Massenhaftes Tiersterben an Perus Küste gibt Rätsel auf

11. Mai 2012, 11:30
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Tausende Pelikane und hunderte Delfine seit Anfang des Jahres verendet

Lima - Die Strände Perus füllen sich seit Februar mit Tierkadavern. Es sind Tausende, vor allem Delfine und Pelikane. Aber auch andere Seevögel, einige Seelöwen und Pinguine sind schon verendet. In der Bevölkerung des südamerikanischen Landes breitet sich Angst aus. Die Menschen gehen nicht mehr an die Strände und vermeiden es, Meeresprodukte zu essen. Anzeichen von einer Gefährdung für den Menschen gibt es bisher nach Angaben der Regierung nicht. Die Behörden haben jedoch bisher auch keine Erklärung für das Massensterben gefunden.

Untersuchungen haben bisher lediglich ergeben, dass die mindestens 5.000 Pelikane und weiteren Seevögel verhungert sind. Die Mägen der meist jungen Tiere waren mit Sand und Müll gefüllt. Dies ist nach Angaben von Experten ein Zeichen dafür, dass die Tiere verzweifelt nach Nahrung gesucht hätten. Bei den Delfinen ist die Todesursache noch unbekannt: Entkräftung ist es nicht, so viel ist klar.

Erwärmung der Küstengewässer

"Seit Februar beobachten wir eine Erwärmung der peruanischen Küstengewässer, und zwar als Zustrom äquatorialer Gewässer, wodurch sich das maritime Ökosystem verändert", erklärte die Ozeanographin Carmen Grados vom peruanischen Meeresinstitut (Imarpe). Das Phänomen werde bis Juni andauern. In dem warmen Wasser tauchen die Beutefische der Seevögel, vor allem Sardellen, in Schwärmen ab oder weichen in kältere Regionen aus. Für viele Pelikane werden sie so unerreichbar.

Wenn sich die Lage nicht ändert, könnten auch andere Spezies in Mitleidenschaft gezogen werden, vor allem Pinguine, von denen es in Peru noch über 11.000 gibt. Das wäre ein harter Schlag, denn ihr Bestand hat sich in der jüngsten Vergangenheit nach Angaben des Marinebiologen Yuri Hooker vergrößert.

Rund 1.000 Meeressäuger bereits verendet

Im Falle der Delfine herrscht Ratlosigkeit. "Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen", sagte die Biologin Elisa Goya vom Meeresinstitut der Zeitung "La Republica". "Es liege nicht am Fischfang durch den Menschen, denn die Tiere weisen keine Verletzungen auf." Auch eine Verseuchung des Wassers durch Pestizide oder Schwermetalle komme nicht infrage. Forscher gehen davon aus, dass bisher rund 1.000 der Meeressäuger verendet sind, während die peruanischen Behörden mehr als 800 gezählt haben.

Nach einer anderen Theorie könnte ein Verfahren, das Unternehmen für die Suche nach Ölvorkommen einsetzen, den Tod der Delfine verursacht haben. Diese sogenannte 3-D-Seismik verursache unter Wasser einen Höllenlärm, den die geräuschempfindlichen Tiere nicht aushalten, betonen Naturschützer. Eine solche Ursache schloss Vize-Umweltminister Gabriel Quijandria jedoch praktisch aus.

Folgen für Tourismus

Lokale Behörden haben der Bevölkerung inzwischen geraten, sich von den Stränden fernzuhalten und möglichst keinen Fisch zu essen - mit fatalen Folgen für den Tourismus. Quijandria dagegen beschwichtigt: "Mit den Fischen gibt es kein Problem. Eine Virusinfektion im Meer liegt nicht vor." Deshalb sei das Essen von Meerestieren sicher. Hunderte von Tierkörpern werden jeden Tag an den Stränden vom Norden des Landes bis zur Hauptstadt Lima eingesammelt und verbrannt. Es ist ein Jahr des Todes an der Küste Perus. (APA, 11.5.2012)

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    Seit Februar verenden massenweise Tiere an der Küste Perus.

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    Es sind vor allem Meeresvögel wie Pelikane betroffen.

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    Schätzungen zu Folge sind aber auch schon 1.000 Meeressäuger gestorben.

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