Nicht überall, wo grün draufsteht, ist grün drin

Günther Strobl
11. Mai 2012, 17:39

Der Begriff Green Jobs war einmal die romantisierende Vorstellung von Arbeit in der Natur

Was haben ein Arbeitsplatz bei der Voest in Linz, bei Billa in Wien oder bei GreenTecOne in St. Veit/Glan gemeinsam? In allen drei Fällen handelt es sich um Green Jobs. Sie bezweifeln das? Die meisten Statistiken, die das Gewicht der Umweltindustrie wiegen, bauen aber genau auf so einem Firmenmix auf.

Einzig bei GreenTecOne, dem Kärntner Hersteller thermischer Solarkollektoren und dazugehöriger Befestigungssysteme, ist die Bezeichnung Umweltindustrie zur Gänze gerechtfertigt. Bei Voest und Billa hingegen wird die Argumentation schon schwieriger.

Es mag sein, dass in der Voest auch Sachen produziert werden, die relevant für die Umwelt sind, und dass in Billa-Filialen auch Produkte verkauft werden, die einen Nutzen für die Umwelt haben. Ganz zu überzeugen vermag diese Zählmethode aber nicht.

Dabei ist die Umweltindustrie zweifelsohne ein Erfolgsmodell. Gibt man im Google-Suchfeld "Green Jobs" ein, erhält man 1,43 Milliarden Treffer. Schränkt man die Suche auf Österreich ein, bleiben immerhin noch 34,2 Millionen Ergebnisse. Dabei steht nach Ansicht von Experten die große Zeit der Umweltindustrie erst bevor. Viele neue Jobs werden in diesem Segment entstehen, forciert nicht zuletzt durch gesellschaftlichen Druck und Gesetze.

Nach den letzten verfügbaren Zahlen der Statistik Austria waren in Österreich 2010 rund 210.000 Menschen in der Green Economy beschäftigt. Berücksichtigt sind dabei auch Personen, die im Handel mit Umweltgütern und Umwelttechnologien ihr Brot verdienen. Ohne diese sind es 188.000 oder 5,4 Prozent der Erwerbstätigen (nach 5,0 Prozent 2009). Diese setzten zuletzt insgesamt 33,7 Milliarden Euro um.

Deutlicher Strukturwandel

"Seit Mitte der 1990er beobachten wir einen deutlichen Strukturwandel in der Umwelttechnikindustrie", sagte Angela Köppl vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im Gespräch mit dem Standard. Zahlenreihen seit 1995 zeigten, dass der Anteil nachgelagerter Umwelttechnologien wie Filteranlagen zur Reduzierung negativer Umweltauswirkungen deutlich geschrumpft, jener sauberer Technologien stark gestiegen ist.

Auf Umwelttechnologien im engeren Sinn, die das Wifo seit 1995 untersucht (die neuesten Ergebnisse sollen Ende 2012 vorliegen) waren in Österreich zuletzt 375 Unternehmen spezialisiert. Diese beschäftigten gut 22.000 Mitarbeiter. 1995 waren es noch um die Hälfte weniger. Die meisten Green-Tec-Unternehmen finden sich in Oberösterreich und in der Steiermark.

Bis 2020 sollen gemäß Masterplan des Umweltministeriums rund 100.000 zusätzliche Green Jobs in Österreich entstehen. Weil die gesuchten Qualifikationen häufig nicht mit den angebotenen übereinstimmen, gibt es in einzelnen Bundesländern Initiativen zur Behebung des Mangels.

So hat etwa das Arbeitsmarktservice (AMS) Graz mit dem Land Steiermark eine Energiestiftung ins Leben gerufen. Über dieses Vehikel erhalten arbeitslos vorgemerkte Personen eine spezielle Ausbildung im Bereich erneuerbare Energien, die es am freien Markt so nicht gibt. "Wir finanzieren etwa einen Lehrgang für Fotovoltaik, den Energieausweis, den Solarwärmeplaner, Passivhausprojektierungen, Bioenergieheizanlagen und vieles mehr", sagte Hermann Gössinger vom AMS Steiermark.

Im Februar hat das AMS Oberösterreich in Kooperation mit dem Netzwerk Humanressourcen, dem Umwelttechnik-Cluster und dem Verein Fair Energy den Qualifizierungsverbund Green gestartet. Die beteiligten Unternehmen definieren Ausbildungsmodule zu den Bereichen Green Technologies, Green Production und Green Services und können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend den gewünschten Anforderungen aus- und weiterbilden. (Günther Strobl, DER STANDARD, 12./13.5.2012)

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1 Posting
nicht einmal das

"Hersteller thermischer Solarkollektoren und dazugehöriger Befestigungssysteme"
glaube ich es. Denn grün ist kein Job, bestenfalls das, was da hergestelltw wird, und sogar das stimmt meist nicht, wenn man die gesamte Produktionskette verfolgt (Zulieferung, Rohstoffe usw.)
Halt auch eine gigantische Täuscherei.

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