Cerberus-Behaltefrist verstreicht

11. Mai 2012, 14:48

Seit fünf Jahren ist die BWAG in amerikanischem Besitz, nächsten Dienstag läuft die damals vereinbarte Behaltefrist ab

Wien - Nächsten Dienstag (15. Mai) sind es fünf Jahre seit dem Verkauf der BAWAG an den US-Fonds Cerberus. Damals hatte nach Auffliegen eines existenzbedrohlichen Spekulationsskandals um die frühere BAWAG-Spitze (Stichwort: Karibik-Geschäfte, Refco) der Österreichische Gewerkschaftsbund alle seine Bankaktien abstoßen müssen. Mit Mini-Anteilen an Bord sind derzeit auch Post, Generali und Wüstenrot, ebenso der Unternehmer und Ex-Finanzminister Hannes Androsch.

Der ÖGB bekam von Cerberus im Mai 2007 rund 2,6 Mrd. Euro als Kaufpreis für das Geldinstitut, er musste sich in der Not nach fast einem Jahrhundert von der einstigen Arbeiterbank trennen. Die Bank selbst bekam von den Amerikanern eine 600 Mio. Euro schwere Kapitalspritze. Der Bund, der die BAWAG ein Jahr vorher mit einer Garantie am Leben hielt, war damit aus dem Schneider.

Cerberus hatte am 14. Dezember 2006 den Zuschlag erhalten. Das Closing war Mitte Mai 2007. Zum Verkauf wurde vereinbart, dass Cerberus die BAWAG jedenfalls fünf Jahre behält. Diese Frist liefe rein theoretisch jetzt ab.

Staatsanteile müssen noch getilgt werden

Schon länger aber war klar, dass Cerberus 2012 nicht aussteigen würde. Die internationale Finanz- und Bankenkrise machte allen vorherigen Ansagen einen dicken Strich durch die Rechnung. Von hochfliegenden Börseplänen für die BAWAG für 2012 ist seither ebenso wenig die Rede wie von Bilanzverdopplungen oder strategischen Verkäufen mit hohem Profit. Wie die meisten anderen Großbanken hat die BAWAG vom österreichischen Staat stützendes Partizipationskapital bekommen, das in den nächsten Jahren zu tilgen ist.

41 Mrd. Euro Bilanzsumme hatte die BAWAG im Jahr 2011, und 122 Mio. Euro Nettogewinn.

Zur Erinnerung: Cerberus wollte kurz nach dem Kauf seine österreichische Bank im Jahr 2012 mit immerhin 88 Mrd. Euro Bilanzvolumen bei einer halben Milliarde Euro Nettogewinn sehen.

Mehr Banken warten auf Eigentümer

Kleinaktionär Androsch geht schon länger davon aus, dass Cerberus für einen Verkauf noch ein paar Jahre warten wird. Seit die Finanzkrise hochging, warten gleich mehrere größere österreichische Banken auf neue Eigentümer. Vor allem die drei Banken in Staatshand: Hypo Alpe Adria, Kommunalkredit und neuerdings auch die ÖVAG. Gespräche über eine Fusion BAWAG und ÖVAG hatten sich vor einiger Zeit zerschlagen, heuer musste die ÖVAG schon zum zweitenmal vom Staat vor dem Zusammenbruch gerettet werden.

Noch länger beschäftigt der Skandal um Spekulationsgeschäfte der ehemaligen BAWAG-Führung unter Helmut Elsner die Justiz. Ein erster Strafprozess hat vor fünf Jahren begonnen. Der Hauptangeklagte Elsner wurde rechtskräftig zu 10 Jahren Haft verurteilt. Er saß viereinhalb Jahre davon ab, inklusive langer Untersuchungshaft. Im Juli 2011 wurde er aus Gesundheitsgründen haftunfähig erklärt. Seit Ende April geht das Verfahren gegen acht Angeklagte, auch gegen den mittlerweile 77-Jährigen Elsner, weiter, bisher stand wieder ein Spitalsaufenthalt seinen ersten Prozessterminen in "BAWAG II" entgegen. (APA, 11.5.2012)

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12 Postings

vielleicht kauf jetzt Cerberus um null euro die marode staatliche Volksbank, wir können nur hoffen auf eine so gütige heuschrecke!

Jetzt kann der Staat sie zurückkaufen?

Der Artikel widerspricht sich selber. Kann man bitte solche Texte nicht besser schreiben?

Zitat1: "Der Bund, der die BAWAG ein Jahr vorher mit einer Garantie am Leben hielt, war damit aus dem Schneider."

Zitat2: "Wie die meisten anderen Großbanken hat die BAWAG vom österreichischen Staat stützendes Partizipationskapital bekommen"

Zitat 1 widerspricht komplett den Tatsachen die in Zitat 2 genannt werden.

Der Staat dachte damals – 2007 – ,

aus dem Schneider zu sein.

Die BAWAG war der Vorbote der Weltfinanzkrise, mit der damals noch niemand rechnete.

wenn ich mich recht erinnere: erhöhung der staatlichen garantie für spareinlagen, oder ?
partizipationskapital habe ich auch nur als bürgschaft in erinnerung.

Der Bund war vor 5 Jahren aus dem Schneider. Das Partkapital wurde erst nach der Finanzkrise vom Staat genommen. Die BAWAG zahlt da wenigstens Zinsen dafür.

widerspricht nicht unbedingt

Auch Erste und Raiffeisen haben vom Staat Partizipationskapital im Zuge der Finanzmarktkrise bekommen. Wie bei BAWAG geht man davon aus, dass diese Banken das Partizipationskapital zurückzahlen können.

Diese Stützung in der Finanzmarktkrise hat nichts mit der vorherigen Situation, also der Sanierung durch Kapitalspritze nach den Spekulationsskandalen zu tun.

Immer wenn ich Bawag lesen, denke ich an Verzetnitsch - dessen Seilschaft war so tragfähig, dass er nie angeklagt wurde.
http://derstandard.at/2429962/A... marschplan

"Skandal um Spekulationsgeschäfte der ehemaligen BAWAG-Führung unter Helmut Elsner die Justiz"

Nicht "Spekulationsgeschäfte" sondern Untreue und Betrug. Vom Obersten Gerichtshof bestätigt.

und? ist der volksbank und hyposkandal nicht auch unter diesem aspekt einzustufen? opfer früher: die gewerkschaft, opfer jetzt: der steuerzahler.

"Opfer jetzt: Der Steuerzahler"

Stimmt aber nicht: Der Steuerzahler hat die Geldspritze gegeben, die damals von Cerberus kam.

Opfer (=ehemaliger Eigentümer a la ÖGB) war aber bei der Hypo Alpe Adria die Bayrische Landesbank (Abschreibung: >3 Milliarden) und im Fall der Kommunalkredit die ÖVAG, die in Folge zeitversetzt selbst kippte. Deren Aktionäre sind großteils die kleinen Volksbanken, die alle Abschreibungen hinnehmen müssen.

Der Steuerzahler hat somit bisher kaum Verluste gemacht, aber er tritt nun als Unternehmer auf, womit er das Risiko von Verlusten eingeht...

nur, wer vertritt die interessen des steuerzahlers? die finanzministerin mitnichten!

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