Nadal droht Madrid mit einem Boykott

11. Mai 2012, 23:12
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Nach Niederlage gegen Verdacso: Saurer Nadal will einen Bogen um Madrid und den "schlumpfen-blauen" Sand machen - Auch Djokovic out

Madrid - Der sechsmalige French-Open-Sieger Rafael Nadal ist beim ATP-Turnier in Madrid überraschend ausgeschieden und hat nach knapp einem Jahr wieder eine Niederlage auf Sand kassiert. Der Weltranglistenzweite aus Spanien unterlag im Achtelfinale seinem Landsmann Fernando Verdasco nach einem Marathonmatch mit 3:6, 6:3, 5:7 und verpasste erstmals in diesem Jahr das Viertelfinale.

Am Freitag ging das Favoritensterben dann weiter. Nach Lokalmatador Nadal scheiterte auch Vorjahressieger Novak Djokovic. Der Weltranglistenerste musste sich seinem Landsmann und Weltranglistenachten Janko Tipsarevic in zwei Sätzen mit 6:7 (2:7), 3:6 geschlagen geben.

Nadal war ob der Platzverhältnisse total sauer. "Wenn sich die Dinge hier weiter so entwickeln, werde ich nächstes Jahr ein Turnier weniger in meinem Kalender haben", sagte der Spanier nach der Niederlage. Nach seiner ersten Sandplatz-Schlappe seit dem 15. Mai 2011 und der ersten Niederlage gegen Freund Verdasco im 14. Duell machte Nadal keinen Hehl daraus, dass er und der blaue Sand keine Freunde mehr werden. "Solche Bedingungen gibt es sonst nirgends. Ich habe alles versucht, bin extra früher angereist und wollte mein Spiel den Umständen anpassen. Aber beim Versuch, mich auf dem Platz entsprechend zu bewegen, habe ich mir fast die Hüfte verletzt. Das will ich nächstes Jahr nicht nochmal riskieren", betonte Nadal: "Es sei denn, es ändert sich hier etwas."

Aus lauter Verzweiflung über den glatten "Eis-Court" hatte der 25-Jährige von der Sonneninsel Mallorca sogar gefragt, ob er seine Rasenschuhe anziehen dürfe. "Ich durfte aber nicht", meinte der frustrierte "Rafa" und forderte: "Die Farbe der Plätze muss normal sein." Sprich Rot statt "Schlumpfen-Blau", wie der Kanadier Milos Raonic die Colorierung bezeichnet hatte.

Verdasco trifft im Viertelfinale auf den an Nummer sechs gesetzten Tomas Berdych. Der Tscheche behielt gegen Gaël Monfils (Frankreich) mit 6:1, 6:1 souverän die Oberhand.

In einer packenden Begegnung sah Nadal bereits wie der Sieger aus, als er im entscheidenden Satz auf 5:2 davonzog. Doch Verdasco kämpfte sich mit einer Energieleistung zurück ins Match und brachte Nadal, der in diesem Jahr die Turniere in Barcelona und Monte Carlo gewonnen hat, die erste Niederlage auf seinem Lieblingsbelag seit dem 15. Mai 2011 bei. Damals war der 25-Jährige, der das mit 3,090 Millionen Euro dotierte Turnier in Madrid 2005 und 2010 für sich entschieden hatte, in Rom als Verlierer vom Platz gegangen.

Ebenfalls ausgeschieden ist der an Nummer vier gesetzte Franzose Jo-Wilfried Tsonga, der in der Runde der letzten 16 gegen Alexander Dolgopolow (Ukraine/Nr. 16) mit 5:7, 6:3, 6:7 (2:7) unterlag. Dolgopolow trifft in der nächsten Runde auf Juan Martín del Potro (Argentinien/Nr. 10), der sich gegen den München-Finalisten Marin Cilic 6:2, 6:4 durchgesetzt hat.

Recht sichere Siege haben Novak Djokovic und Roger Federer gelandet. Djokovic schaltete mit einem 7:6(5),6:4 gegen den Schweizer Stanislas Wawrinka den Zweitrunden-Bezwinger von Jürgen Melzer aus, Federer ließ dem Franzosen Richard Gasquet mit 6:3,6:2 kaum eine Chance. Melzer schied auch im Doppel aus, mit dem Deutschen Philipp Petzschner (8) unterlag er im Achtelfinale Marin Cilic/Marcelo Melo (CRO/BRA) 6:7(1),3:6.

Federer nutzte den Platz in Länge und Breite gut aus, zwang Gasquet zu viel Laufarbeit. "Ich habe smart gespielt", merkte der Eidgenosse an. "Ich war besser von der Grundlinie aus und habe besser serviert." Federer trifft nun auf David Ferrer, gegen den er eine 12:0-Bilanz hat. Der Spanier wehrte gegen seinen Landsmann Nicolas Almagro drei Matchbälle ab. Almagro hat damit auch das zehnte Duell mit seinem Landsmann verloren.

Gewinnt Federer das Turnier, würde er Nadal am Montag als Weltranglisten-Zweiter ablösen. Platz eins bleibt natürlich für Djokovic reserviert. Der Serbe überzeugte gegen Wawrinka vor allem bei eigenem Aufschlag. Der Australian-Open-Sieger bekommt es nun mit dem Sieger der Partie seines Landsmanns Janko Tipsarevic gegen den Franzosen Gilles Simon zu tun. Dieses Match wurde am späten Donnerstag im dritten Satz entschieden.

Bei den Frauen erreichte die an Nummer zwei gesetzte Stuttgart-Siegerin Maria Scharapowa kampflos das Viertelfinale des mit 3,755 Millionen Euro dotierten WTA-Turniers in Madrid. Die Australian-Open-Finalistin profitierte von der Erkrankung ihrer tschechischen Gegnerin Lucie Safarova. In der Runde der letzten Acht trifft die Russin auf Serena Williams (USA).

Die 30 Jahre alte US-Amerikanerin setzte sich in ihrem Achtelfinale im Duell der ehemaligen Weltranglistenersten gegen Caroline Wozniacki aus Dänemark mit 1:6, 6:3, 6:2 durch. Williams, in der spanischen Hauptstadt an Position neun gesetzt, dominierte nach schwachem ersten Satz die Partie und schlug insgesamt 43 sogenannte Winner. (sid, 10.5.2012)

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    Nadal ist am Unternehmen Madrid-Triumph vorzeitig gescheitert.

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