"Datura": Kurztrip für Erlebnis-Junkies

Download-Spiel für PS3 verlässt Mainstream-Pfade - Etwas zu aufgesetzt

Große Medienkonzerne neigen dazu, Kunst und gewagteren Projekten wenig Raum zu geben. Profitmaximierung verträgt sich nicht mit exzentrischer Kreativität. Die Videospielbranche kann ein (Trauer-)Lied davon singen, nicht umsonst gibt es jedes Jahr ein neues "Call of Duty" und "Need for Speed" oder zumindest fast jedes Jahr ein neues "Halo".

Bei all seiner monolithischen Unbeweglichkeit hat sich Sony in den vergangenen Jahren als einer von ganz wenigen der großen Player als Hort für gewagtere Projekte etabliert. Sony öffnete das PlayStation-Universum mit Nachdruck für ausgefallene Konzepte. Als sehr erfolgreich stellte sich etwa die Kooperation mit Thatgamecompany heraus, aus der Werke wie das "Flower" oder "Journey" hervorgingen.

Interaktive Kunst

Noch ein Schritt weiter in Richtung interaktive Kunst und weg vom Mainstream sind die Schöpfungen des polnischen Studios Plastic Games. 2008 sorgte das Team mit "Linger in Shadows" gleichermaßen für erstaunte als auch verdutzte Gesichter unter der Spielerschaft. Der Mix aus Grafikdemo, metaphorischer Bildsprache und minimalistischem Gameplay konnte auch die Kritiker nicht restlos überzeugen.

Nun hat Plastic, das mittlerweile unterm Dach Sonys Santa Monica Studio haust, mit "Datura" nachgelegt. Abermals schert man sich wenig um eingefahrene Gameplay-Konventionen und stellt eine wenige Stunden kurze, traumhafte Erfahrung praktisch unkommentiert in den Raum.

Verlaufen

Man findet sich ausgesetzt in einem herbstlichen Wald wieder und wird alsbald vor eine Reihe an Herausforderungen und Gefahrenmomente gestellt. Dabei gilt es Schlösser zu knacken, um an geheime Orte zu gelangen oder sich aus brenzligen Situationen zu befreien. Die Autoren scheuen nicht vor Inkonsistenzen zurück und streuen auch mal Zeitsprünge und Kriegsszenarien ein.   

Spielerisch verlaufen die vielen spannenden Ansätze leider rasch im Sand. Dass sich die Welt am besten mit der Bewegungssteuerung Move erkunden lässt zeigt, dass es sich mehr um eine interaktive Demo, als ein ausgefeiltes Videospiel handelt. Es ist ein Kurztrip für Erlebnis-Junkies. Aber reicht die Differenzierung als Anreiz? Vielleicht ein wenig zu aufgesetzt. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 10.5.2012)

"Datura" (Pastic Games/Sony) ist als Download für PS3 erschienen. Sagen Sie uns Ihre Meinung!

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Datura

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5 Postings

laut reviews von gamepro 4players kein top spiel. ist schade, hab mich darauf gefreut!

laut franzi von blumental ist gamepro kein top reviewer. schade, hab mich auf hirnersatz gefreut!

"Dass sich die Welt am besten mit der Bewegungssteuerung Move erkunden lässt zeigt, dass es sich mehr um eine interaktive Demo, als ein ausgefeiltes Videospiel handelt."
Aha. Unbegründetes Vorurteil gegen Move allgemein?

..ein schönes Game.

Schöner Artikel, aber auch Sony sollte noch mehr tun: (auch) ein "TRAUMA" würde sich mit Move ganz hervorragend spielen.
Für kleine unabhängige Projekte sind die Konsolen-Marktplätze mit ihrer ganzen (Über-)Regulierung bislang doch allesamt nur herzlich wenig geeignet. Microsoft hat, zumindest außerhalb von Österreich, ein eigenes Feld jetzt schon vor Jahren etablieren können, doch wirklich Kreatives findet sich dort imo leider (auch) kaum. Kein "Dear Esther", nichts von einem Rohrer, Tale of Tales usw. Dafür gibt es dort wohl auch wieder zu problematische Normvorgaben von der Größe her, ähnlich wie bei Wiiware.
Für "Datura" hatte ich jetzt zwar noch keine Gelegenheit, aber "Linger in Shadows" kann ich wirklich nur empfehlen. Top-PS3-Titel!

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