Der "Holzweg", der zu einem Erlebnis wird

Die Erlebniswelt im niederösterreichischen Mendlingtal bringt ihren Besuchern in wildromantischer Umgebung eine frühere Arbeitswelt näher

Bis zum Bau der ersten Eisenbahnlinien in den 1840er-Jahren und später prägten riesige Holztriftanlagen die Flusstäler beiderseits der Donau. Holz war praktisch die einzige Energiequelle für die aufstrebende Industrie, aber auch für Ballungszentren. Transportmöglichkeiten für größere Mengen gab es nur zu Wasser, und da flussabwärts. Auf den größeren Gewässern wurde geflößt, auf kleineren getriftet. Fast überall sind die Relikte der Anlagen - wie Klausen, Staubecken etc. - zu sehen, trotzdem macht sich kaum jemand eine Vorstellung von den Strapazen und der Gefährlichkeit der Arbeit, welche die Holzknechte zu bestehen hatten. Das gewonnene Holz wurde dann in Kohlenmeilern zu Holzkohle verkohlt.

Im Mendlingtal bei Göstling an der Ybbs entstand nun vor wenigen Jahren eine Erlebniswelt, in der beispielsweise eine Klause mit Stausee, Mühlen und Hammerwerken nachgebildet wurde und ein echtes Bild von den damaligen Arbeitsverhältnissen zeichnet. Videodokumentationen ergänzen die naturgetreuen Exponate und machen die wenig anstrengende Wanderung tatsächlich zu einem Erlebnis.

Zweimal im Monat wird eine Schautrift veranstaltet, allerdings auf einem nicht gerade wilden Abschnitt des Mendlingbaches, was den Eindruck aber nicht schmälert. Zu einem weiteren Vorzug gehört der Umstand, dass man sich in einer wildromantischen Umgebung bewegt, in der es viel zu beobachten gibt: etwa die Gebirgsstelze oder die Wasseramsel - der einzige Vogel, der schwimmen, fliegen und unter Wasser laufen kann und obendrein nur in glasklaren Gewässern vorkommt. An den Fischteichen kann man Alpenlachse beobachten. Auch die Pflanzenwelt ist es wert, dass man ihr Beachtung schenkt.

Der "Holzweg" eignet sich natürlich auch für Kinder. Bei Regen kann es glitschig werden, bei Hochwasser ist die Route natürlich unpassierbar. Für Konditionsschwache besteht die Möglichkeit, beim Hammerherrenhaus ein Taxi für die Rückfahrt zu bestellen.

Die Route: Von Lassing steigt man auf gutem Fußweg in das Tal des Mendlingbaches ab und wandert über zahlreiche Holzstege und Holzbrücken durch das Tal. Nach der Kassa beginnt beim Schmiedegesellenhaus die Erlebniswelt. Vorbei am Hammerwerk und der Venezianischen Säge geht es durch ein Stück romantischer Au und durch die kleine Klamm zur Klause mit dem Stausee. Die Großegger-Quelle mit der Mühle und die Fischteiche sind die nächsten Stationen, ehe man den "Umkehrpunkt" bei der Jausenstation Hammerherrenhaus erreicht. Die Gehzeit beträgt etwa zwei Stunden, die gleiche Zeit braucht man für den Rückweg auf derselben Route. (Bernd Orfer, Album, DER STANDARD, 12.5.2012)

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