Obama gewinnt Vorwahl gegen Erpresser nur knapp

11. Mai 2012, 00:13

West Virginia: Häftling Keith Judd sitzt siebzehneinhalbjährige Freiheitsstrafe wegen Erpressung ab und erreicht 41 Prozent der Stimmen

Washington - Ausgerechnet ein Häftling hat US-Präsident Barack Obama bei der jüngsten Vorwahl der Demokraten im Bundesstaat West Virginia Konkurrenz gemacht. Nach Medienberichten vom Donnerstag kam Keith Judd, der in einem texanischen Gefängnis eine siebzehneinhalbjährige Freiheitsstrafe wegen Erpressung absitzt, auf 41 Prozent der Stimmen und schlug seinen prominenten Mitbewerber sogar in neun der 55 Bezirke des Staates. Insgesamt heimste der 53 Jahre alte Judd den Berichten zufolge etwa 72.000 Stimmen ein, Obama 106.000.

Demokraten verwiesen darauf, dass Obama seit jeher in West Virginia unpopulär gewesen sei. So hatte er tatsächlich 2008 auch das demokratische Rennen um die Präsidentschaftskandidatur klar gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton verloren.

Ungeliebter Umweltschutz

Danach habe er viele Menschen in dem Staat der Kohlezechen mit Umweltschutzauflagen verprellt, die Förder-Genehmigungen für die Industrie verzögert hätten, merkte die "Washington Post" an. Sowohl Gouverneur Earl Tomblin als auch Senator Joe Manchin, beide Demokraten, lägen mit Obama deswegen im Clinch und hätten sich bisher nicht auf eine Unterstützung für ihn im Wahlkampf festgelegt. Entsprechend wenig lasse sich Obama auch in dem Staat blicken.

Nach Angaben der Zeitung äußerten in einer jüngsten Gallup-Umfrage in West Virginia nur 32,7 Prozent Zustimmung zu Obama. Nach einer anderen Erhebung würde Obamas designierter republikanischer Herausforderer Mitt Romney den Demokraten mit einem Vorsprung von 17 Prozentpunkten schlagen, wenn jetzt die Präsidentenwahlen abgehalten würden.

Die "Washington Times" wertete das gute Abschneiden des Gefangenen Judd insgesamt als Zeichen dafür, dass sich Obama auf einem absteigenden Ast befinde. Das konservative Blatt zitierte Joe Pounder, Mitglied des republikanischen Parteivorstands, mit den Worten: "Wie unpopulär muss jemand sein, damit so etwas passiert?"

Es ist praktisch das erste Mal, dass von den demokratischen Vorwahlen überhaupt Notiz genommen wird. Während Obama insgesamt praktisch unangefochten ist, musste sich Romney auf der republikanischen Seite seine Spitzenkandidatur erkämpfen. (APA, 10.5.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
1 2

Was ist das für ein komisches Wahlrecht, das Gefängnisinsassen das passive Wahlrecht gibt. Was bringt's, die Wahl zu gewinnen, aber dann doch im Jumpass bleiben zu müssen?

Vielleicht geht man dann frei.

"... Keith Judd, Erpresser."

... die eigentliche Frage lautet ja - in Anlehnung an das kuriose Profilfoto von Mr. Judd, aber auch wie dazumal bei jenen abgelichteten anarchistischen Dilettanten, die eine Brücke im Nationalpark sprengen wollten (derstandard / APA berichtete): Wie stellen diese Polizeifotografen das eigentlich an ihre "Aktmodelle" stets von ihrer verkehrten, obskuren Schokoladenseite zu fotografieren?! Das ist wahrlich eine Kunst :)

Klassische Protestwahl, aber mit Beigeschmack

Judd ist ein Gerichtsquerulant, der offiziell wegen Erpressung verurteilt wurde, nachdem er massenhaft offensichtlich unbegründete Prozesse gestartet hatte. Er kandidiert seit Jahren aus dem Gefängnis für alle möglichen Ämter, ist dabei aber nicht sehr bekannt geworden. Die meisten Leute werden ihn gewählt haben, weil er nicht Obama ist, evt. ohne zu wissen, dass er in Haft ist.

Der Beigeschmack: In West Virginia kann sich jeder außer Mitgliedern einer gegnerischen Partei bei einer der Parteien registrieren lassen und dann bei den Vorwahlen mit abstimmen. Nach aktuellem Stand haben 133.591 bei den Demokraten gestimmt und nur 84.263 bei den Republikanern, wo es wirklich mehrere ernsthafte Kandidaten gab.

Zur Klarstellung, falls es nicht jeder verstanden hat: Bei den Vorwahlen war es möglich, sich aus strategischen Gründen bei den Demokraten registrieren zu lassen und dort gegen Obama zu stimmen, auch wenn man bei den eigentlichen Wahlen republikanisch wählen wird.

Das Wahlsystem in den USA kommt mir nach wie vor größtenteils grotesk vor. Ich hoffe nur, die wählen keinen Wahnsinnigen an die Macht. Davon gibts bei den Republikanern ja leider mehr als genug.

Bei uns kann ja Strache aufgrund seiner exzellent geschulten Rhetorik auch wesentlich besser potenzielle Wähler mobilisieren als die anderen.

Das klassische demokratische Dilemma. Es steht den Leuten frei, ob sie wählen oder nicht - und wer nicht wählt unterstützt mit seiner Stimme den Stimmenstärksten. Auch die Wahl eines solchen Kandidaten ist ein demokratisches Recht.

Belanglos

West Virginia ist ein winziger Bundesstaat mit einer Bevölkerung von etwa Wien, also weniger als 2 Millionen. Nothing more than a dog and pony show!

das letzte gstanzl des artikels ...

zeigt auch, warum diese Meldung in allen Medien ist, bzw. warum sich gerade so konservative Gop Blätter wie die Washington post sich darauf stürzen ...

Ansonsten ist Obama viel weniger umstritten als Romney bei den Reps, also ist weder Panik angebracht noch sollte man sich von diesem medialen Ablenkungsmanöver beeindrucken lassen.

war's eine offene vorwahl? wenn ja, waren das dann wohl eher republikaner, die so gestimmt haben.

semi - open...

heißt: ich kann nur bei einer partei die stimme abgeben, aber ich muss nicht parteimitglied sein. nachdem bei der gop nur mehr rmoney im rennen ist, konnte die gop das quasi deichseln. kurz: null aussage.

Die haben ja auch extra einen Verbrecher ausgesucht.

Um die Demokraten in den Dreck zu ziehen.
Und das ist in Amerika besonders schlimm.

INFOS BITTE!

Weiss irgendjemand hier wen der wieso erpresst hat und warum Leute ihn gewählt haben? Ist/war der irgendwie politisch aktiv oder wie is das?

wer die bevölkerung eines landes, das 1/4 der weltressourcen verbraucht (gedächtnis laß nach), vorsätzlich in unwissenheit belässt, darf sich über die auswirkungen nicht wundern, wenn der brave wähler nicht versteht, wozu umweltauflagen gut sind, und warum benzin auf einmal mehr kostet.

1/4 der weltressourcen?

Es sind tatsächlich 34% und weitere 29% verbrauchen wir.

No worries, zusammen sind wir eh 10% der Weltbevölkerung :-)

Hehe, sehr lustig

Die USA sind schon ein seltsames Land

sehr vieles ist echt scheisse, aber vieles ist auch echt klass.

na ja, dann haltauch klassische scheiße

hauptsache weiss? - ich weiss nicht, obs in ..... (ich möcht jetzt keine österr. gebiete nennen) anders wär. bildungbildungbildung, den menschen stärken wär halt gut...

In West Virginia

bekam Obama grad mal 37%. Da ist eine Zustimmungsrate von 33% eigentlich super.

Wieso? 4 Prozentpunkte weniger, hochgerechnet auf das ganze Land, bedeuteten doch, daß Obama verlöre...

Ein Verbrecher darf gewählt werden??

das sagt alles über die Republikaner und das Politsystem der USA

sonst wären/waren obama clinton und bush ja nicht im amt..
udn ncoh viele andere us präsidneten die seit den 70 jahrne amok laufen

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.