollen, wie sie es schafften ihre zweisprachige Herkunft nicht länger zu verleugnen, und schließlich will man sich auch den Problemen der Jugend widmen, denn gerade bei den Jungen sei die Abwanderung aus Kärnten massiv. In einem Ideenwettbewerb sollen sie sich ab November Gedanken über die Zukunft ihres Landes machen.

Der musikalische "Aufstand" ist strikt überparteilich

Den nächsten musikalischen Flashmob wird es am 2. Oktober (acht Tage vor dem trotz "Ortstafelvereinbarung" immer noch politisch belasteten Kärntner Landesfeiertag) geben: mit der Uraufführung von Kompositionen neuer Kärntner Lieder und einer neuen Kärntner Hymne.

Natürlich hat der musikalische "Aufstand" längst auch Kärntner Politiker aufhorchen lassen. Willkommen sind sie nicht. "Wir sind strikt überparteilich und werden jeder Tendenz, uns zu instrumentalisieren, entschieden entgegentreten", wehren Kampu und Liebhauser-Karl ab. "Auch jedem Versuch, uns politische Absichten zu unterstellen." Das Motto " Unser Land" ist ohnehin schon Ansage genug. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

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