Neues Jelinek-Stück für die Kammerspiele

10. Mai 2012, 18:17
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Arbeit über Luxus-Shoppingmeile wird im Rahmen der Jubiläums-Spielzeit uraufgeführt

München  - Elfriede Jelinek will ein Theaterstück über Münchens bekannteste Luxus-Shoppingmeile, die Maximilianstraße, schreiben. Das Stück der österreichischen Literatur-Nobelpreisträgerin soll in den selbst an der Maximilianstraße gelegenen Münchner Kammerspielen uraufgeführt werden.

"Ich habe mit ihr besprochen, dass sie ein Stück schreibt über die Maximilianstraße und Mode", sagte Intendant Johan Simons am Donnerstag in München. "Aber man weiß bei Jelinek natürlich nie. Es kann den Anfang haben in der Mode und dann auf dem Mont Blanc enden." Das Stück, das noch keinen Titel hat, soll im Oktober 2012 auf die Bühne kommen.

Neuer "King Lear"

Die Kammerspiele gehen im Herbst in ihre 100. Spielzeit, Anlass  für Simons, an einem weiteren Münchner Mythos zu rütteln, der legendären "King Lear"-Inszenierung von Dieter Dorn aus dem Jahr 1992. In der kommenden Saison will Simons selbst den Shakespeare-Klassiker inszenieren. "Ich habe jetzt das Alter, Shakespeare neu zu betrachten", sagte der 65-Jährige. Die neue Interpretation des Stückes, das an den Kammerspielen mit Rolf Boysen in der Hauptrolle Kultstatus erlangte, erfordere aber auch Mut. "Die legendäre Inszenierung spukt in diesen Räumen herum."

Mit einer neuen Inszenierung von Frank Wedekinds "Franziska" wollen die Kammerspiele an ihre erste Saison vor 100 Jahren anknüpfen. Damals wurde das Stück mit Wedekind selbst in der Hauptrolle uraufgeführt. Zum runden Geburtstags inszeniert es jetzt Andreas Kriegenburg, der derzeit Richard Wagners "Ring des Nibelungen" an der Staatsoper in München neu auf die Bühne bringt.

Ansonsten will das Theater seiner von Simons vor zwei Jahren ausgegebenen Linie treubleiben, noch internationaler und global noch besser vernetzt zu werden sowie neue Wege zu beschreiten. So sollen Diskussionsveranstaltungen über Demokratie mit Hilfe des Internets mit Teilnehmern auf der ganzen Welt - aus Kairo, New York, Moskau oder Peking - geführt werden. "Unser Spielplan ist der Versuch, uns selbst offen und verletzbar gegenüber der Welt zu zeigen", sagte Simons. Die erste Premiere gilt "Orpheus steigt herab" von Tennessee Williams (Regie: Sebastian Nübling). Weiters geplant u.a.: Stephan Kimmig inszeniert die Dramatisierung des Houellebecq-Romans "Plattform", Ivo van Hove führt bei "Seltsames Intermezzo" von Eugene O'Neill Regie.

Zum 100-jährigen Bestehen planen die Kammerspiele außerdem ein Festprogramm rund um den Jubiläumstag am 11. Oktober. Dabei sollen die Zuschauer und die Menschen hinter der Bühne - Techniker und Bühnenarbeiter - im Mittelpunkt stehen. An einem Tag soll die Maximilianstraße für den Verkehr gesperrt werden - damit Theatermacher und Publikum ungestört im Freien diskutieren können.   (APA, 10.5.2012)

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