"Beste Businessplan ist der, den der Kunde zahlt"

  • Emanuel Heisenberg, Heisenberg Energie.
    foto: nigin beck

    Emanuel Heisenberg, Heisenberg Energie.

In den erneuerbaren Energien liegen große Chancen. Davon ist auch Emanuel Heisenberg überzeugt

Zum erfolgreichen Unternehmertum bedarf es einer Idee, die nachhaltig trägt, der Fähigkeit, Wissen in Können umwandeln zu können, des dafür nötigen Durchhaltevermögens, des Einsatzes und wohl auch Glücks. Das sagen zumindest die allermeisten erfolgreichen Unternehmer - mehr oder weniger bescheiden. Emanuel Heisenberg ist 34 und Gründer sowie Geschäftsführer von Heisenberg Energie. Mit der Suche nach einer Idee (eigentlich mehrerer Ideen) bis hin zu seiner jetzigen Tätigkeit verbrachte er einen Gutteil seines bisherigen Lebens und ging dabei - so kam es zu einigen Umwegen - seinen eigenen Interessen nach.

Zunächst war da der Fußball. Heisenberg: "Ich hatte eine sehr freie Kindheit mit viel Fußball und eine nicht besonders akademische Jugend mit viel Weggehen." Nach der Matura folgte das Studium der Geschichte und Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilian-Universität München und an der Cambridge University (Christ's College) mit den Schwerpunkten Ökonomische Theorie und Wirtschaftsgeschichte. "Ich habe die vier Jahre des Studiums dafür verwendet zu lesen", sagt Heisenberg heute. Wissenschaftliche Literatur habe er "von A bis Z" verschlungen und sei darüber auch auf für ihn interessante Themen gestoßen, die ihn letztlich nach England geführt haben.

Nach dem Studium wollte Heisenberg Journalist werden; dockte unter anderem bei der Zeit an. Aber: "Es stellte sich heraus, dass ich totale Schreibhemmungen hatte. Ich saß buchstäblich vor diesem weißen Blatt Papier, und es kam gar nichts." Danach packte der Historiker - "das habe ich mir ein Jahr lang angeschaut" - die Chance beim Schopf und wendete sich vom Journalismus ab und der Wirtschaft zu. Vier Jahre lang war er für die Siemens AG an den Standorten Braunschweig, München und Erlangen tätig - in unterschiedlichen Funktionen zunächst im Transportbereich, danach auf Strategieebene. Bei Siemens - "ein Ingenieur-lastiger Konzern, der von meiner Vorwelt sehr weit entfernt war" - habe er sehr viel gelernt und dann doch gekündigt - allerdings mit einer guten Idee.

An grüner Zukunft basteln

Gemeinsam mit einem Freund gründete Heisenberg eine Unternehmung mit dem Namen Stadtwärme - man schrieb "im Wohnzimmer" ein halbes Jahr lang Businesspläne, Konzepte zur Nutzung und Verbreitung nachhaltiger Energie. Es folgte der Zusammenschluss mit dem finnischen Unternehmen Greenvironment Oy und die Gründung der Greenvironment Energy Solutions in Berlin, wo er als Geschäftsführer fungierte. Danach folgte erneut der Ausstieg. Der Branche blieb Heisenberg allerdings treu.

Anfang 2009 gründet er gemeinsam mit den Stadtwerken Schmalkalden die Unternehmung Dezentrale Energien Schmalkalden (DES), ein Joint Venture, das sich fortan der dezentralen, ökologischen Energieerzeugung respektive -versorgung der Stadt widmen soll. 2010 erfolgt die Gründung von Heisenberg Energie - eine Idee gehört gewissermaßen auch gut gestreut, rund um Schmalkalden bis (zumindest) europaweit - von der Idee her.

Am Beispiel der Stadt Schmalkalden erklärt, unterstützt Heisenberg Energie die Stadt beim Umbau auf dezentrale Stromerzeugung und betreibt (im gemeinsamen Joint Venture) zwei Fernheizwerke und drei Kraftwärmekoppelungsanlagen. Der große gewissermaßen grüne Vorteil daran sei, dass die Abgabe ungenutzter Abwärme an die Umgebung dabei weitgehend vermieden wird. Anders als bei der Energie aus Großkraftwerken, wo rund 40 Prozent an Primärenergie beim Endkunden landen, sind es über die dezentrale Einrichtung - und der gesamten Nutzung der Abwärme - mehr als 90 Prozent Primärenergie (35 Prozent Strom, 55 Prozent Wärme), die den Endkunden erreichen; direkt, ökologisch nachhaltig und günstiger.

"Bis zum Ende dieses Jahres werden wir 15 Prozent des Strombedarfes der Stadt mit diesem Kleinkraftwerk decken können", sagt Heisenberg. In das ehemalige Erzeugungsoligopol (aus vier großen Energieerzeugern in Deutschland) dringen jetzt kleinere Spieler. Es gibt, sagt Heisenberg, einen starken Transformationsprozess, der neue Betriebskonzepte und offene, den Kunden zugewandte Firmenkulturen fordert. Noch vor drei bis vier Jahren war dieser Markt nahezu hermetisch für kleine Unternehmen verschlossen. Heute entstehen immer mehr interessante Start-ups - "eine Riesenchance", so Heisenberg weiter.

Kein Geld aus der Steckdose

Eine Umstellung sei der Wechsel vom Angestellten zum Unternehmer schon gewesen, sagt er in kurzer Retrospektive. "Dieser Schritt ist vor allem ein psychologischer, weil man plötzlich dasitzt und nicht automatisch Geld überwiesen bekommt." Wenn man aus einer Struktur komme - so wie er eben aus der Siemens-Struktur -, wo das Geld wie Strom aus der Steckdose wie von allein aufs Konto wandere, habe es auch spannende und angespannte Momente gegeben, wenn nicht absehbar sei, wann und ob der Kunde überhaupt zahle, so Heisenberg weiter. Und er sagt: "Das stimmt schon, wenn man sagt, 'Der beste Businessplan ist der, wenn der Kunde zahlt'."

Ob ihn seine Familie, in dem, was er beruflich vorantreibt, stark beeinflusst hat? Bei diesem Namen keine ganz unerhebliche Frage. Emanuel Heisenbergs Vater ist der Neurobiologe und Genetiker Martin Heisenberg, sein Großvater ist der Physiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg. Heisenberg: "Ich habe mich lange davor gescheut der Firma meinen Namen zu geben. Viele haben mir aber dazu geraten, und letztlich dachte ich: Ich musste viel unter dem Vorleben meiner Vorfahren leiden, vielleicht kann ich ja jetzt davon profitieren." Und er schmunzelt: Aber jeder einzelne kann sowohl Positives als auch Negatives mit seiner Familie verbinden. Und so bekannt sei der Name - vor allem der jüngeren Generation - nicht mehr, so Heisenberg weiter.

Leugnen könne er die familiäre Prägung freilich nicht. "Als schwierig habe ich immer empfunden, dass es bei uns geheißen hat, nicht erfolgreich werden zu müssen, aber etwas Besonderes zu tun. Was dazu geführt hat, dass ich bis heute permanent das Gefühl des Scheiterns habe." Was ihn aber - als Nachsatz - nicht davon abhält, keine Träume mehr zu haben. "Über ein Netzwerk von vielen dezentralen Anlagen zu verfügen, die man aber zentral steuert und als Regelenergie vermarkten kann, ähnlich einer Kraftwerksscheibe aus vielen Kleinen, die sehr intelligent zu steuern sind - das wäre ein unternehmerischer Traum, den zu erreichen schön wäre." (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

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1 Posting
Beste Businessplan?

Wenn schon, dann "Der beste Businessplan" oder "Bester Businessplan".

Deutsche Sprache, schwere Sprache.

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