Washington will Enthüllungen über Agenten bei Al-Kaida untersuchen

11. Mai 2012, 07:28
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Bericht über angeblichen Anschlagsplan entpuppte sich als CIA-Aktion unter falscher Flagge

Washington - Nach den Enthüllungen über den spektakulären Undercover-Einsatz eines Agenten bei Al-Kaida will US-Geheimdienstchef James Clapper untersuchen lassen, wie die Informationen darüber an die Medien gelangten. Die interne Untersuchung solle klären, ob eine "unbefugte Weitergabe von geheimen Informationen" vorliege, sagte ein ranghoher CIA-Vertreter. Im Jemen wurden am Donnerstag bei einem Drohnenangriff acht mutmaßliche Al-Kaida-Kämpfer getötet.

Die angeordnete Untersuchung betrifft den Angaben zufolge alle 16 US-Geheimdienste, nicht aber das Weiße Haus oder den Nationalen Sicherheitsrat, da diese Clapper als Geheimdienstkoordinator nicht unterstehen. Der Auslandsgeheimdienst CIA begrüßte die Entscheidung und versprach umfassende Kooperation. "Ich denke, alle Geheimdienste sollten über die jüngsten unerlaubten Enthüllungen besorgt sein", sagte CIA-Sprecher Todd Ebitz.

US-Medien hatten in den vergangenen Tagen ausführlich über einen vereitelten Al-Kaida-Bombenanschlag auf ein US-Flugzeug berichtet. Unter anderem wurde bekannt, dass es sich bei dem vermeintlichen Attentäter um einen eingeschleusten Agenten des saudiarabischen Geheimdienstes und CIA-Informanten handelte. Laut US-Medienberichten hatte der Al-Kaida-Ableger im Jemen dem Informanten die Aufgabe übertragen, eine Bombe an Bord einer Passagiermaschine zu zünden. Der vermeintliche Attentäter habe den Sprengsatz dann außer Landes gebracht.

Drohnenangriffe ermöglicht

Der Agent soll auch Informationen zu führenden Al-Kaida-Mitgliedern im Jemen übergeben und so den jüngst erfolgten tödlichen Drohnenangriff auf Al-Kaida-Führungsmitglied Fahd al-Kuso ermöglicht haben. Al-Kuso wurde von den USA seit Jahren wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an dem Anschlag auf das Kriegsschiff "USS Cole" gesucht, bei dem im Jahr 2000 im Golf von Aden 17 US-Marinesoldaten getötet worden waren.

In der Nacht auf Donnerstag wurden bei einem erneuten Drohnenangriff im Jemen acht mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder getötet. Der mutmaßliche US-Angriff sei in der Extremisten-Hochburg Dschaar im Süden des Landes erfolgt, sagte ein örtlicher Behördenvertreter. Es sei ein Haus beschossen und völlig zerstört worden, in dem die Al-Kaida-Kämpfer zu einem Treffen verabredet gewesen seien.

Stammesvertreter sagten, die Al-Kaida im Jemen sei zuletzt von zahlreichen Agenten ausländischer Geheimdienste infiltriert worden, da die Terrororganisation in den vergangenen Monaten "hunderte" arbeitslose junge Männer rekrutiert habe, ohne sie den üblichen Überprüfungen zu unterziehen. Demnach inhaftierte die Gruppe in den vergangenen Wochen rund 30 ihrer Mitglieder wegen mutmaßlicher Spionage. Im Februar hatte sie zwei Mitglieder hingerichtet, die Informationen an die USA, den Jemen und Saudi-Arabien geliefert haben sollen. (APA, 10.5.2012)

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