Cisco verunsichert mit zaghaftem Ausblick wegen Europa

10. Mai 2012, 16:05
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Umsatz- und Gewinnprognose schwächer als erwartet - Cisco-Chef: Kunden halten sich wegen Schuldenkrise zurück

Der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco Systems hat mit einem zaghaften Ausblick auf das laufende Vierteljahr die Angst vor sinkenden Investitionen geschürt. Besonders Sorgen macht dem US-Konzern die europäische Krise, in der sich Kunden mit ihren Ausgaben zurückhalten. Cisco rechnet nun mit einem geringeren Gewinn und Umsatz in den drei Monaten bis Juli als von Experten erhofft. Es sei zudem sehr schwer vorherzusagen, wie sich das zweite Halbjahr entwickeln werde, sagte Cisco-Chef John Chambers bei der Vorlage der Quartalsbilanz nach US-Börsenschluss am Mittwochabend.

Zwar hätten die Kunden grundsätzlich signalisiert, dann wieder mehr investieren zu wollen. "Doch unmittelbar danach sagen sie, wir warten ab, was in Europa passiert und wie sich die Regierungen verhalten werden." Wegen der Schuldenkrise sind die Staaten auf dem Kontinent auf Sparkurs.

Umsatzplus zwischen zwei und fünf Prozent

Cisco geht im vierten Geschäftsquartal von Mai bis Juli nun von einem Umsatzplus zwischen zwei und fünf Prozent aus, also Erlösen von 11,4 Mrd. bis knapp 11,8 Mrd. Dollar (8,8 bis 9,1 Mrd. Euro). Experten hatten aber auf 12 Mrd. Dollar gesetzt. Auch beim Gewinn, den Cisco mit 44 bis 46 Cent je Aktie erwartet, hinkt das Unternehmen hinter den Expertenerwartungen um einige Cents hinterher.

Entlassung auf Kosten der Innovation

Die Konjunkturschwäche in der Euro-Zone dürfte noch bis in den Herbst hinein anhalten. Analysten stellen sich auf schwierige Zeiten für die IT-Branche ein. Wegen der konjunkturellen Risiken dürften Firmen und Regierungen, also die Hauptkunden von Cisco, ihre Investitionen in IT-Netze begrenzen. "Es gibt definitiv einen makroökonomischen Effekt", sagte Trip Chowdhry von Global-Equities-Research. Cisco leide zudem unter Stillstand. "Sie entlassen Leute. Wie soll man innovativer werden, wenn man Leute rausschmeißt? Die Mitarbeiter, die es nicht getroffen hat, sind nicht mehr motiviert", sagte der Experte.

Der einstige Technologievorreiter versucht seit längerem, mit einem Radikalumbau und Einsparungen wieder in die Spur zu kommen. Chambers hat vor einem Jahr ungewohnt offen eingeräumt, die Firma sei vom Weg abgekommen. Einen Großteil seiner Erlöse macht Cisco mit Aufträgen der US-Regierung. Der Sparzwang in den USA und die anstehende Präsidentenwahl sorgen zusätzlich für Unsicherheit.

Aktien stürzen ab

An der Börse kamen die Zahlen schlecht an. Cisco-Titel brachen im außerbörslichen US-Handel um neun Prozent ein auf 17,13 Dollar. In Frankfurt notierten die Aktien fast sieben Prozent schwächer. Dabei konnte sich der eigentliche Quartalsbericht zum abgelaufenen dritten Vierteljahr sehen lassen. Der Umsatz zog verglichen zum Vorjahr in den drei Monaten von Februar bis April um 6,6 Prozent an auf 11,59 Mrd. Dollar. Analysten hatten etwas weniger erwartet.

In Europa, dem Nahen Osten und Afrika kletterten die Umsätze lediglich um 4,6 Prozent, in Amerika sogar nur um 3,2 Prozent. Gut lief das Kerngeschäft Network Switching. "Die Zahlen sind nicht allzu schlecht, angesichts des schwierigen Umfelds, in dem wir uns befinden", sagte Mark Sue, Analyst von RBC Capital Market. Der Ausblick dürfte aber auch die Aktien von Cisco-Rivalen wie Juniper Networks und Hewlett-Packard in Mitleidenschaft ziehen. (APA, 10.05.2012)

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