Rückkehr zum Minimum

Ansichtssache12. Mai 2012, 14:18
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Traum ist in der kleinsten Hütte: Als Folge der Krise erleben Mini-Häuser eine weltweite Renaissance, wie das Small House Movement zeigt

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foto: tumbleweed tiny house company

"Ich hatte drei Kalksteine auf meinem Pult liegen, fand aber zu meinem Entsetzen, dass sie tägliches Abstauben benötigten, während mein geistiger Hausrat noch unabgestaubt dastand, und voller Abscheu warf ich sie zum Fenster hinaus." Mit diesen Worten beschrieb Henry David Thoreau in "Walden, oder Leben in den Wäldern" 1854 das konsequente Ausmisten alles überflüssigen persönlichen Besitzes beim Bau seiner asketischen Eigenbau-Holzhütte am Ufer des Walden Pond in Massachusetts. Als Dauermöblierung verblieb: Herd, Tisch, Bett, drei Stühle. Wohnfläche: 15 Quadratmeter. Die Kosten dafür, von Thoreau akribisch festgehalten: 28½ Dollar. Naturbetrachtung, unverfälschtes Erleben, klares Denken, das war allemal wichtiger als das Anhäufen toter Dinge als Besitz und Statussymbol.

Am 6. Mai jährte sich Thoreaus Todestag zum 150. Mal, und während sein Werk längst zum Kanon amerikanischer Literatur gehört, hat die Entwicklung der Eigenheime längst jegliche Askese hinter sich gelassen. Im Jahr 2009 betrug die durchschnittliche Größe amerikanischer Häuser stolze 250 Quadratmeter. Platz genug also, um Tonnen nutzloser Kalksteine abzustauben.

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