Pannonischer Punch und Berliner Schnauze

11. Mai 2012, 18:00
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Trimmel bietet Box-Bundestrainer Angrick die Chance zur olympischen Versöhnung

Wien - Im nordchinesischen Qinhuangdao wird seit Freitag Sporthistorisches vorbereitet. Bei der bis 19. Mai auszuboxenden WM werden jene Athletinnen ermittelt, die in London das erste, in drei Klassen (48 bis 51, 57 bis 60 und 69 bis 75 Kilogramm) aufgeführte olympische Boxturnier für Frauen schmücken.

Nicht wenige der Hoffnungsfrohen sind Quereinsteigerinnen aus nichtolympischen Kampfsportarten, vor allem aus dem Kickboxen. Zu ihnen zählt die Burgenländerin Nicole Trimmel, mit Händen und Füßen schon mehrfach Weltmeisterin, die seit Jänner und mit Einverständnis des österreichischen Boxsportverbandes mit ihrem Betreuerteam intensiv an der Erfüllung ihres olympischen Traums arbeitet.

58 Boxerinnen treten in Trimmels Klasse (60 Kilo) bei der WM an. Von den Europäerinnen dürfen die besten vier nach London, in Runde eins begegnet Trimmel am Samstag der Italienerin Marenda Romina.

In Trimmels Ecke steht voll Zuversicht Österreichs Bundestrainer Adolf Angrick. Dabei wollte der 67-jährige Ostberliner noch vor knapp vier Jahren von Olympia nichts mehr wissen. In Peking schieden die vier von ihm betreuten deutschen Boxer schon in der ersten Runde aus. Angrick gingen in China die lustigen, lokalinspirierten Sprüche ("Noch eine Woche warmer Reis, und mir wachsen Blätter") flott aus, schließlich verantwortete er wenige Monate nach der "Friedhof von Chicago" genannten medaillenlosen WM das schlimmste Debakel des deutschen Amateurboxsports seit mehr als 80 Jahren.

Trimmels Klasse und ihr Ehrgeiz überzeugten Angrick. Die 29-jährige, 1, 68 Meter große Athletin hat vier ihrer bisher fünf Boxkämpfe gewonnen, darunter in Hamburg auch den Fight gegen jene Österreicherin, die bisher ihre Gewichtsklasse dominierte. "Das ist alles sehr fair abgelaufen", sagt Angrick, der Trimmel gute Chancen einräumt, das Olympiaticket zu lösen. Zumal ihre erste Niederlage gegen die Schweizer Vizeeuropameisterin Sandra Brügger passierte - nach einem Remis durch Entscheid des Referees. (lü, DER STANDARD, 12./13.5. 2012)

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    Adolf Angrick hatte von Olympia eigentlich schon die Nase voll.

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