ÖVP: "Spielerkarte" soll vor Sucht nach Automaten schützen

11. Mai 2012, 15:27
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Einsatz und Spieldauer soll mit spezieller Karte aufgezeichnet werden, auch eine Sperrung der Spieler ist möglich - Branchenkenner halten Lösung für naiv

Wien - Seit der Novellierung des Glücksspielgesetzes im Jahr 2010 wird darüber diskutiert, wie suchtgefährdete Personen am besten geschützt werden können. Als besonders gefährlich gelten die klassischen "einarmigen Banditen", an denen binnen kurzer Zeit große Summen verzockt werden können. Während die einen - etwa Teile der SPÖ - das sogenannte kleine Glücksspiel am liebsten ganz verbieten würden, wollen andere das Automatenspiel regulieren. Die ÖVP lobbyiert für eine betreiberunabhängige "Spielerkarte" für Automatensalons sowie die "Video Lottery Terminals" der Lotterien.

Spieler soll gewarnt, dann gesperrt werden

Das Finanzministerium hat kürzlich einen Bericht zur einer solchen Spielerkarte vorgelegt, gestern wurde das Thema im Finanzausschuss behandelt. In dem 23-seitigen Bericht werden Vor- und Nachteile einer solchen Zutrittskarte erläutert. Sobald ein Spieler einen Automaten- oder VLT-Salon (Video Lottery Terminals) betritt, soll aufgezeichnet werden, wie viel er einsetzt und wie lange er spielt. Die Daten sollen dann auf einem zentralen Server oder lokal gespeichert und statistisch ausgewertet werden. Bei Erreichen bestimmter Schwellen - die der Kunde auch selbst festlegen kann - soll eine Warnung erfolgen. In weiterer Folge könnte der Spieler gesperrt werden, und zwar bei allen Betreibern. Das Finanzministerium weist auch auf problematisch Aspekte, etwa den Datenschutz, hin. Details zur genauen technischen Implementierung sowie zu möglichen rechtlichen Unvereinbarkeiten sind noch offen.

Frühestens 2014

Die "Spielerkarte" wäre als Zusatz zur Anbindung aller neuen Glücksspielautomaten an das Bundesrechenzentrum ab Mitte 2013 gedacht, heißt es in dem Bericht. Die Karte könnte frühstens 2014 kommen.

"Alibiaktion"

Für ÖVP-Finanzsprecher Günter Stummvoll wäre eine solche Spielerkarte ein geeignetes Instrument zum Spielerschutz, wie er gestern in einer Aussendung wissen ließ. In der Branche ist man ob der Wirksamkeit äußerst skeptisch. "Das ist bestenfalls eine begleitende Maßnahme", nichts gehe über eine namentliche Registrierung beim Eingang. Helmut Kafka vom Automatenverband bezeichnete den Vorstoß als "Alibiaktion". Zumal die "Spielerkarte" nur für Automatensalons, nicht aber für Spielbanken vorgesehen sei. Dort nämlich stünden die "besonders gefährlichen Geräte". Offenbar wolle man die Konkurrenz der Casinos Austria mit besonders strengen Auflagen lähmen. Abgesehen davon, ist man sich in der Branche einig, sei es "naiv" zu glauben, dass man damit pathologische Spieler davon abhalten kann, Haus und Hof zu verspielen. Die, die wirklich geschützt werden sollen, wichen eben ins Internet oder in illegale Spielstätten aus und gingen nicht ins Casino. (APA)

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