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vergrößern 600x818An Lehman Brothers kommt trotzdem niemand ran: Eine Übersicht über Verluste durch Fehlspekulationen.
New York - Die Zockerei der US-Bank JPMorgan hat am Freitag die Stimmung der europäischen Anleger getrübt. Vor allem Bankenwerte stießen die Investoren aus ihren Depots ab. Die Wiener Bankenwerte standen zum Wochenschluss unter Druck. Die schwergewichtige Erste-Group-Aktie notierte gegen Mittag mit 16,085 Euro um 1,95 Prozent tiefer, das Raiffeisen-Papier verbuchte ein Minus von 0,94 Prozent auf 25,26 Euro. Zum Vergleich: Der heimische Leitindex ATX lag zu diesem Zeitpunkt etwa 0,72 Prozent im roten Bereich.
Die US-Großbank JPMorgan hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, wegen einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie zwei Mrd. Dollar (1,54 Mrd. Euro) verloren zu haben. Bei Bekanntwerden des Verlustes hatten die Papiere von JPMorgan nachbörslich fast sieben Prozent eingebüßt. In ganz Europa gerieten Finanzwerte in den Sog von JPMorgan, der europäische Bankenindex fiel um zwei Prozent. Auch der Dax lag am Vormittag weitgehend unverändert bei 6.520 Punkten, zeitweise war er um rund 0,8 Prozent abgerutscht. Der Markt reagierte laut Händlern positiv auf Meldungen, wonach die griechischen Konservativen bereit sind, an einer Koalitionsregierung teilzunehmen.
"Die Befürchtung ist, dass andere Banken auch noch Leichen im Keller haben", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Lex van Dam, Hedgefonds-Manager bei Hampstead Capital, äußerte sich ähnlich: "Dass nicht einmal JPMorgan in der Lage ist, seine Händler zu kontrollieren, heißt, dass es mehr Regulierung und weniger Gewinne geben wird."
Zwei Milliarden Dollar verloren
Die größte US-Bank JPMorgan Chase hat sich kräftig verspekuliert. Sie setzte mit einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie rund zwei Milliarden Dollar (1,54 Milliarden Euro) in den Sand. Anders als beim Desaster der UBS im vergangenen Herbst wird aber nicht von Anfang an ein einzelner Banker beschuldigt.
JPMorgan-Chef Jamie Dimon sah sich am späten Donnerstag (Ortszeit) gezwungen, persönlich die Anleger und Analysten zu informieren. Das Desaster sei selbst verschuldet, sagte er in einer eilig anberaumten Telefonkonferenz.
Er sprach von "ungeheuerlichen Fehlern", Schlampereien und falschen Entscheidungen. Derzeit werde untersucht, wie es genau dazu kommen konnte. Die Prinzipien seines Hauses seien verletzt worden. "Das ist nicht die Art, wie wir unser Geschäft betreiben wollen", erklärte Dimon.
Die Fehler seien umso peinlicher angesichts der Tatsache, dass sich das Management stets gegen eine strengere Regulierung der Banken im Rahmen der "Volcker Rule" ausgesprochen habe, räumte Dimon ein. "Das lässt uns ziemlich dumm dastehen."
"Dieser Handel hat nicht die Volcker Rule verletzt, aber das Dimon-Prinzip", sagte der Bankchef. Jamie Dimon ist einer der lautesten Kritiker einer starken Bankenregulierung. Das konnte er sich leisten, weil er sein Haus beinahe ohne Blessuren durch die Finanzkrise gesteuert hatte.
"Es kann noch schlimmer werden"
Konkret habe es im synthetischen Kreditportfolio im Bereich Chief Investments seit Ende März "signifikante Buchverluste" gegeben. Der Bereich ist nach Angaben von JPMorgan der Arm der Bank, der genutzt wird, um Wetten einzugehen, die Beteiligungen an individuellen Beständen absichern sollen, etwa Kredite an Firmen mit einer schlechten Bewertung bei einer Ratingagentur.
"Wir werden das lösen", versicherte Dimon. Er lehnte es mehrfach ab, die Details der problematischen Finanzwetten offenzulegen. Der Bankchef musste aber einräumen: "Es kann noch schlimmer werden." Denn die Finanzwetten laufen weiter.
Die Bank will nicht überhastet aus den Geschäften aussteigen und damit noch größere Verluste riskieren. Für die verantwortliche Sparte der Bank sagte Dimon einen Verlust von 800 Mio. Dollar im laufenden Quartal voraus.
Schock für die Börse
Derartige Fehlschläge sind die Börsianer von JPMorgan Chase nicht gewohnt. Die New Yorker Bank ist das bestverdienende Kreditinstitut der Vereinigten Staaten und war fast ohne Blessuren durch die Finanzkrise gesteuert. Im ersten Quartal lag der Reingewinn bei 5,4 Milliarden Dollar.
Die Börsianer reagierten daher auch geschockt. Die JPMorgan-Aktie verlor nachbörslich fast sieben Prozent und zog auch andere Bankentitel mit in den Keller. Die Anteilsscheine von Citigroup tendierten im elektronischen Handel gut zwei Prozent schwächer, Bank of America gaben 1,7 Prozent nach.
Der Fall bei JPMorgan erinnert an den riesigen Handelsverlust bei der UBS im vergangenen Herbst: Durch verbotene Spekulationsgeschäfte eines Händlers in London gingen rund 2,3 Milliarden Dollar verloren. Der Mann muss sich inzwischen vor Gericht verantworten. Wegen der Affäre trat Oswald Grübel kurzum als Konzernchef zurück und wurde von Sergio Ermotti abgelöst.
Déjà-vu
Für Bankenkritiker wie den demokratischen US-Senator Carl Levin war der Milliardenverlust eine Steilvorlage: Dies sei eine "starke Erinnerung" daran, dass eine strenge Bankenregulierung nötig sei, erklärte Levin noch am Abend. Er hatte eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung der Finanzkrise im US-Kongress gespielt. Es müsse sichergestellt werden, dass der Steuerzahler nicht mehr "für derart risikoreiche Wetten geradestehen muss", forderte Levin.
Bereits vor ein paar Wochen war Kritik an den Spekulationen von JPMorgan Chase hochgekocht. Die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg und das "Wall Street Journal" hatten berichtet, dass ein Londoner Händler der Bank derart große Geschäfte tätige, dass der ganze Markt davon bewegt würde. Der Händler bekam den Spitznamen "Wal von London" verpasst. Bankchef Dimon hatte damals von einem "Sturm im Wasserglas" gesprochen. (APA/Reuters, 11.5.2012)
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Wegen 2 Mrd. $ wird hier ein ganzer Artikel verbraten? Ich glaub ich seh schlecht. JPM und Konsorten haben in den letzten 4 Jahren ein paar Dutzend Billionen verzockt. JPM ist außerdem maßgeblich an jeder Börsenmanipulation seit 1907 mitbeteiligt. Insiderhandel und Manipulationen an den Rohstoffbörsen in Billionenhöhe (Silber) sind an der Tagesordnung. Darüber wird von den gleichgeschaltenen Presstituierten nie ein Wort verloren. Kein Wunder, gehören die meisten davon über sieben Ecken ja auch (nicht ausschließlich) diesem Unternehmen.
2 Mrd Dollar Verlust von JPMorgan zeigen 2 Mrd mal, daß Investmentbanken, sonstige Finanzmarktteilnehmer und Politiker lernunfähig sind und daher Null aus der letzten Finanzmarktkrise gelernt haben.
Das weiss eigentlich eh schon jeder, es ist nur ziemlich besorgniserregend, daß es a) für Banken noch immer so leicht möglich ist, Geld zu zocken und natürlich dann auch zu "ver"zocken und b) daß man 2 Milliarden Dollar in einem doch vergleichsweise ruhigen Markt anbauen kann, das heisst bei nächsten grösseren Finanzmarktturbulenzen gehen dann die 15Milliarden+ Verluste wieder los und Banken müssen gerettet werden.
Unterm Strich also, Banker und Politiker haben Null aus letzter Krise gelernt und so gibts bald wiedereinmal eine ähnliche Krise
Man kann es schon nicht mehr lesen was diese Bank-Unmenschen wieder für ein schleimiges Gezocke an den Tag legen. Hoffentlich muss nicht wieder der Steuerzahler den Kopf hinhalten und hoffentlich trifft es die Zocker mal so richtig heftig!
eigentlich sollte ja der finanzsektor uns menschen und die wirtschaft unterstützen. momentan ist es aber so dass es umgekehrt ist. der völlig aufgeblasene finanzapperat verschlingt milliarden an werten die dann beim volk und in der realwirtschaft abgehen. es wird zeit dass wir uns endlich von diesem schmarotzenden klotz entledigen und stattdessen öffentliche gemeinwohlbanken installieren die als ziel das wohlergehen der mehrheit haben und nicht das wohlergehen einer kleinen minderheit an superreichen.
mir wäre eine friedliche gewaltfreie lösung lieber... sollte doch in einer demokratie möglich sein? bleibt zu bewerten inwieweit wir noch eine demokratie haben in der der wille der mehrheit umgesetzt wird. falls wir in keiner demokratie leben sollten, müssen die von ihnen vorgeschlagenen möglichkeiten leider auch überlegt werden.
Man bedenke keinen Cent hat dieser Verlust den Steuerzahler gekostet. Und schon gar nicht den Österreichischen. Uns plagt nach wie vor die Communalkredit, die HypoAlpeAdria und die Voksbank. Die kosten uns sehr, sehr viel Geld und es hat noch lange kein Ende.
Wir müssen mehr sparen. Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Die fetten Jahre sind vorbei. Wir haben über unseren Verhältnissen gelebt. Arbeitslose sind nur faul.
Ich kann das alles nicht mehr hören. Sollte sich irgendwann ein "Investmentbanker" in meine Gasse verirren, gibt es heiße Ohrwaschel. Mindestens.
Der moderne Konzernfaschismus von heute demonstriert jeden Tag aufs Neue wem die Volksverräter dienen.
Witzig finde ich das Obama doch vor kurzem posaunt hat, das Europa so wie die USA agieren sollten.
Tja, mehr Dollars drucken, bis in die Unendlichkeit!
"Er sprach von 'ungeheuerlichen Fehlern', Schlampereien und falschen Entscheidungen. Derzeit werde untersucht, wie es genau dazu kommen konnte. "
aja… da wird mit mrd-beträgen hantiert und das controlling ist so schlecht, dass man erst im nachhinein untersuchen muss, was da jetzt genau schief gegangen ist?
you gotta be kidding me…
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