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Mit speziellen Tests werden die diversen Schäden nach einem Schlaganfall festgestellt.
Nur 60 Minuten können über die Zukunft entscheiden. Können ausschlaggebend dafür sein, ob Menschen für den Rest ihres Lebens weiterhin Sprechen können. 55 Menschen pro Tag erleiden in Österreich einen Schlaganfall. Ob sie danach wieder allein aus dem Bett steigen, weiterhin mit Messer und Gabel essen können, entscheidet sich in der " golden hour" - jener Zeitspanne, in der durch zielgerichtete Behandlung Folgeschäden vermindert werden können und die Weichen für die weitere Lebensqualitat gestellt werden.
Zugegeben, die eine Stunde ist eng anberaumt. Dank neuartiger Medikamente und moderner bildgebender Verfahren besteht die Chance, auch nach mehr als vier Stunden einen Gehirnschlag ohne schwerwiegende mentale oder motorische Einbußen zu überstehen, wie Wilfried Lang, Leiter der Neurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfallforschung (ÖGSF), erklärt. Dennoch bestätigt er, dass im Mittel nur etwa die Hälfte der Betroffenen den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt. Für die anderen beginnt nach der Akutversorgung in einer Stroke-Unit (siehe Wissen die Zeit des Übens und Wiederlernens, die sich je nach Schwere des Anfalls und Funktionsausfall des betroffenen Hirnareals über Wochen und Monate bis Jahre hinziehen kann.
"Schlaganfälle sind in den Industrienationen nach wie vor die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen, für Jobverlust und sozialen Rückzug" , stellt Andreas Winkler, Ärztlicher Direktor der Klinik Pirawarth fest. Pirawarth gehört zu den Reha-Zentren, in denen Schlaganfallpatienten ihre verlorengegangenen Fähigkeiten neu trainieren. Es ist ein hartes Programm, das den Betroffenen bevorsteht. Geht es doch auch darum, das eigene Gehirn auszutricksen. In den letzten Jahren hatten Neurologen nämlich eine erstaunliche Erkenntnis: Das Gehirn tendiert dazu, im " Katastrophenfall" über das Ziel hinauszuschießen. Tatsächlich beginnt die gesunde Hirnhälfte nach einem Schlaganfall, die kranken Areale zu hemmen. Seit einigen Jahren weiß man, dass dieses "Bedürfnis", einzuspringen, für die Genesung hinderlich sein kann.
Ziel der Rehabilitation
"Die Hemmung macht bei Gesunden durchaus Sinn: Schließlich will niemand, dass die linke Hand der rechten das Messer wegnimmt, das diese gerade aufgenommen hat", so Winkler. Also vermittelt das Gehirn der Linken, diese Bewegung zurückzuhalten. Doch für Schlaganfallpatienten wird genau dies zu einer Zwickmühle: "Sie beginnen alle Handlungen auf die noch funktionsfähige Seite zu verlagern, mit dem Ergebnis, dass die kranke Seite ihre Aufgaben immer weiter verliert", erklärt Winkler. In der Praxis trainieren Physiotherapeuten daher mit ihren Patienten über Wochen und Monate, gerade ihre unbeweglichen Arme und Beine wieder zu bewegen. Tatsächlich kann man im Hirnscan beobachten, wie sich die Nervenzellen in den zerstörten Regionen beginnen, neu zu vernetzen.
"Man kann dem Hirn allerdings auch Impulse geben, um bestimmte Hirnregionen zu aktivieren oder eben zu hemmen und den Patienten das Lernen so zu erleichtern", meint der Direktor der Klinik für Neurologie an der Uni-Klinik Köln, Gereon Fink. Neuromodulation nennt man das Verfahren im Fachjargon. Die Impulse, von denen Fink spricht, kommen von außen und sind elektrischer oder magnetischer Natur. Ihnen gehorchen die elektrischen Signale, mit denen das Gehirn Informationen weiterleitet und in Form von chemischen Botenstoffen schließlich an andere Nervenzellen überträgt. Im Rahmen einer klinischen Studie konnten die Kölner etwa zeigen, dass eine Transkranielle Magnetstimulation den hemmenden Effekt der gesunden Hirnhälfte bei Schlaganfallpatienten aufheben kann. "Wir beobachten die Patienten jetzt seit zwei Jahren und stellen fest, dass die erkrankte Hirnhälfte sich besser vernetzt und ihre Aufgaben schneller wieder übernimmt", so Fink.
Gemeinsam mit Kollegen aus Jülich arbeiten die Kölner Neurologen noch an einem weiteren Verfahren. Die sogenannte Gleichstromapplikation soll die Patienten direkt während des Lernens unterstützen. Lernen wird vor allem vom Neurobotenstoff Glutamat vermittelt, dessen Gegenspieler GABA hingegen verzörgert die Informationsaufnahme. Bringt man nun eine Elektrode in der Nähe des Bewegungszentrums an und eine weitere an der Stirn und lässt für 20 Minuten Strom fließen, nimmt die GABA-Aktivität ab, während Glutamat zunimmt. "Dadurch steigt die Bereitschaft des Gehirns, neue Inhalte aufzunehmen", so Peter Weiss-Blankenhorn vom Forschungszentrum Jülich.
Der Wiener Schlaganfallexperte Lang steht den neuen Verfahren wohlwollend skeptisch gegenüber. "Dass man das Gehirn mit Impulsen modulieren kann, steht außer Frage. Wie groß der Nutzen ist, muss sich erst noch zeigen", sagt er. Andreas Winkler von der Reha-Klinik Pirawarth sieht ein anderes Problem: "Die Chance, Sprechen, Gehen oder Bewegungen wieder zu erlernen, hängt vor allem vom frühen Beginn einer Therapie und den intensiven Wiederholungen ab. Fakt ist, dass in Österreich gerade die Schwerstkranken über Monate auf einen Therapieplatz warten müssen", so Winkler. Was Östereich vor allem benötige, sei mehr Personal, um eine optimale Versorgung sicherzustellen. (Edda Grabar, DER STANDARD, 14.5.2012)
Wissen
Stroke Units
Schnelle und fachgerechte Behandlung ist das Wichtigste bei einem Schlaganfall. Auf Stroke-Units (engl. für Schlaganfall-Einheit) sind Know-how und Technik gebündelt. Dort arbeitet ein Team aus Neurologen, Internisten, Neuroradiologen und Pflegekräften zusammen. Sie sammeln Daten und Informationen. Alle dringend gebrauchten Gerätschaften von der Angiografie (Darstellung der Gefäße) über EKG bis hin zur Computertomografie sind verfügbar, auch alle lebenswichtigen Körperfunktionen können in Stroke-Units permanent überwacht werden. Im optimalen Fall wird direkt nach der Therapie mit der Frührehabilitation begonnen. Dabei sollte ein Team aus Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden die Patienten unterstützen. (eg)
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schafft es nicht, die unumstritten frühest notwendige Neuro-Reha nach der Akutversorgung nahtlos anzuhängen. Dass das im Effekt vermutlich noch teurer ist, als die Therapieplätze aufzustocken, sollte mal sauber evaluiert werden. Frau Claudia Wild (LBI für Health Technology Assessment), übernehmen Sie!
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