Wer nicht dienen kann, muss Chef werden

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Zur Manager-Persönlichkeit und was sie tun kann, um die Mitarbeiter zu verschrecken

Wer nicht dienen kann, muss herrschen, lautet das Sprichwort. In Ihrem Fall muss es anders heißen: Wer mir dienen will, muss sich von mir beherrschen lassen. Üben Sie diese Herrschaft ohne Rücksicht auf Verluste aus, das Betriebsdesaster wird mit Ihnen sein. 

Sehen Sie Besonnenheit und Gleichmut als Zeichen von Schwäche. Explodieren Sie hin und wieder ohne Vorwarnung. Schreien Sie mit den Mitarbeitern und lassen Sie alle Ihren Groll spüren. Geben Sie Druck unvermindert weiter. Achtung: Stets von oben nach unten (mehr zum Punkt "Hierarchie" hier). Ein überraschender cholerischer Ausbruch schafft fundierte Krisenstimmung über mehrere Tage und wirkt im besten Fall lange nach. Der Mitarbeiter soll stets darüber informiert sein, wer der unternehmensinterne Demotivator ist, wenn er seinem sozialen Umfeld über besonders auffällige Phänomene am Arbeitsplatz berichtet.

Bestehen Sie darauf, dass Sie als freier Mensch geboren wurden und als Führungskraft das Recht haben, Ihre Gefühle auszuleben. Stellen Sie fest, wie befreiend es sein kann, andere in die Schranken zu weisen. Arbeiten Sie in diesem Zusammenhang sämtliche Kindheitstraumata auf, die Ihnen einfallen. Denken Sie daran, dass Sie der unumschränkte Machthaber sind, der über alles und jeden verfügen kann. Sollten Sie diesen Entwicklungsschritt noch vor sich haben, empfehle ich, diese herrlichen Zustände zumindest zu visualisieren. Mit dieser Vision beginnt Ihre Zukunft im Desaster. Nach wenigen Visualisierungseinheiten werden Sie merken, wie das Selbstvertrauen in Ihnen wächst. 

Lassen Sie andere an Ihrer Genialität großzügig teilhaben. Verteilen Sie kluge Ratschläge und geben Sie Tipps, die keiner braucht. Vertrauen Sie darauf, dass man Ihnen zuhört, schließlich sind Sie ja der Chef und Oberexperte für alles. Dies gilt es für den Aufbau des eigenen Selbstwertgefühls auszunutzen. Sprechen Sie in einem fort und beglücken Sie Ihre Zuhörerschaft mit gefinkelten Fragestellungen, die nur Sie selber zu beantworten imstande sind, oder teilen Sie persönliche Weisheiten mit allen. Ein Stammplatz in der Erinnerung der Mitarbeiter ist Ihnen sicher. (Christian A. Pongratz, derStandard.at, 26.5.2012)

Christian A. Pongratz, geboren 1973 in Klagenfurt, studierte Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre und war Gastprofessor an der Università Commerciale Luigi Bocconi in Mailand. Er ist als Lektor an der Donau-Uni Krems tätig und unterrichtet an der FH Villach. Pongratz ist als Unternehmensberater (durchdacht.cc) und Wirtschaftskabarettist (betriebsdesaster.cc) in Österreich, Deutschland und Italien zugange.

Buchtipp

Christian Pongratz: Betriebsdesaster. Die Anleitung zum Untergang. Verlag durchdacht.cc, 159 Seiten, 24,50 Euro.

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19 Postings
erinnert mich irgendwie an meine Chefin

an der Uni - brüllen kann sie jedenfalls gut. Hab mich schon gefragt, welche Kindheitstrauma sie eigentlich an ihren Mitarbeitern auslebt.

Der Chef ...

Fürderhin Leitaffe genannt, ist im Inneren ein liebenswertes, aber unverstandes Wesen. Manchmal lieb, wenn er etwas will, manchmal trotzig, und manchmal vor Wut mit den Füßen strampelnd, stammelnd, brüllend, schlicht unerträglich.

Der Leitaffe ist also eigentlich nur eines, ein Kind. Eines, das man erst erziehen muss, damit es tut - was es soll. Es soll einen Mitarbeiter jederzeit Wertschätzen, ihnen alles Zutragen, die tägliche Last erleichtern, mehr Gehalt zahlen, und natürlich soll er auch lernen, aufs Wort zu gehorchen. Kusch, für den Anfang.

Nur ein erzogener, ist ein guter Leitaffe. Es dauert - bis das Kind erwachsen ist, und befolgt, was man ihm beibringt. Doch irgenwdann wird aus dem Brüllaffen, auch ein liebenswerter Schoßhund.

da werden immer nur die Photos von den Chefs ausgetauscht...
welchen Konzern leitet denn der abgebildete?

ein (guter) chef dient seinen mitarbeitern - und kunden

um seinen mitarbeitern ein bestmögliches arbeitsumfeld zu schaffen um optimale betriebsergebnisse zu erarbeiten.

bilde ich mir das nur ein, oder wiederholen sich die inhalte seiner artikel immer wieder??? irgendwie klingt das alles immer gleich fad.....

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

ähnelt einer meiner Chefs !

um welchen österreichischen politiker handelt es sich bei dem bild?

strasser... oder etliche andere auch, aber: strasser...

… das beigefügte Bild ist nett… der Inhalt dieses Artikels ist jedoch für die Fische…

Mal wieder grosse Weisheiten von einem, der nachweislich noch nie eigenes unternehmerisches Risiko eingegangen ist und noch nie eine Führungsfunktion hatte. Der Herr ist mit seiner Klischeeschleuder so kompetent wie der Papst als Sexberater.

so Chefs gibt es auch wenn man es kaum glauben mag - ich kann es leider wegen eigener leidvoller Erfahrung bestätigen

So ein Schwachsinn! wie lange sollte denn so ein Typ Manager einer Firma sein können?? Vielleicht so 2 Monate?

lol :D

das war jetzt nicht ernst gemeint, oder?

die basis macht die arbeit,...war und ist schon immer so gewesen

oooh, ironie nicht verstanden? in österreich baut sich der sogenannte schmäh ähnlich auf. in diesem fall ist es aber weniger lustig.

wer nicht dienen kann wird in Österreich Beamter!

Weisungsgebundener Beamter, mit Disziplinarverfahren am Horizont. Ein toller Job für Renitente.

wenn juckts, ein beamter kann sich doch fast komplett aufführen, da unkündbar - ein privileg was diese kaste anscheinend noch immer als selbstverständlich hält. ich sage weg damit! und von einem disziplinarverfahren stirbt man nicht, man verliert auch keinen job.

es gibt kaum mehr beamtete jobs (neue).

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