"Diese Lösung ist nicht fair und gerecht"

11. Mai 2012, 15:38
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IKG bezeichnet Forderung der Stiftung Leopold als "Erpressung"

Wien - "Häuser am Meer" von Egon Schiele ist unzweifelhaft NS-Raubkunst: Das Gemälde gehörte einst der Wiener Fabrikantin Jenny Steiner, es wurde 1938 beschlagnahmt und 1941 im Dorotheum versteigert. 1955 kaufte Rudolf Leopold das Bild von privat.

Und es müsste restituiert werden, wäre die Stiftung Leopold ein Bundesmuseum. Doch von einer Rückgabe hält man im Stiftungsvorstand nichts: Man will die Erben von Jenny Steiner abfinden.

Vor genau einem Jahr, am 11. Mai 2011, gab die Stiftung Leopold einen Teilerfolg bekannt: Eine Drittelerbin, die von Alfred Noll vertretene Enkelin Jenny Steiners, akzeptierte das Angebot in der Höhe von fünf Millionen Dollar. Bei der Pressekonferenz sprach man von einer "fairen und gerechten" Lösung. Um zu dieser zu kommen, seien "beide Seiten über ihren Schatten gesprungen".

Doch es gibt noch zwei Erbengruppen. Sie werden von der Israelitischen Kultusgemeinde, die viele Jahre eine Naturalrestitution gefordert hatte, beraten und von Martin Maxl vertreten. Die Stiftung Leopold verhandelte mit diesen beiden Gruppen weiter. Und es sei, so IKG-Präsident Oskar Deutsch, kürzlich sogar eine Einigung erzielt worden. Doch danach hätte die Stiftung plötzlich gefordert, dass auch die Erbengruppen die Lösung als "fair und gerecht" bezeichnen müssen. Das kommt für die IKG und die beiden Erbengruppen aber nicht infrage.

"Fair ist, wenn das, was unrecht erworben wurde, zurückgegeben wird", so Deutsch. "Daher ist nur eine Naturalrestitution gerecht." Man akzeptiere eine Einigung, aber lasse sich nicht nötigen - und stelle daher kein "Koscher-Zertifikat" aus. Auch IKG-Kultusvorstand Ariel Muzicant spricht von "Erpressung". Die Stiftung beteuerte, dass das Statement immer Teil der Einigung gewesen sei.  (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

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