"Wenn es zu Ende ist, dann fahre ich auf Urlaub"

11. Mai 2012, 13:31
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Altmeister Otto Rehhagel muss zum Ende seiner ruhmreichen Karriere wohl noch mal absteigen. Hertha nach haarsträubenden Abwehrfehlern und dem vierten Eigentor dieser Saison auf Verliererstraße

Berlin - Das Denkmal von "König Otto" bröckelt. Die Karriere der Trainer-Legende von Hertha BSC endet am Dienstag wohl mit einem traurigen Abstieg. Nach dem 1:2 (1:0) im ersten Spiel gegen Fortuna Düsseldorf sind die Chancen für das Relegations-Rückspiel (20.30 Uhr/ARD und Sky) auf ein Minimum geschrumpft. Der 73-Jährige wollte nicht verraten, wie sehr ihn ein Abstieg aus der Fußball-Bundesliga wurmt. "Wenn es am Dienstag zu Ende ist, dann fahre ich in den Urlaub", sagte er lapidar.

Deutlichere Worte fand Rehhagel für die Leistung seiner Spieler. Haarsträubende Abwehrfehler und das bereits vierte Eigentor der Saison brachten den Noch-Bundesligisten auf die Verliererstraße. Rehhagel wollte nach seinem missratenen Abschiedsspiel in Berlin nicht mehr die schützende Hand über seine Spieler halten. "Seitdem ich hier bin, machen wir in jedem dritten Spiel ein Eigentor", meckerte der Coach. Stürmer Adrian Ramos hatte mit einem Kopfball ins eigene Tor (71.) die Blamage gegen den Zweitligisten besiegelt.

Doch die Hertha-Show mit Pleiten, Pech und Pannen begann schon früher. "Vor dem Ausgleich zum 1:1 unterlief uns ein folgenschwerer Fehler", schimpfte Rehhagel. Die komplette Defensive schaute zu, als Düsseldorfs Thomas Bröker zum Sololauf ansetzte und mit seinem Tor die Wende des Spiels einleitete. Wieder einmal war es die Abwehr, die die Hertha um den Lohn brachte. Wieder einmal muss sich Manager Michael Preetz fragen lassen, warum er in der Winterpause nicht die nötige Verstärkung holte.

Preetz selbst war bemüht, trotz der schwierigen Lage Optimismus zu versprühen. "Heute ist erst Halbzeit", betonte der 44-Jährige. "Wir wissen, dass wir in der Vergangenheit auswärts oft stärker waren als zu Hause." Für Kapitän Lewan Kobiaschwilli war ebenfalls noch nicht aller Tage Abend: "Das war heute blöd und bitter. Doch wir sind in der Saison immer wieder aufgestanden. Vielleicht schaffen wir das Wunder."

Auch Rehhagel wollte seine Mannschaft nicht abschreiben. "Die Jungs sind am Boden zerstört. Wir werden in den nächsten Tagen viele Gespräche führen und mit neuem Mut nach Düsseldorf fliegen", sagte der Coach. In den verbleibenden Tagen will sich der Hauptstadt-Klub wieder in Ruhe und unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorbereiten, um mit einem Sieg den sechsten Bundesliga-Abstieg der Klubgeschichte doch noch abzuwenden.

Für Rehhagel ist die Partie in Düsseldorf das definitiv letzte Spiel seiner Zeit als Hertha-Coach und wohl auch seiner Karriere. Der Europameister von 2004 dürfte bei seinem dreimonatigem Intermezzo festgestellt haben, dass ihn der Job als Trainer der Bundesliga zu oft an die Grenzen der Belastung geführt hat. Das Gefühl des Bundesliga-Abstiegs kennt er kaum noch. Zum bislang einzigen Mal musste Rehhagel mit Arminia Bielefeld 1979 eine Liga tiefer. (sid, 11.5.2012)

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    Otto Rehhagel ist mit seinem Griechisch am Ende.

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