Pulitzer-Preisträger Sheehan beklagt Folgen von "Gratis-Journalismus"

11. Mai 2012, 17:33
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"Entzieht dem teuren Enthüllungsjournalismus die finanziellen Grundlagen"

 Pulitzer-Preisträger Neil Sheehan hat vor einer Gefährdung des Journalismus durch das Internet gewarnt. Die oft kostenlose Verbreitung von Artikeln im Internet entziehe dem teuren Enthüllungsjournalismus die finanziellen Grundlagen, sagte Sheehan am Rande einer Konferenz zur Informationsfreiheit in den USA und Deutschland, die bis Samstag in Heidelberg stattfindet.

Die Veröffentlichung der sogenannten "Pentagon-Papiere", mit denen er 1971 die Vorgeschichte des Vietnam-Kriegs enthüllte, habe zwei Millionen Dollar gekostet. Heute stecke die Zeitung "New York Times", für die er damals arbeitete, in großen finanziellen Schwierigkeiten.

Kritik an Wikileaks

Der 75-Jährige kritisierte außerdem die Fahrlässigkeit der Enthüllungsplattform Wikileaks. Am wichtigsten sei es für einen Journalisten, seine Quellen zu schützen. Da habe die Plattform versagt, meinte er mit Blick auf die Verhaftung des US-Soldaten Bradley Manning, der Informationen weitergegeben hatte.

Auch als Enthüllungsjournalist müsse man sorgfältig abwägen: "Wenn durch eine Veröffentlichung wirklich Menschen gefährdet werden, würde ich es nicht tun", so Sheehan. Die Fülle an angeblich relevanten Informationen sei im Internet ebenfalls zu groß: "Eine Menge von dem, was Wikileaks veröffentlich, ist nur alltäglicher Müll."

Mit der Enthüllung in den "Pentagon-Papieren", dass der Vietnam-Krieg lange vorher geplant war, verstärkte sich die Opposition gegen den Krieg. Die US-Regierung wollte die Veröffentlichung damals verhindern. (APA, 11.5.2012)

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