ORF III erreicht bis zu 400.000 Zuseher täglich

11. Mai 2012, 12:45
  • Heinz Sichrovsky, Alexander Wrabetz und Barbara Rett bei der ORF III-Programmpräsentation.
    foto: orf/milenko badzic

    Heinz Sichrovsky, Alexander Wrabetz und Barbara Rett bei der ORF III-Programmpräsentation.

Senderchef Schöber: "Kein Remmidemmi, sondern Kultur und Information auf hohem Niveau" - Rett: "Uns geht's wie Berlin, wir sind arm, aber sexy"

Wien - "Großes Programm mit einem kleinen Team" - so beurteilt man im ORF die bisherigen Erfahrungen mit dem Informations- und Kulturspartenkanal ORF III. Donnerstagabend präsentierten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und ORF III-Geschäftsführer Peter Schöber im Radio-Kulturhaus die Programmvorhaben der nächsten Monate und zogen dabei auch eine Bilanz des bisherigen Senderangebots. "Es geht uns sehr gut. Das Sendeschema funktioniert und das Publikumsfeedback ist sehr, sehr gut", so Senderchef Schöber im APA-Interview. Wrabetz hat mit dem Erfolg "gerechnet, weil es in Österreich ein fanatisches Kulturpublikum gibt". Bis zum 1. Geburtstag im Herbst erwartet der ORF-Chef 500.000 Zuschauer täglich.

Montag Dokus, Dienstag Kultur, Mittwoch Religion und Wissenschaft, Donnerstag Europa, Freitag österreichischer Film, Samstag Zeitgeschichte und am Sonntag Bühnenerlebnisse mit Barbara Rett, dem kulturredaktionellen Aushängeschild und Gesicht des Senders. "In diese Richtung wollen wir das Schema weiterführen, kein Remmidemmi, sondern Kultur und Information auf hohem Niveau", so Schöber. Die Tagesreichweite des Senders betrage derzeit 350.000 bis 400.000 Zuseher. "Wir liegen in diesem Bereich seit einigen Wochen in der Nähe von Arte. Das ist ein Erfolg, denn Arte besteht seit 30 Jahren und ist die Benchmark." Besonders gut funktioniert laut Schöber die Zeitgeschichte-Schiene am Samstag. Seherzahlen und Marktanteile seien letztlich aber nicht wirklich ein Kriterium für ORF III. "Die Quote ist für uns keine Messgröße, im Vordergrund steht die Qualität des Program

"Programmverrückte"

Dieses werde von einem jungen und engagierten Team, das "im besten Sinne des Wortes aus Programmverrückten besteht", produziert. Man orientiere sich an Arte und anderen Spartensendern deutscher öffentlich-rechtlicher Programmanbieter. Der heimische Sender Servus TV, der ebenfalls am Donnerstagabend sein Programm in Wien präsentierte, sei keine Benchmark für ORF III. "Servus TV ist überhaupt kein Mitbewerber. Wir bespielen 40 Prozent unserer Programmflächen mit Kultur, bei Servus sind es nur sechs Prozent. Servus ist eine gute Mischung aus Discovery Channel, Naturdokus und viel Sport. Wir ergänzen die ORF-Vollprogramme in den Bereichen Kultur, Information, Europa und Wissenschaft", erklärt Schöber.

Als "Feigenblatt" für ORF eins und ORF 2 sieht Schöber den Sender keinesfalls. "Nein, im Gegenteil. Man darf nicht vergessen, ORF III kann es nur deshalb geben, weil es auch ORF eins und ORF 2 gibt, so wie es Ö1 nur geben kann, weil es Ö3 gibt." Unrecht hätten auch "Kassandra-Rufer außerhalb des ORF", die der Meinung waren, dass es in den beiden ORF-Hauptprogrammen keine Kultur mehr gibt, wenn ORF III erst gestartet ist. "Das stimmt einfach nicht. Der ORF bietet in den Hauptprogrammen eine unglaubliche Fülle an Kulturangeboten. Aber selbstverständlich muss ein öffentlich-rechtlicher Sender auch Unterhaltung, auch Sport und auch US-Serien anbieten. Das Schöne ist, dass der ORF für seine Kunden ein zusätzliches Angebot hat."

"Uns geht's wie Berlin, wir sind arm, aber sexy"

Dass das Senderbudget anfangs zu knapp kalkuliert wurde, erklärt Schöber mit fehlenden Erfahrungswerten. "Der ORF hat das letzte Mal 1971 einen Sender gestartet. Wir haben wenig aktuelle Erfahrungen, was den Start und die Befüllung eines Spartensenders betrifft. Jetzt, wo wir ein paar Monate on air sind, ist eine valide Abschätzung möglich, was eine attraktive Programmbefüllung kostet." 12.000 Euro pro Sendetag oder rund vier Millionen Euro jährliches Programmbudget sind laut dem ORF III-Geschäftsführer erforderlich. "Uns geht's wie Berlin, wir sind arm, aber sexy", deshalb "her mit dem Zaster, her mit der Marie", fasste ORF III-Moderatorin Rett die finanzielle Lage Donnerstagabend bei der Programmpräsentation zusammen. Mit ORF-Generaldirektor Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl gebe es laut Schöber diesbezüglich aber ohnehin eine gute Gesprächsbasis.

"Feinkost- und Delikatessenladen des ORF"

Finanzchef Grasl bezeichnete den Sender denn auch als "Feinkost- und Delikatessenladen des ORF". ORF III sei auch ein "Vorbild für ORF eins und ORF 2, denn hier wird auch kostengünstiger produziert und die Redakteure arbeiten voll für das Programm, was im ORF nicht überall so ist". Grasl und Schöber hoffen aber auch auf Einnahmequellen. ORF III darf 42 Minuten Werbung pro Tag senden. "Ich gehe davon aus, dass wir einiges an Spotwerbung an die Werbekunden bringen. Wir haben einen attraktiven Tarif, liegen über der kalkulierten Reichweite und bieten eine attraktive Zielgruppe. Ich denke, die ORF-Enterprise ist gut unterwegs, das in Gang zu bringen", sagte Schöber der APA.

Der ORF III-Chef reiht sich auch in die Phalanx derer ein, die für die Aufhebung des Cross Promotion-Verbots plädieren, nach dem der ORF in seinen Hauptprogrammen keine Imagewerbung für ORF III machen darf. Trailer mit konkreten Programmhinweisen dürfte der ORF spielen, was dem Vernehmen nach auch demnächst passieren wird. Warum diese Möglichkeit bisher kaum genützt wird, erklärt Schöber mit den unklaren rechtlichen Vorgaben. "Es ist zum Beispiel fraglich, ob wir das Logo von ORF III verwenden dürften. Die Cross-Promotion-Regelung für ORF III ist jedenfalls eine massive Beschränkung und Schwachsinn. Der Gesetzgeber sagt, der ORF soll einen Spartensender betreiben, die Medienbehörde sagt, ihr dürft damit aber nicht Aufmerksamkeit erregen. Das ist absurd und sollte auch von der Medienbehörde überdacht werden. Das gleiche gilt für die Social Media-Aktivitäten." Schöber verweist auf den Kommunikationswissenschafter Neil Postman: "Man kann nicht nicht kommunizieren." (APA, 11.5.2012)

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imi klartext:

orf 3 wiederholt in erster linie orf-2 formate und einige bundesländerproduktionen
die mitarbeiter-fluktuation ist / war hoch
dazu zig zugekaufte produktionen.
(sprich: die methoden von orf1 und die inhalte von orf2). also innoovationstechnisch gibts da durchaus noch potential. und: die berechnung der zuseherInnenanzahl bitte ich kundige genauer unter die lupe zu nehmen - wenig erstaunlich auch, dass alles schön geredet wird. man sollte mal kaup und webhofer nachfragen, und im funkhaus generell, wie das "aus" der beiden sendungen kommuniziert und legitimiert worden ist. ein schlechter scherz das ganze.

Ö1 machts seit Jahren vor und hat zu Recht für einen Kultur und Informationssender grandiose Quoten!

alle achtung ...

... sprachkultur auf höchstem niveau: "her mit dem Zaster, her mit der Marie" - widerspiegelt das die qualität des senders?

"Mittwoch Religion und Wissenschaft"

was ja an sich schon schlimm wäre,

aber es gibt nur religion und gar keine wissenschaftssendungen,
nur 30 minuten medizin-schmonzes

in wahrheit gibts auf 4 orf kanälen in der ganzen woche, mit "newton" eine einzige 30 minütige populärwissenschaftliche sendung,

und wenn man so will mit den "science busters" eine wissenschaftscomedy

auf 3 sat gibts tägliche 30 minuten populärwissenschaft

und auch z.b. täglich eine 45 miutige tagesaktuelle kultursendung

also da muss man noch sehr, sehr viel machen

Kein Remmidemmi

ist also das Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zu ORF 1 & 2 ?

das ist ja erstaunlich ehrlich, da bleibt aber natürlich die Frage, warum die beiden nach wie vor mit hunderten Millionen subventioniert werden.

Sowohl Servus TV als auch ORF III sind eine ........

..... wesentliche Bereicherung im TV-Senderspektrum und heben sich von einer Kommerzialisierung ab. Servus TV wird darüber auch in exzellenten HDTV als Free-TV ausgestrahlt, dass mir bei ORF III als Österreich-Kulturfenster abgeht.
Ich wünsche beiden Programmen auf ihrer Art weiterhin viel Erfolg.
LG
Franz aus Wien

.. sind wir froh, dass ORF III verschlüsselt ausgestrahlt wird - wenn die bei diesem Mini Budget noch auf Senderechte Rücksicht nehmen müßten, dann hätten wir wieder das Programm von TW1. Für die Welt draußen gibts ja ORF2-E - bin gespannt wann dort die Lücken wo es keine Europarechte gibt endlich geschlossen werden -das Gesetzt ist ja meines Wissens schon geändert. Der ORF wollte so viel ich gehört habe das schon Anfang 2012 in Angriff nehmen.

ORF E

Also bin viel in Deutschland beruflich unterwegs. ich habe noch nie erlebt, daß ORF E in einem Hotel eingespeist wurde. Ich meistens froh, wenn es zum indest 3SAT zu sehen gibt.

Nicht jeder

will zur Hauptsendezeit den Teletext sehen.

Das ist doch kein Fernsehprogramm,sondern ein Fleckenteppich :(

Hoffentlich denken ARD/ZDF

bald auch so,und begrenzen die Ausstrahlung auf D.Dann könnten die dt.GEZ-Zahler sich auch die teuren Europa-Rechte sparen.
Freilich würde man dann in Ö von dt.ÖR-Programmen nicht mehr viel sehen.Genauso wie jetzt ja schon andersherum.

.. ARD/ZDF betonen immer, dass es keinen Unterschied macht im Einkauf der Rechte. Wenn verschlüsselt würde, dann würde es sogar für die Sender teurer - für den Konsumenten sowieso (Receiver/Modul & vor allem die Smardcard die alle paar Jahre bezahlt werden muss). Ich denke, die dt. ÖR haben sich das schon durchgerechnet wissen was sie tun - sonst würden sie nicht seit Jahren gebetsmühlenartig betonen, dass Verschlüsseln für sie und den dt. Zuseher keinen Vorteil bringt.

D wird wegen 8 Millionen Zuseher in Österreich...

...nicht verschlüsseln da sie für 90 Millionen Zuseher in Deutschland die Rechte zahlen bzw. die Gebühren einnehmen. Da würde das Verschlüsseln sich nicht mehr rechnen. Ich hoffe dass ist jetzt ein für alle mal klar verständlich.
LG
Franz aus Wien

Meine Rede!
Ich versteh schon, dass die dt. sauer sind dass sie ORF/SRF nicht empfangen können. Aber es liegt ja auch teilweise an den blödsinnigen deutschen Gesetzen. In Österreich sind SF1/SF2 (HD) im Kabel, auch in der Schweiz der ORF1/2/3 (HD). Bei uns und in der Schweiz eingespeist werden was bei uns im Bundesgebiet empfangbar ist - in D geht das so nicht. Das liegt auch vor allem an der Gier Eurer deutschen Privaten (ORF mußte in den 90er wegen RTL die Sendeleistung reduzieren).

Wegen "eurer" Privaten...

Welche Nationalität hatten denn zu dieser Zeit fast sämtliche Senderbosse der Privatsender.
Kleiner Tipp:Deutsche waren/sind sie nicht ;)

... nicht nur in D - beim ORF war der Zeiler der das umgesetzt hat, bevor er selbst zu RTL ging. Aber der Ausgleich dafür ist, dass RTL & Co mit Ihren Werbefenstern ja Geld aus Österreich abschöpfen ohne dass Wertschöpfung im Land passiert - das ist dann quasi der Ausgleich, dafür dass wir Eure ÖR sehen dürfen ;-)

Naaaja...

nur leider habe ich (und 99,9% aller GEZ-Zahler) herzlich wenig davon, wenn RTL und Co. einige Werbe-Euros aus A und CH herauskitzeln.Hingegen den Zaunseher-Solidaritäts-Aufschlag müssen "wir" alle monatlich bezahlen.Die nächste Möglichkeit zum Abbiegen dieses Missverhältnisses für ARD/ZDF kommt erst frühestens 2019/20 (SD-Abschaltung).Bis dahin fliesst aber noch viel Wasser die Donau und den Rhein hinunter.
Aber für unsere lieben Nachbarn im SO ist mir ja (fast) nichts zu teuer ;)

aber im gegensatz zur ddr, wollen wir nur bei euren programmen mitschauen und uns nicht gleich mit euch vereinigen ;-)

Danke für die Klarstellung,

aber unser Bedarf an Vergnügen ist mit dem "nahen Osten" und Bayern gedeckt ;) Gruss aus BW

Wenn ichs darauf anlegen würde

könnte ich auch in D den ORF oder SRF empfangen...
Brauche ich aber nicht.
Der Gedanken vom vereinten Europa der hinter der (teuren) unverschlüsselten ARD/ZDF-Ausstrahlung steht,geht eh gerade den Bach hinunter.Da sind alle Investitionen sowieso für die Katz.Jeder soll bitteschön
für seinen Fernsehkonsum selber zahlen.Sonst gibt es im Leben auch nichts geschenkt.

Es geht hier nicht nur um Österreich

Es geht hier um den deutschspr. Raum: ........

also Kommen die ca. 6 Millionen Südtiroler und Dt. Schweizer noch dazu. Das ist zur deutschen Gesamtbevölkerung noch immer vernachlässigbar
zu den möglichen Verschlüsselungskosten-Aufwand.
LG
Franz aus Wien

Deutsch wird von

um die 100 Millionen Menschen in Europa gesprochen.In D selber leben noch um die 80 Millionen Menschen.Tendenz fallend.Da werden aus ihren 6 auf einmal um die 20 Millionen.

Also wie sie auf 20 Millionen......

Österreicher, Schweizer + Südtiroler kommen kann ich Aufgrund der niederen Geburtenrate nicht ganz vollziehen. Außerdem würde sich auch bei 20 Millionen für Deutschland der Aufwand des Verschlüsseln noch immer nicht auszahlen. So meine ich.
LG
Franz aus Wien

Da hilft Google gut weiter.

Wo sind die 20 Millionen deutschspr. Seher........

...außerhalb von Deutschland in Europa lt. Google ?
LG
Franz aus Wien

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