Ohne sie wäre er nichts

11. Mai 2012, 17:11
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Es geht nicht anders - von Zeit zu Zeit müssen die Prölls einfach der Radlbrunner Vergessenheit entrissen werden

Es geht nicht anders - von Zeit zu Zeit müssen die Prölls einfach der Radlbrunner Vergessenheit entrissen werden. Diese Woche übernahm "News" den Job "bei den Prölls. Seit mehr als 40 Jahren sind Erwin und Sissi Pröll verheiratet. Das private Interview zum Muttertag mit Niederösterreichs Regentenpaar". Dass sich das Magazin bei dem Großangebot an heimischen "Regentenpaaren" und zu dem doch eher vagen Anlass "Muttertag" ausgerechnet für "die Prölls", und nicht, wie es der Anlass geboten hätte, für Mutter Pröll solo entschieden hat, gehört zu den Rätseln der heimischen Medienwelt, deren Lösung in der Grundangst liegt: Man kann nie wissen, wofür er noch einmal kandidiert.

Als Kontrastprogramm davor, wenn auch - seltsam! - nicht aus Anlass des Muttertages, hatte "News" eine Story laufen, die dem Stillstand in Radlbrunn den Wandel in Frankreich gegenüberstellte: Carlas größte Krise. Deutlicher als es "News" da gelungen ist, hätte man nicht darstellen können, welch unterschiedliche Rollen der Frau als Mutter in verschiedenen Weltgegenden zukommen, besonders wenn als Objekt der jeweiligen Mutterschaft der Verursacher dieses Zustandes in den Fokus der Berichterstattung gerät.

"Bleibt sie bei Sarkozy?" - Eine Frage, die an "Niederösterreichs Regentenpaar" zu stellen, sich von vornherein erübrigt. Der französische Ex-Regent könnte heute noch in Saft und Kraft stehen wie sein Radlbrunner Kollege, hätte seine mütterliche Bezugsperson nicht "unvergleichliche Selbstinszenierung auf höchstem politischen wie gesellschaftlichem Niveau" betrieben, sondern sich erinnert, dass hinter jedem Napoleon mit Langzeitwirkung eine Frau stehen muss, die des Muttertags wert ist: "Ich war dann eben für die Kinder und den Haushalt zuständig und habe ihm so den Rücken freigemacht".

Und die es frohgemut in Kauf nimmt, wenn der Kindsvater, nach seinen Verdiensten als niederösterreichischer Hausvater befragt, in einem Satz alle politische Verantwortung auf sie abschiebt: "Ohne sie wäre ich nichts." Das wird man sich merken müssen. Ein Satz, der dem Mann, der seine Frau bedenkenlos in ihre "größte Krise" stürzte, nie über die Lippen kommen würde.

Und der dem Weinviertel wenigstens das erspart: "Krise hin oder her - die moderne Marie Antoinette raubte selbst ihren Kritikern den Verstand". Nein, nicht hier. "Der Tisch im Garten ist schon gedeckt. Sissi Pröll, 62, hat alles bereitet. Hier, im kleinen niederösterreichischen Radlbrunn, ist ihr Reich". Armes Frankreich, was soll ohne solche Mütter aus dir werden!

Im Kreislauf des österreichischen Jahres folgt auf den Muttertag der Life Ball, und in den Dichand-Blättern warf er seinen Schatten schon voraus. "Life-Ball-Vater Keszler macht sich Luft", so die "Krone", mehr noch: "In einer offenen Art und Weise, wie man es sonst nur von einem Niki "Nationale" Lauda gewohnt ist, sprach Keszler Klartext". Was er sprach, war von erschütternder, Seitenblicke-gestützter Offensichtlichkeit. "Mit Schaudern, angewidert, sehe ich irgendwelche Beiträge, was zum Beispiel Lugner macht. Für mich ist das so eine , Marchfelderhof-Society'. Ich schätze den Gerhard Bocek, aber was mich dann so wahnsinnig macht, ist, dass man da ununterbrochen die ewigen Gleichen von Maria Lahr bis Jeannine Schiller und Richard Lugner trifft. Die gehen dort alle hin und futtern dann", so Keszler zu Gast bei Ö3-Lady Claudia Stöckl." Und jetzt: "Jeannine Schiller ist empört".

Es ist halt ein kleines Land, in dem Keszler entsagen will, nachdem er "einige Jahre auch Mitläufer" war. "Gerade in Österreich ist es so penetrant und ekelig, diese ewige kleine Mischpoche, die ewig gleiche Adabeigesellschaft." Es liegt hier klar ein Versagen des ORF vor, dem die Vergrößerung der "Mischpoche" in seinen Sendungen kein Anliegen ist.

Mit noch größerer Deutlichkeit arbeitete Verleger Christian W. Mucha in "Heute" das Problem heraus. "Niki Lauda halte ich für den meistüberschätzten Airliner Österreichs. Drei Airlines, alle drei sind schiefgegangen, und er steht immer noch wie der großartigste Typ der Welt da." Der Neid könnt' einen fressen. Und dann erst der Lugner! "Er ist eigentlich ein armer alter Mann, der an einer Krankheit leidet, die eine wirklich dramatische psychische Erkrankung ist. Er muss sich jeden Tag in irgendeinem Medium sehen. Das ist sehr gefährlich, so Mucha, bekannt für seine scharfe Zunge." - Auch nicht gefährlicher, als gälte die Diagnose einem Verleger, der sich in jeder Nummer seines Mediums mit Schreibdurchfall gehenlässt. (Günter Traxler, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

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