Notunterkünfte für Betroffene erforderlich

11. Mai 2012, 12:49
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Bei der Internationalen Tagung fordert die NGO Schutzmaßnahmen für Betroffene: Seit 2007 sind diese von Regierungsseite geplant, passiert ist nichts

Wien - Mit Nachdruck hat Gül Ayse Basari, eine Mitarbeiterin des Vereins Orient Express, die Eröffnung einer Notunterkunft für von Zwangsheirat Bedrohte und Betroffene bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Konferenz gegen Zwangsheirat am Freitag in Wien gefordert. "Seit 2007 ist eine Notunterkunft von Regierungsseite geplant, aber es ist noch nichts passiert", kritisierte sie.

Zwangsheirat sei eine "Gewaltform" und verstoße gegen die UNO-Menschenrechtscharta, bei einer "Kinderheirat" handle es sich um Verstöße gegen die UNO-Kinderrechtskonvention, betonte Basari. Abgesehen davon sei nicht nur die physische, sondern auch die psychische Gewalt, der die Betroffenen ausgesetzt sind, sehr groß.

An Schutzmaßnahmen mangle es: Ohne Notwohnung zur anonymen Unterbringung von Betroffenen könne der Verein seine Klientinnen "nicht überzeugen" Anzeige gegen die Täter zu erstatten. Denn dann brauche man "wirklich Schutz" für die Frauen. "Vielleicht muss zuerst ein Mädchen umkommen, bis wir eine Notwohnung bekommen. Aber das wollen wir nicht", erklärte Basari.

Auch Cihan Nezahat von der britischen "Iranian and Kurdish Women's Rights Organisation" (IKWRO) betonte, dass die Unterkunft für Betroffene weltweit "eines der wichtigsten Themen" bei der Betreuung seien. Abgesehen davon würden die Sensibilisierung und das Verstehen des Phänomens im Vordergrund stehen bei der Bekämpfung von Zwangsheirat. Einer Studie der IKWRO zufolge kam es im Jahr 2010 in Großbritannien zu insgesamt mindestens 2.823 Fällen von "auf Ehre basierter Gewalt". Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein.

Fehlende Statistiken

Nezahat verwies u.a. auf die in Großbritannien vorhandenen Noteinrichtungen, die Einheit zur Bekämpfung von Zwangsverheiratungen britischer Staatsbürgerinnen - auch im Ausland - und einer Strategie zu Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder als Vorzeigebeispiele.

Seit dem Jahr 2000 befasst sich der Migranten-Verein Orient Express mit dem Thema Zwangsheirat und bietet u.a. sowohl Beratung als auch Begleitung für Betroffene und Bedrohte an. "Im Jahr 2004 hatten wir 26 Klientinnen, im Jahr 2011 bereits 83", sagte Basari. Allerdings bedeute die Zunahme der Zahlen nicht per se ein Ansteigen des Phänomens, sondern ein Greifen der Vereinsarbeit: Durch Präventions- und Aufklärungsarbeit wüssten mehr Personen Bescheid, weshalb der Verein auch mehr Klientinnen-Zulauf erhalte.

Problematisch seien im Allgemeinen auch die fehlenden Statistiken zu Zwangsheirat in Österreich: Zwar lege der Verein seine eigene Statistik an, aber es mangle an Zahlen aus den übrigen Bundesländern sowie der Initiative eine Österreich-weite Studie durchzuführen. Abgesehen davon würde das Thema in vielen Krisenzentren "als rein familiäres Problem" gehandhabt, sagte Basari. (APA, 11.5.2012)

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