Ausdauer und Abwechs­lung, Leben und Stil

11. Mai 2012, 16:47
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Nach seiner olympischen Anerkennung ist Triathlon quasi erwachsen geworden. Eine Kärntnerin und ein Salzburger hoffen auf die Olympia-Teilnahme

Wien - Vorurteile sind dazu da, widerlegt zu werden. Dass ganz Österreich auf der faulen Haut liegt, lautet eines, und wer vergangene Woche einen Blick in die Freibäder warf, dem konnte es ja wirklich so vorkommen. Aber "ganz Österreich" stimmt halt nicht ganz. Zum Beispiel wird die Triathlon-Szene immer größer. In diesem Jahr stehen 150 Veranstaltungen auf dem Programm, die Saison ist schon eröffnet, bei vier Events am vergangenen Wochenende waren 755 Athleten auf dem Schwimmenden, Radfahrenden und Laufenden. Wobei der Verband (ÖTRV) nicht nur für Triathleten, sondern auch für Duathleten zuständig ist, sie verzichten auf das Schwimmen, laufen lieber zweimal. 253 Triathlon-Vereine und 1250 Lizenzathleten gibt es, beeindruckend ist die Zahl der Hobby-Triathleten (11.000), auch sie steigt ständig an.

Der Triathlon ist erwachsen geworden, das hat vor allem mit seiner olympischen Anerkennung zu tun, die im Jahr 2000 erfolgte. Einschneidend aus heimischer Sicht waren die Spiele 2004 in Athen, wo Kate Allen die Goldmedaille gewann. Damit hatte sich ein anderes Vorurteil endgültig erledigt, jenes, dass im Triathlon bloß verhinderte Schwimmer, verhinderte Radfahrer oder verhinderte Läufer an den Start gehen. "Für manche ist Triathlon schon eine Lifestyle-Geschichte", sagt Robert Michlmayr, der früher den Schwimmer Markus Rogan betreute und seit Juni 2009 ÖTRV-Sportdirektor ist. "Aber den meisten geht es um die Verbindung von Ausdauer und Abwechslung." Und diese Abwechslung hat ein Schwimmspezialist weder im Training noch im Wettkampf.

Strecken gibt es viele, auch kürzere als die olympische (1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Laufen) und längere als den Ironman (3,8 km, 180 km, Marathon). Sozusagen Klassiker im heimischen Kalender sind St. Pölten (20. Mai), Wien (16. Juni), Kitzbühel (23./24. Juni), Klagenfurt (1. Juli) sowie Podersdorf, wo Ende August mit einem Ironman, einem halben Ironman und einem Sprint der bereits 25. Austria-Triathlon steigt. Der berühmte Ironman auf Hawaii (seit 1978) ist auch nicht viel älter.

London mit dem olympischen Bewerb Anfang August ist nur für Andreas Giglmayr und Lisa Perterer ein Thema. Beide haben Chancen auf die Qualifikation, jene des Salzburgers stehen noch besser als jene der Kärntnerin. Perterer war bis vor kurzem Juniorin, hatte deshalb weniger Zeit als andere, die Olympia-Norm zu erfüllen. Beim Weltcup-Debüt in Edmonton kam die Villacherin sensationell auf Rang drei, zuletzt zeigte sie als Neunte in Huatulco (Mexiko) mit zweitbester Laufzeit auf. "Im Schwimmen und im Radfahren, sagt man, kannst du ein Rennen verlieren", sagt ÖTRV-Sportdirektor Michlmayr. "Im Laufen gewinnst du es."

Stolz ist der Verband darauf, dass Kitzbühel die EM 2014 veranstaltet, sie ist Station auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2016. Sollte London für Perterer zu früh kommen, so kommt Rio de Janeiro vielleicht genau richtig. Und dass man Routine ohne Ende braucht, um an der Spitze mitmischen zu können, könnte so oder so nicht mehr als ein Vorurteil sein. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

  • Der Start in die Saison ist bereits erfolgt. Mehr als 11.000 heimische Hobbysportler sind im Triathlon unterwegs
    foto: epa/feichter

    Der Start in die Saison ist bereits erfolgt. Mehr als 11.000 heimische Hobbysportler sind im Triathlon unterwegs

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