Der Erfolg im Scheitern

22. Juni 2003, 22:40
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Lennox Lewis besiegte Herausforderer Witali Klitschko dank Abbruch in der sechsten Runde - Lewis würde sich über Re-Match freuen

Los Angeles - Endlich ein Boxkampf, in dem auch ordentlich geprügelt wurde. Am Beginn der siebten Runde der schwer wiegenden Auseinandersetzung beendete der Ringarzt Paul Wallace durch seine Erklärung den Kampf. Witali Klitschko (1,4 Millionen Dollar) hatte ein zu tiefes Cut im linken Augenlid, er führte nach Punkten (58:56). Wallace befand Klitschko für kampfuntauglich. Ein nicht nur für den Ukrainer überraschender Befund. Lennox Lewis (37/5 Millionen Dollar) blieb Weltmeister der IBO und WBC, Klitschko (31), den sie vor dem Kampf in den USA für ein europäisches Weichei hielten, wird einen Rückkampf in den USA bekommen. Paul Wallace: "Ich habe ihn gebeten, mir ins Gesicht zu sehen, aber er schaute an mir vorbei, weil das herunterhängende Lid sein Gesichtsfeld erheblich einschränkte. Er hätte keinem Schlag von Lewis mehr ausweichen können."

"Bullshit, Bullshit" schrieen die Zuschauer im beinahe ausverkauften Staples Center, Klitschko ließ sich an allen vier Ecken des Ringes als moralischer Sieger feiern. Immer wieder hämmerte er die Faust auf sein Herz, stieß die Arme gen Himmel und schrie mit weit aufgerissenen Augen seine Wut heraus. "Ich habe keine Ahnung, warum der Kampf abgebrochen wurde. Ich konnte klar sehen und hatte keinerlei Probleme. Wenn der Arzt mich nicht stoppt, gewinne ich den Fight." Coach Fritz Sdunek brachte es auf einen populären Nenner: "Wir wurden beschissen."

Lewis reagierte eher indigniert. "Ich bin enttäuscht, dass er behauptet, das Cut sei von einem Kopfstoß von mir. Er hat fünf separate Cuts im Gesicht, das kommt nicht von einem Kopfstoß." Auf die Frage nach einer Revanche antwortete er: "Wenn das Geld stimmt, warum nicht?"

Von Beginn an hatte Witali Klitschko (2,02 m, 112 kg) den Vorwärtsgang eingelegt, ließ den zunächst verhalten wirkenden Lewis Ende der zweiten Runde nach drei krachenden Rechten durch den Ring torkeln. Wahrscheinlich resultierte die Verletzung aus einem rechten Wischer von Lewis, der von oben herab kam und Klitschko am Auge traf. Lewis (1,96 m, 115 kg) kündigte noch vorsorglich an, im Retourkampf Klitschko "die andere Gesichtshälfte" zu zertrümmern. Mit seiner Einschätzung des Kampfes ("ich habe drei der sechs Runden gewonnen und bekam gerade meinen zweiten Wind") stand Lewis allerdings ziemlich alleine da. Zwar bot er Klitschko einen offenen Schlagabtausch, doch bis auf zwei Aufwärtshaken gehörten die Highlights seinem Gegner. "Die Schläge habe ich gut weggesteckt und damit meinen Charakter bewiesen", sagte Klitschko: "Die Spekulationen um meinen Mut und mein Durchhaltevermögen sollten damit ein für alle Mal beendet sein." (sid, red, DER STANDARD, Printausgabe, 23.06.2003)

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    Titelverteidiger Lewis im Vorwärtsgang

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    Lennox Lewis mit den Insignien des Weltmeisters

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    Der Herausforderer, schwer gezeichnet

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    Laila Ali (re) verteidigte im Vorkampf ihre drei Titel (IBA, IWBF und WIBA) im Supermittelgewicht der Frauen souverän. Die 25-Jährige gewann gegen Valerie Mahfood durch technisches K.o. in der sechsten Runde. Der 15. Sieg im 15. Antreten.

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