Parlament ermöglicht Organhandel-Untersuchungen

11. Mai 2012, 12:03
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Entsprechendes Gesetz einstimmig angenommen

Tirana/Prishtina/Belgrad - Das albanische Parlament hat am Donnerstagnachmittag durch ein entsprechendes Gesetz die Grundlagen für Untersuchungen gelegt, die über illegalen Organhandel nach dem Kosovo-Krieg (1998-99) von Ermittlern der Europäischen Union geführt werden. Das Gesetz wurde im Parlament laut Medienberichten einstimmig unterstützt.

Das vom US-Juristen John Clint Williamson angeführte EU-Ermittlerteam soll die Angaben aus einem Bericht des früheren Europarats-Abgeordneten Dick Marty untersuchen. Dieser hatte Ende 2010 eine Gruppe Krimineller aus der zentralkosovarischen Region Drenica beschuldigt, Zivilisten Organe entnommen zu haben. Der Anführer dieser Gruppe sei der heutige kosovarische Ministerpräsident Hashim Thaci gewesen. Marty hatte den Regierungschef allerdings nicht direkt mit dem Organhandel in Verbindung gebracht, dafür aber einige seiner Mitarbeiter.

Kurz nach Kriegsende im Juni 1999 wurden im Kosovo Dutzende Serben und "nicht-loyale" Albaner entführt und nach Albanien gebracht, wo laut dem Bericht Martys illegale Organentnahmen praktiziert wurden. Das nun verabschiedete, albanische Gesetz ermöglicht den EU-Ermittlern, Untersuchungen in Albanien durchzuführen, Beweise zu sammeln und Zeugen vorzuladen. Sowohl die albanischen als auch die kosovarischen Behörden haben die Vorwürfe Martys wiederholt zurückgewiesen.

Marty soll als Zeuge der Anklage am 18. Juni in einem in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina (Pristina) wegen illegalen Organhandels laufenden Prozess angehört werden. Auf der Anklagebank befinden sich sieben Männer, vorwiegend Ärzte, denen illegaler Organhandel, Menschenhandel, Amtsmissbrauch, Organisierte Kriminalität und illegale Ausübung medizinischer Tätigkeit angelastet werden.

Der Anklageschrift zufolge rekrutierte die Privatklinik Medicus aus Prishtina in armen Gebieten Osteuropas und Zentralasiens Menschen, denen sie rund 15.000 Euro für ihre Organe bot, die sie anschließend für bis zu 100.000 Euro weiterverkaufte. Die Organspender sollen das versprochene Geld nie erhalten haben. Die Klinik wurde auch in dem Bericht Martys für den Europarat erwähnt. Der Fall soll aber nicht in direkter Verbindung mit dem Organhandel nach dem Kosovo-Krieg stehen. (APA)

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