Als anders lieben verboten war

Irene Brickner, 11. Mai 2012, 17:37
  • Rudy (li.) und Steven in New York. Der schwule Ex-ORF-Journalist wechselte 1958 in die USA, wo er seinen langjährigen Lebensgefährten kennenlernte.
    foto: orf

    Rudy (li.) und Steven in New York. Der schwule Ex-ORF-Journalist wechselte 1958 in die USA, wo er seinen langjährigen Lebensgefährten kennenlernte.

Die 1950er- und 1960er-Jahre als bleierne Zeit für Österreichs Lesben und Schwule - Mit der Dokumentation "Warme Gefühle" am Sonntag um 23 Uhr widmet sich ORF 2 einem bisher ausgeblendeten Stück Zeitgeschichte

Wien - Öffentliches Wissen über Frauen, die Frauen lieben, vielleicht sogar Vorbilder, gab es keine, als Hedi, heute 75, in den 50er-Jahren auf der Suche nach dem für sie richtigen Lebensstil war. "Es gab alleinstehende Tanten. Sie waren verschroben, so wollte ich nicht werden. Es gab Frauen, die ins Kloster gingen, das war mir zu eng. Und es gab verheiratete Paare, die waren einigermaßen okay."

Also heiratete die Tochter aus katholischem Haus und brachte binnen sechs Jahren fünf Kinder zur Welt. "Dann war mir klar: Jetzt ist Schluss" , schildert sie im Interview für den Dokumentarfilm Warme Gefühle. Vier Liebesgeschichten aus Österreich.

Schluss mit der selbstverständlichen und sie einschränkenden Heterosexualität, meint sie. Einer Norm, die in den Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Österreich unanfechtbar war und unwidersprochen blieb. "Man muss das als Folgewirkung des Austrofaschismus und der Nazizeit sehen. Die Erinnerung an die wilden 1920er-Jahre mit beginnender Frauenemanzipation und Geschlechterrollenexperimenten war verschüttet", schildert Ines Rieder, wissenschaftliche Beraterin von Katharina Miko und Raffael Frick, die bei dem 50-Minuten-Streifen Regie führten.

Der ORF sendet den Film über die bisher völlig ausgeblendete bleierne Zeit für Österreichs Lesben und Schwule am Sonntag auf der nächtlichen Doku-Schiene. Inhaltlich handle es sich um eine Premiere, erläutert Sendungsveranwortlicher Christian Riehs: "Es ist meines Wissens das erste Mal, dass der ORF einen Dokumentarfilm über ältere Homosexuelle in Österreich zeigt." Manche Dokumentation habe zu dieser späten Stunde schon mehr als eine Viertelmillion Zuschauer gehabt.

Nicht reden, nicht zugeben

Tatsächlich kommen die "Liebesgeschichten" ohne Heiratsssachen der Realverfassung Nachkriegsösterreichs ein Stück näher. Da sind Rudys Schilderungen: Der heute 87-Jährige wechselte 1958 nach New York, wo er heute mit Lebensgefährten Steve wohnt. Niemals in seiner Karriere als ORF-Korrespondent sei er auf seine allseits bekannte Homosexualität angesprochen worden. Auch er habe sie nie erwähnt, sagt er.

Denn Reden hatte Strafe zufolge. In Friedemanns (66) Fall drei Monate schweren Kerker, weil er, vor 1971 noch unterm Homosexualitätstotalverbot, einem Polizisten auf die Frage, ob er "etwas mit Männern" habe, trotzig "Ja!" entgegenschleuderte. Unauffällig bleiben und ein Doppelleben führen lautete daher die Überlebensstrategie: "Lesben", schildert die Schneiderin Herta (68), " existierten damals nicht. Schon gar nicht im Gemeindebau." (Irene Brickner, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

Hinweis
"Warme Gefühle", Sonntag, 13. Mai, 23 Uhr, ORF 2

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15 Postings

Bei dem Bild dachte ich schon es sei der Günter Tolar.

Ja, der schaut auch immer so unentspannt drein.

homophobe menschen haben in wahrheit garkein problem mit homosexualität; sie haben nur ein problem mit sich selbst.

aber auch das wird weniger, langsam zwar, aber doch.

"vor 1971 noch unterm Homosexualitätstotalverbot"

Unter dem Homosexualitätsverbot klingt doch mehr nach geschriebener Sprache oder?

Abgesehen davon dass diese sehr absurde Gesetz deutlich macht dass es auch heute noch einen Haufen dumme etablierte Sachen gibt die hoffetnlcih im Laufe der zeit verschwinden und über die die Leute in 50jahren nur noch den Kopf schütteln werden...

"Unter dem"

"Während des" klänge noch viel mehr nach geschriebener Sprache.

Ich werd nie verstehen warum der orf die ausschließlich sehenswerten dokumentationen immer spät in der nacht zeigt...gibts da wirklich keinen früheren sendeplatz? Is doch schade.

Weil sich sonst der Herr Lauda wieder beschweren würde.

Die früheren Sendeplätze sind leider für trash à la Dancing Stars, Krimi-Blabla, Volksmusikhumtata und ähnlichen Volldreck reserviert. Da das mehrheitlich aus Prolos bestehende Publikum diesen trash im Hauptabendprogramm wünscht, werden alle interessanten Sendungen auf >23 Uhr verschoben. Immer das gleiche.

Darum ist ja auch ein Ausbau der partizipativen Demokratie der falsche Weg.

... die beiden Männer, die wo auf dem Foto sind, schauen aber auch nicht gerade entspannt drein.

"die wo"?

Ernsthaft?!

ach kennen sie die männer die wo auf dem foto sind so gut, dass sie das beurteilen können? interessant !

Die guten alten Zeiten ...

ich dachte Sie würden Homosexualität tolerieren:

http://derstandard.at/plink/133... 5/25992041

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