US-Physiker rekonstruierten kosmische Ursuppe

21. Juni 2003, 12:00
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Mit der Beschleunigung von Goldatomen haben Wissenschafter den Zustand vor dreizehn Milliarden Jahren simuliert

Upton - Mit der Beschleunigung von Goldatomen haben amerikanische Physiker die kosmische Ursuppe rekonstruiert, aus der vor 13 Milliarden Jahren das Universum entstand. "Die Materie, die wir geschaffen haben, hat Eigenschaften, die nie zuvor beobachtet wurden", sagte William Zajc von der Columbia University am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts am Brookhaven National Laboratory in Upton bei New York.

Fast mit Lichtgeschwindigkeit

Die Physiker beschleunigten Goldatome so sehr, dass sie nahezu Lichtgeschwindigkeit erreichten, und ließen sie miteinander kollidieren. Dabei entstanden für kurze Zeit Temperaturen von einer Billion Grad und physikalische Zustände, die dem Quark-Gluon-Plasma ähneln: Diese kosmische Ursuppe aus den subatomaren Elementarteilchen der Quarks und ihren Klebeteilchen, den Gluonen, entstand nach der Theorie zur Entstehung des Universums wenige Milliardstel Sekunden nach einem Urknall.

Im Bruchteil einer Sekunde verbanden sich dann die freien Quarks zu größeren Partikeln, den Kernbausteinen der Protonen und Neutronen. Das Universum mit der Erde, dem Sonnensystem und den anderen Sternen entstand dann während einer kontinuierlichen Abkühlung.

Aufhebung aller atomaren Bindungen unklar

Seit 1994 versuchen Teilchenphysiker, diesen Prozess der Entstehung des Universums umzukehren. Vor drei Jahren erklärten Physiker am Europäischen Laboratorium für Teilchenforschung (CERN) in Genf, sie hätten nach der Beschleunigung von Bleiatomen ein Quark-Gluonen-Plasma erzeugt. Andere Physiker wiesen die Ergebnisse aber als nicht überzeugend genug zurück.

Bei dem Experiment im Teilchenbeschleuniger RHIC in Brookhaven sei eine zehn Mal so hohe Energie zum Einsatz gekommen wie beim CERN, erklärte der Physiker John Harris von der Yale-Universität. "Bei dieser höchsten Form von Energie sehen wir Merkmale, die sehr denen ähneln, welche wir erwartet haben." Ob die Quarks aber tatsächlich von allen atomaren Bindungen befreit wurden, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, erklärte Peter Jacobs vom Lawrence Berkeley National Laboratory. (APA/AP)

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    Teilchenbeschleuniger des CERN, European Council for Nuclear Research in Genf

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