Afghane in Armeeuniform tötete ISAF-Soldaten

11. Mai 2012, 11:19
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Schon 20 ausländische Soldaten seit Jahresbeginn bei ähnlichen Vorfällen umgekommen

Kabul - Erneut hat ein Afghane in einer Armeeuniform einen Soldaten der NATO-geführten ISAF-Truppe erschossen. Die ISAF teilte mit, der Angreifer habe am Freitag im Osten Afghanistans das Feuer auf ausländische Soldaten eröffnet und dabei einen Soldaten getötet. Der Vorfall werde untersucht. Angaben zur Staatsangehörigkeit des Opfers oder zum Schicksal des Attentäters machte die Truppe nicht. Angriffe von afghanischen Sicherheitskräften auf ausländische Soldaten haben zugenommen. Der Angriff vom Freitag ist bereits der 15. Vorfall dieser Art seit Jahresbeginn. 20 ausländische Soldaten wurden dabei getötet.

Präsident Hamid Karzai hatte den USA am Montag damit gedroht, das bilaterale Abkommen über eine langfristige strategische Partnerschaft aufzukündigen. Dies werde dann der Fall sein, wenn die NATO nicht größere Anstrengungen unternehme, um die Tötung von afghanischen Zivilisten zu vermeiden. Die ISAF habe habe seit vergangenem Samstag in vier Provinzen mehrere Dutzende Zivilisten getötet, darunter Frauen und Kinder. Bei einem Sprengstoffanschlag in Ostafghanistan wurden am Montag drei ISAF-Soldaten getötet.

Die Gewalt in Afghanistan ist nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr um 40 Prozent gestiegen. Luftangriffe waren die Hauptursache für zivile Opfer seitens der internationalen Truppen. Die Tötung von Zivilisten führt immer wieder zu Streit mit der Regierung in Kabul. Nach Angaben eines UNO-Berichts wurden infolge der Gewalt zwischen Jänner und Juli 2011 landesweit über 130.000 Afghanen zum Verlassen ihrer Häuser und Wohnorte gezwungen. Zahlreiche Anschläge mit vielen Toten haben gezeigt, wie angespannt die Lage ist.

Belgien beginnt im September damit, die Zahl der in Afghanistan eingesetzten Soldaten zunächst um fast die Hälfte zu verringern. Der sozialistische Ministerpräsident Elio Di Rupo sagte am Donnerstag im Parlament in Brüssel, noch in diesem Jahr werde die Zahl der Soldaten um 42 Prozent von bisher 626 auf 360 sinken. Die NATO hatte 2010 beschlossen, dass der Abzug der internationalen Kampftruppen bis Ende 2014 beendet sein solle. Zuvor solle schrittweise die Sicherheitsverantwortung an Armee und Polizei Afghanistans übergeben werden. Frankreichs neu gewählter sozialistischer Staatspräsident Francois Hollande hat angekündigt, bis Jahresende alle französischen Soldaten aus Afghanistan heimzuholen. Der Abzug soll unmittelbar nach seinem Amtsantritt in der kommenden Woche beginnen.

Die Sorge der US-Regierung ist groß, dass nach Hollandes Schwenk weitere Truppensteller-Staaten die Pläne zur schrittweisen Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen über den Haufen werfen könnten. Kanada und die Niederlande hatten sich bereits zuvor aus dem Kampfeinsatz verabschiedet, auch Australiens Regierungschefin Julia Gillard erklärte, die Truppen ihres Landes früher abziehen zu wollen. (APA, 11.05.2012)

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