ITK-Branche: Mit Internet-Offensive Konjunktur ankurbeln

11. Mai 2012, 13:05
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Ametsreiter: "Wir brauchen mehr Frequenzen" - Chvatal fordert "digitale Schulbuchaktion"

Die österreichischen Informations- und Kommunikationstechnologie-Unternehmen (IKT) befürchten, dass Österreich bei der Nutzung des Internet ins Hintertreffen geraten könnte und verlangen deshalb u.a. Investitionsanreize für den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen und die Förderung von Venture Capital, damit mehr IKT-Unternehmen gegründet werden. Im weltweiten Vergleich von 142 Ländern liege Österreich beim "Networked Readiness Index" des World Economic Forum auf Platz 19 und habe damit gegenüber dem Vorjahr zwei Plätze gutgemacht, berichtete Rudolf Kemler, Generaldirektor von HP Österreich und Präsident der "Internetoffensive Österreich". Von der Spitzengruppe mit Schweden, Singapur und Finnland sei man aber noch weit weg, sagte Kemler am Freitag zum Auftakt des "IKT-Konvent Österreich" in Wien.

"IKT dringt in alle Lebensbereiche ein und ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für unser Land und für Europa"

Der IKT-Markt in Österreich habe ein Volumen von 24 Mrd. Euro, das entspreche 9 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung, berichtete Kemler. Die 14.000 Unternehmen der Branche beschäftigen laut Kemler rund 100.000 Leute und investieren jährlich 1,5 Mrd. Euro. Damit sei die Branche der Wachstumsmotor der österreichischen Wirtschaft, wichtiger noch als der Tourismus. "IKT dringt in alle Lebensbereiche ein und ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für unser Land und für Europa", sagte Peter Niederleithner, CEF der Raiffeisen Informatik Consulting GmbH.

Um den "Sprung zur Wissensgesellschaft von morgen" zu schaffen, müssten vor allem Bildung und Infrastruktur entwickelt werden, sagte Telekom-Austria-Chef Hannes Ametsreiter bei der Pressekonferenz. Die "Media Literacy" müsse erhöht werden, 20 Prozent der Österreicher nutzten das Internet nicht, sagte Ametsreiter. Der heutige Konvent diene dazu, das entsprechende Bewusstsein zu schaffen, "aber wir brauchen auch Investitionsanreize". Wichtig sei die Bereitstellung der notwendigen Mobilfunkfrequenzen, etwa durch die "Digitale Dividende" bzw. "Digitale Dividende 2". "Das Datenvolumen explodiert, wir brauchen mehr Frequenzpakete", forderte der TA-Chef.

Qualität der Mobilfunk-Infrastruktur

Laut Orange-Chef Michael Krammer ist Österreich bei der Qualität der Mobilfunk-Infrastruktur unter den Top 5 Ländern der Welt. Das hätten die Unternehmen aus eigener Kraft und ohne Förderungen geschafft. Man brauche auf künftig keine Förderungen, aber die richtigen Rahmenbedingungen. So müsste man etwa über die Freigabe weiterer Frequenzen für den Mobilfunk nachdenken.

"Es ist schon 35 Jahre her, dass Österreich mit der Schulbuchaktion eine internationale Benchmark setzte", sagte Robert Chvatal, CEO von T-Mobile Austria. Ein großer Schub wäre jetzt eine "digitale Schulbuchaktion für das 21. Jahrhundert", schlug Chvatal vor. "Jedes Kind sollte über ein digitales Lernwerkzeug verfügen und einen persönlichen Internetzugang haben." Schulbücher würden pro Jahr und Schüler etwa 120 Euro kosten, so Chvatal. Tablet-Computer gebe es schon unter 300 Euro, und man könne sie mehrere Jahre lang nutzen.

Bewusstseinsbildung

Bildung, auch Bildung mittels Kommunikationstechnologie, sei eine Investition in die Zukunft, sagte der Technik-Vorstand von Microsoft Österreich, Harald Leitenmüller. 80 Prozent der 15-Jährigen in Österreich würden zu Hause PC und Internet nutzen, aber nicht in der Schule. "Da muss sich etwas ändern, denn das neue lebenslange Lernen ist mobil, vernetzt und kreativ." Es gehe um Bewusstseinsbildung, aber man brauche auch konkrete Maßnahmen, forderte Leitenmüller. Nach bereits erfolgten konkreten Maßnahmen befragt verwiesen die IKT-Chefs auf "Deklarationen", "Konferenzen" und "Initiativen".

"Die Bandbreite für Maßnahmen ist groß", meinte auch Bundeskanzler Werner Faymann in seiner Eröffnungsrede zum "IKT-Konvent", "in vielen Bereichen stehen wir erst am Anfang". Auch in den Schulen seien die Möglichkeiten zum Einsatz von IKT "längst nicht ausgeschöpft", räumte Faymann ein. (APA, 11.05. 2012)

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