Notenbank ändert Kurs Richtung höhere Inflation

10. Mai 2012, 14:08
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Die Deutsche Bundesbank hat ihre Haltung in der Geldpolitik gelockert. Sie will in Deutschland künftig auch höhere Inflationsraten dulden

Wien - Die Deutsche Bundesbank hat ihre Haltung in der Geldpolitik gelockert. Sie will in Deutschland künftig auch höhere Inflationsraten dulden, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD, Donnerstagausgabe). Als Grund für diese "geldpolitische Kehrtwendung" verweist die Zeitung auf die gute deutsche Konjunktur und die kriselnden Volkswirtschaften in Südosteuropa.

Die deutschen Währungshüter seien bereit, eine höhere Inflationsrate hinzunehmen, als im Rest der Eurozone, schreibt die Zeitung. Die Reformen in den Krisenstaaten hätten zur Folge, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder gegenüber Deutschland verstärke, habe die Bundesbank in einer Stellungnahme für eine Bundestagsanhörung erstmals eingeräumt: "Deutschland dürfte in diesem Szenario künftig in der Währungsunion eher überdurchschnittliche Inflationsraten aufweisen", so die Währungshüter. Allerdings müsse die Geldpolitik dafür sorgen, dass die Inflation der Euro-Zone insgesamt dem Stabilitätsziel entspreche und die Inflationserwartungen fest verankert blieben.

Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland mit zwei Prozent unter dem Euro-Zonen-Wert von 2,6. Allerdings geht die EZB davon aus, dass die Preissteigerungsrate in der Euro-Zone bis Anfang 2013 auf unter 2,0 Prozent fallen wird. In Deutschland hingegen rechnen Volkswirte mit einem Anstieg. Gemeint sein könnte hier nach Ansicht von Fachleuten ein vorübergehendes Niveau von etwa 2,5 bis 2,6 Prozent (auf dieser Höhe bewegt sich derzeit auch Österreichs Inflationsrate, Anm.).

Kein Grund zur Sorge?

Volkswirte messen der Bundesbank-Stellungnahme große Bedeutung bei. Entscheidend für die Akzeptanz des neuen Trends wird das Ausmaß der Preissteigerung sein. Für Ulrich Kater von der Dekabank könnte die deutsche Rate "bis zu 4,0 Prozent" betragen. IWF-Chefökonom Olivier Blanchard hatte Ende April im "FTD"-Interview gesagt, einige Euro-Länder könnten Inflationsraten von bis zu 6,0 Prozent verkraften. Holger Schmieding von der Berenberg Bank hingegen sieht keinen Grund zur Sorge. Der Abstand zwischen den Inflationsraten entstehe nicht durch den Anstieg in Deutschland, sondern durch das Absinken im Rest der Euro-Zone.

Die EZB werde ihr Inflationsziel nicht aus den Augen verlieren, betonte hingegen der Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank, Peter Praet, am Donnerstag in Wien bei der Volkswirtschaftlichen Tagung der Nationalbank. Auch OeNB-Chef EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny betonte, dass derzeit der Zeitpunkt für einen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes noch nicht gekommen sei. (APA, 10.5.2012)

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