Zwei afghanische Journalisten wegen Beleidigung des Islam verhaftet

20. Juni 2003, 13:30
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Internationale Verbände rufen Präsident Karzai zur Freilassung der Redakteure auf

Die Verhaftung von zwei afghanischen Zeitungsredakteuren wegen Beleidigung des Islam ist von internationalen Journalistenverbänden scharf kritisiert worden. In einem offenen Brief an den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai forderten das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) und die Organisation Reporter ohne Grenzen am Freitag die Freilassung der beiden Journalisten. Der Chefredakteur der Wochenzeitung "Aftab", Sajed Madaui, und sein Stellvertreter Ali Risa Pajam waren diese Woche festgenommen worden.

Islam "beleidigt"

Die beiden Journalisten werden beschuldigt, mit einem Artikel vom 11. Juni gegen ein Pressegesetz verstoßen zu haben, das Veröffentlichungen verbietet, die den Islam beleidigen. In dem umstrittenen Text kritisierten die beiden Redakteure aber in erster Linie afghanische Politiker. Unter dem Titel "Heiliger Faschismus" warfen die Journalisten mehreren Führern der Nordallianz vor, vom rechten Weg der Religion abzuweichen. Dieser Vorwurf richtete sich unter anderem gegen den derzeitigen Vizepräsidenten Abdul Karim Chalili und den früheren Staatschef Burhanuddin Rabbani.

"Bedauerlich und Besorgnis erregend"

"Reporter ohne Grenzen" bezeichnete die Verhaftung der Journalisten in dem Brief an Karzai als "bedauerlich und Besorgnis erregend für die Zukunft der Meinungsfreiheit in Afghanistan". Nach Angaben des CPJ sehen sich Mitarbeiter afghanischer Medien in den vergangenen Monaten immer häufiger Drohungen und Angriffen ausgesetzt. Mahdaui habe bereits vor seiner Verhaftung Todesdrohungen erhalten. In seiner im März veröffentlichten Liste der für Journalisten gefährlichsten Länder führt das CPJ Afghanistan an vierter Stelle auf. (APA/AP)

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