Neues Kapitel mit "historischer Bedeutung"

11. Mai 2012, 11:23
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Die Presse hat weltweit auf den Vorschlag Obamas reagiert

Das Plädoyer von US-Präsident Barack Obama für die Homosexuellen-Ehe habe "historische Bedeutung", meint die niederländische Zeitung "de Volksrant" am Freitag:

"Obamas Wahlhelfer werden durchgerechnet haben, wie seine Äußerung auf das Wahlverhalten wirkt. Wiegen die Homosexuellen-Wähler die sozial konservativen Wähler (auch die schwarzen) auf, die er nun gegen sich aufgebracht hat? Es zeugt in einem Wahljahr von viel politischem Mut, zu so einem kontroversen Thema Stellung zu nehmen. Vor allem in den sogenannten Swing States, wo Obama es im November gegen seinen Herausforderer Mit Romney schwer haben wird, ist das ein Wagnis. (...) Obama betonte, dass es um seine persönliche Meinung gehe. Hinzu kommt, dass die US-Regierung in dieser Sache nicht zu entscheiden hat: Die Zuständigkeit liegt bei den Bundesstaaten, von denen die Mehrheit die Homosexuellen-Ehe noch verbietet. Doch selbst wenn es nur eine symbolische Geste war, steht wohl fest, dass Obama mit seiner Äußerung ein neues Kapitel aufgeschlagen hat."

"Tages-Anzeiger" (Zürich):

"Einige Wählergruppen, insbesondere Senioren sowie Bürger ohne College-Abschluss, lehnen die Homosexuellen-Heirat vehement ab. Dass die Wähler des Staats North Carolina soeben in einem Referendum die Homosexuellen-Ehe verdammten und per Staatsverfassung verbieten wollen, ist geradeso eine Warnung wie der starke Widerstand gegen die Homosexuellen-Ehe bei Latinos und Schwarzen. Fallen nur geringe Prozente in beiden Minderheiten vom Präsidenten ab, wird er die Herbstwahl wahrscheinlich verlieren. Zwar werden Afroamerikaner kaum einem afroamerikanischen Präsidenten der Homosexuellen-Ehe wegen die Gefolgschaft versagen, von hispanischen Wählern aber könnte Obama echte Gefahr drohen."

"The Independent" (London):

"Indem er das getan hat, hat er sich in der kontroverstesten sozialen Frage Amerikas auf der richtigen Seite platziert, und sich auf die richtige Seite der Geschichte gestellt. Man kann nur hoffen, dass Premierminister David Cameron genauso mutig sein wird. (...) Die politische Wirkung seiner Aussagen ist schwer vorherzusagen. Sein Standpunkt könnte seine Unterstützung von Schwarzen und Latinos schwächen, und wird zweifellos der republikanischen Basis Energie geben. Aber die Wirtschaft bleibt das Schlüsselthema, und die Wahl wird nicht von der Frage nach der Homosexuellen-Ehe abhängen. Derweil wird die Zeit dieses Problem sowohl in den USA als auch bei uns vielleicht irrelevant werden lassen. Junge Wähler sehen die Homosexuellen-Ehe mehr und mehr als natürlich und akzeptabel an und werden sich in ein paar Jahrzehnten wundern, warum darum so ein Aufhebens gemacht wurde."

"El Pais" (Madrid):

"Obama geht ein Risiko ein, wenn er sich im Wahlkampf auf ein so umstrittenes Thema einlässt. Aber er weiß, dass die öffentliche Meinung in den USA sich rascher gewandelt hat als erwartet. 2005 war die große Mehrheit gegen Eheschließungen von gleichgeschlechtlichen Partnern, 2012 sind die Befürworter in der Mehrheit, vor allem bei jungen Leuten und Frauen.

Obamas Haltung hat nichts mit Naivität zu tun. Er greift in einem - auf die Wirtschaft konzentrierten - Wahlkampf ein Thema auf, das an den historischen Kampf für die Bürgerrechte anknüpft. Damit mobilisiert er keine Massen, aber er spricht einflussreiche Minderheiten an. Dazu gehören auch Leute, die Gelder zur Finanzierung des Wahlkampfs aufbringen."

"Der Tagesspiegel" (Berlin):

"Obamas Parteinahme für die Homosexuellen-Ehe ist riskant, aber folgerichtig. Riskant, weil diese Frage die USA spaltet und starke Gefühle weckt. Sie mobilisiert nicht etwa nur Schwule und Lesben, die um gleichberechtigte Anerkennung ihrer Lebensweise kämpfen. Sie treibt auch die Gegner in Massen an die Wahlurnen. Folgerichtig ist sein Schritt, weil viele Amerikaner ihre Meinung allmählich ändern. Die klare Ablehnungsmehrheit schrumpft. Seit etwa einem Jahr zeichnet sich in manchen Umfragen eine hauchdünne Mehrheit für die Homosexuellen-Ehe ab. Es war klug, dass Obama sich selbst und seinem Volk Zeit gelassen hat für eine langsame Meinungsbildung." (APA, 11.5.2012)

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