Schön, sympathisch, sparsam, sensationell

11. Mai 2012, 16:48
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Salzburg wird am Sonntag in Wiener Neustadt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Titel einfahren. Die Überraschung der Liga war aber Aufsteiger Admira. Ein Startplatz in Europa ist sehr realistisch

Wien - Alexander Friedl nennt die Admira "eine geile Mannschaft, die einen geilen und wunderschönen Fußball spielt". Als Charaktereigenschaften fallen ihm spontan "jung", "dynamisch" und " sympathisch" ein. Er würde Widerspruch durchaus akzeptieren, "aber es widerspricht keiner". Friedl ist Generalmanager der Admira und somit maximal der Subjektivität verpflichtet.

Der Aufsteiger rührt objektiv in der Bundesliga um, ist zwei Runden vor Schluss Dritter. Am Donnerstagabend wurde in Graz der entthronte Meister Sturm 3:0 gedemütigt, Trainer Dietmar Kühbauer gab danach den bereits legendären Satz von sich: "Die waren besser, als ich wollte." Und jetzt möchte die Admira in die Europa League. Friedl sagt: "Es wäre blöd, das Gegenteil zu behaupten. Wir müssen nicht, wir wollen." Das unterscheidet die Niederösterreicher zum Beispiel von der Wiener Austria. "Die muss." Da man die Kirche schon in der Südstadt lassen sollte, schränkt der 30-jährige Generalmanager ein: "Europa ist nicht so weit, aber doch so fern."

"Der reine Wahnsinn"

Der Vorsprung auf die Austria beträgt drei Punkte, das Heimspiel gegen Ried am Sonntag und der Besuch beim künftigen Meister Salzburg stehen noch aus. Friedl geht davon aus, "dass Rapid fix in die Europa League kommt. Es ist für uns in jedem Fall eine unglaubliche Saison, der reine Wahnsinn. Wir sind ja gestartet, um nicht wieder abzusteigen."

Erst einmal in der Bundesliga-Histoire hat es einen derart furiosen Aufsteiger gegeben, der LASK kam rauf und wurde gleich Dritter. Vor 32 Jahren. Die Admira war zuletzt 1994 international tätig. Friedl glaubt nicht an den Zufall. "Es steckt Arbeit dahinter. Wir setzen auf Kontinuität." Ried sei diesbezüglich das Vorbild. "Ich könnte auch Bayern München nennen, aber das ist eine andere Welt."

Die Admira hat wenig Geld zur Verfügung. Das Budget beträgt fünf Millionen Euro, nur Absteiger Kapfenberg lebte noch bescheidener. Robert Trenkwalder hat die Anteile an seiner Personalleasingfirma längst an die deutsche Droege Group verkauft, er ist Pensionist, war Hauptsponsor, bleibt Präsident. Große Summen kann er nicht mehr geben.

"Hier ist etwas im Entstehen"

Die Admira hat die Lizenz nur mit Auflagen erhalten, es muss regelmäßig Rechenschaft abgelegt werden. Friedl: "Jeder Verein geht in Österreich an die Grenzen. Einige Sponsoren werden ihre Beiträge erhöhen. Als Anerkennung. Hier ist etwas im Entstehen." Zu den Heimspielen kamen im Schnitt 5000 Zuschauer, die Erwartungen wurden übertroffen. "Leistung wird honoriert."

Dietmar Kühbauers Beitrag könne nicht hoch genug geschätzt werden. "Er ist authentisch, sensationell, geradlinig, liebt den schönen Fußball, hat eine charakterstarke Mannschaft geformt." Der Vertrag wurde bereits um zwei Jahre verlängert. Friedl: "Das Image von der grauen Maus sind wir losgeworden. Wir schießen die meisten Tore, bieten jungen Spielern eine Plattform mit Perspektiven. Es muss nicht immer übers Gehalt gehen."

Red Bull Salzburg hat vor, am Sonntag in Wiener Neustadt den vierten Titelgewinn zu feiern. Ein Remis würde in jedem Fall reichen, da könnte Rapid in Kapfenberg auch vierstellig gewinnen. Verteidiger Franz Schiemer sagt: "Der Fußball schreibt immer wieder sonderbare Geschichten. Aber wir lassen nichts mehr anbrennen." Admira möchte ganz sympathisch das vorbildhafte Ried schlagen. Friedl: "Dann wäre Europa gar nicht so fern." (Christian Hackl, DER STANDARD, 12.,13.5. 2012)

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    Die Admira weiß, wie man Siege feiert. Nach dem 3:0 bei Sturm könnte der Jubel aufs Ausland ausgedehnt werden.

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